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Die blauen Männer hauen auf die Röhre

In den USA längst Kult, ist die Blue Man Group in der Schweiz angekommen. Die Unterhaltungsgruppe verknüpft modernste Technik mit Stummfilmkomik.

Feuerwerk der Perkussion: The Blue Man Group beim Finale.
Feuerwerk der Perkussion: The Blue Man Group beim Finale.
Ken Howard

Blau leuchtets im Musical Theater schon vor Beginn. Es sind die Pelerinen, die die Besucherinnen und Besucher in den vordersten fünf Reihen erhalten haben. Wir verstehen: Eine spritzige Show steht bevor. Die Blue Man Group, eine amerikanische Erfolgsgeschichte, ist in der Schweiz angekommen. Die Menschen näher zusammenzuführen, das ist ein erklärtes Ziel der Gruppe. Tatsächlich wird Interaktion gross geschrieben. Schon im etwas lang geratenen Warm-up: Witzige Textbotschaften flimmern über LED-Anzeigen, das Publikum soll locker werden.

Dann stehen sie da. Zuerst als Schattenmusiker, dann im Scheinwerferlicht: drei Gestalten in schwarzen Überkleidern, mit blauen Gesichtsmasken. Starr und stechend ihre Blicke. Wie die uns anschauen: verwundert, abwartend, erst uns, dann einander. Sie bleiben stumm, den ganzen Abend. Kommuniziert wird mit Mimik, Gestik und eingespielten Botschaften: via Projektion, Toneinspielung oder Texttafeln. Die drei Männer schauen so erstaunt, als habe man sie gerade hergebeamt. Sie wirken ausserirdisch. Oder gar: unterirdisch. Erfahren wir doch, dass es ein unsichtbares Netz gebe, das alle Menschen verbinde: die Kanalisation. Aus dieser haben die Blue Men Röhren entwendet und zu Instrumenten umfunktioniert, die sie bespielen.

Furiose Perkussion

Am eindrücklichsten: ihr Drumbone. Eine Röhrenkonstruktion, deren Tonhöhen wie bei einer Zugposaune verändert werden. Doch statt reingehaucht, wird draufgetrommelt. Perkussive Virtuosität wie bei den wischmobbenden «Stomp»-Mitgliedern oder den japanischen «Yamato»-Drummern steht bei dieser Produktion im Hintergrund. Wörtlich: Hinten, hoch über der Bühne, sehen wir Silhouetten eines Quartetts.

Es ist die Begleitband, deren Kleidung mit UV-Licht bestrahlt wird. Sie sehen aus wie technoide Skelette. Ein Perkussionist und ein Schlagzeuger fegen furiose Tribal-Rhythmen in den Saal, eine elektrische Zither und ein Bass unterstreichen mal sphärische, mal brachiale Passagen. Industrial-Anleihen dringen durch. Diese rund 100-minütige Performance einzuordnen, ist kein Leichtes. Circensische Ansätze sind vorhanden, etwa wenn Marshmallows aus zehn Metern Distanz in die Münder geworfen und als Farbspritzer ausgespuckt werden. Situationskomik blitzt hier und da auf. Und audiovisuelle Möglichkeiten werden magisch ausgeschöpft: voller Sound, optische Täuschungen, bunte Farben. Dazu gar noch ein wenig Sozialkritik: wenn Computeranimationen im Internetcafé nebeneinander sitzen, jeder für sich, um mit anderen Menschen im virtuellen Raum zu kommunizieren.

Ablenkung vom Alltag

Einen roten Faden? Gibts nicht. Dafür blaue Köpfe. Weisse Stroboskopsalven. Und am Schluss meterlange Papierschlangen, die zum Techno-Remix von Donna Summers «I Feel Love» durchs Publikum gleiten. So werden alle miteinander verbunden – gehen aber nach dem Schlussbouquet doch ihre eigenen Wege. Bringt uns dieser Abend näher zusammen? Das vielleicht nicht. Aber gut unterhalten und vom Alltag abgelenkt, das wird man. Mehr kann man von einer solchen Show nicht verlangen.

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