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Darauf hätte man auch früher kommen können

Dampfzentrale und Schlachthaus - eine Fusion, die nicht wirklich Sinn gemacht hätte. Statt von oben Druck aufzubauen, hätte es sich vielmehr gelohnt, nach bestehenden Synergien zu fragen.

Die Dampfzentrale, sowie auch das Schlachthaus bleiben eigenständig.
Die Dampfzentrale, sowie auch das Schlachthaus bleiben eigenständig.
Adrian Moser

Über drei Jahre sind vergangen, seit die Stadt gefordert hat, Schlachthaus und Dampfzentrale seien zusammenzuführen – als Bedingung für höhere Subventionen. Und jetzt bleibt doch alles, wie es ist. Der Beschluss kommt nicht überraschend. Von Anfang an wurde von mehreren Seiten Kritik an der Fusionsforderung der Kulturbeauftragten Veronica Schaller laut.

Umso drängender stellt sich nun die Frage, was die ganze Übung sollte, die die Beteiligten viel Zeit, Arbeit und Nerven gekostet hat. Bis zuletzt konnte Schaller nie plausibel auf den Punkt bringen, welche Ziele sie mit dem Plan einer Kooperation verfolgt. Die Rede war zwar von einem zweiten «Kultur-Flaggschiff», das Schlachthaus und Dampfzentrale neben Konzert Theater Bern bilden sollten. Ob das überhaupt gelingen kann, ist fragwürdig. Denn obwohl KTB von allen Kulturhäusern die grösste städtische Subvention erhält, reicht dessen Ausstrahlung kaum über die Region hinaus. Wie soll das eine zweite Institution der Bühnenkünste mit einem Bruchteil der Mittel schaffen?

Gegen eine Fusion sprach auch von Anfang an der Fakt, dass sich die Häuser stark in ihren Betriebsstrukturen und ihrem Verhältnis zur freien Szene unterscheiden. Während sich die Dampfzentrale primär als Präsentations- und Produktionsort versteht, setzt das Schlachthaus darüber hinaus auf eine enge und kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Künstlern.

Statt von oben Druck aufzubauen, hätte es sich vielmehr gelohnt, nach bestehenden Synergien zu fragen. So profitierte das Schlachthaus etwa von der Infrastruktur der Dampfzentrale, als man vor drei Jahren eine Produktion dorthin verlegte, die im eigenen Saal an bühnentechnische Grenzen gestossen wäre. Dass durch solche punktuellen Kooperationen künstlerischer Mehrwert entstehen kann, zeigte sich auch beim gemeinsamen Pilotprojekt «Mix up!»: Das Festival ermöglichte Berner Bühnenkünstlern, mit ausländischen Gruppen zusammenzukommen, um gemeinsame Ideen zu entwickeln.

So wird es weitergehen: Zu Kooperationen dürfte es nur in einzelnen Fällen kommen – dann, wenn es für die Häuser inhaltlich und organisatorisch gesehen Sinn ergibt. Darauf hätte man zweifellos früher kommen können. Zurück bleibt die Erkenntnis, dass geplanten Veränderungen eben auch einleuchtende Ideen vorangehen müssen. Solange die Kulturpolitik aber keine vermitteln kann, die auch die Häuser mittragen, muss jede solche Forderung ins Leere laufen.

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