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Die Abnormitäten von Normalsterblichen

Die Theaterformation PENG! Palast liess sich von Marquis de Sade inspirieren. «Götter der Stadt» balanciert zwischen dem Artigen und dem Abartigen – und bleibt dabei zu sehr im Ungefähren.

Der Marquis als Inspiration: Die Theaterformation PENG! Palast. (zvg)
Der Marquis als Inspiration: Die Theaterformation PENG! Palast. (zvg)

Erwischt! Als das Saallicht im Schlachthaus ausgeht, wendet sich eine Stimme aus dem Off ans Publikum: «Was wollt ihr hier? Was Neues sehen, hören, fühlen? Etwas Abartiges, weil ihr so artig seid? Was lockt euch an de Sade? Scheisse, Sperma, Blut?» Der Zeigefinger ist auf uns gerichtet, die Theaterzuschauer, die sich von einem Stück haben anlocken lassen, das von einer Schrift des Marquis de Sade ausgeht – und denen nicht ganz lautere Absichten untergeschoben werden. Obwohl der Theaterzuschauer ja von Natur aus Voyeur ist. Recht hat sie aber, die Stimme des Marquis de Sade, wenn sie sagt: «Ihr lasst mich nicht sterben.» De Sades Monstrositäten, wie etwa «120 Tage von Sodom», dieses Lexikon der Abartigkeiten, existieren natürlich nur, weil sie auch rezipiert werden. Was die junge Berner Gruppe PENG! Palast aus de Sades Vorlage im Stück «Götter der Stadt oder Die 120 Tage von Sodom» macht, ist jedoch eher eine Anti-Rezeption, die sich dem explizit Perversen und dem Text de Sades schlicht und elegant verweigert.

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