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Dankt ab, Männer

Die Opernintendantin Katharina Wagner dreht ihren Ahnen Richard Wagner durch den Fleischwolf des Feminismus.

Sie ist die Urenkelin von Richard Wagner: Intendantin Katharina Wagner. Bild: Keystone
Sie ist die Urenkelin von Richard Wagner: Intendantin Katharina Wagner. Bild: Keystone

Katharina Wagner ist weder leise noch diplomatisch. Wenn sie in den Raum kommt, denken Wagnerianer an eine Walküre. Solches Auftreten macht angreifbar, aber Angriffe stimulieren Katharina Wagner, sie ist sie gewohnt. Die Urenkelin des Komponisten Richard Wagner ist 1978 geboren. Nach dem Willen ihres Vaters Wolfgang sollte sie seine Nachfolgerin auf dem Bayreuther Intendantensessel werden. Nach vielem Hickhack hat sie das 2008 geschafft, und seither wird ihr aus jeder Absage eines Sängers, eines Dirigenten oder eines Regisseurs ein Strick gedreht. Auch dieses Jahr, als der Tenor Roberto Alagna einen Monat vor Spielzeiteröffnung die Titelpartie im «Lohengrin» absagte. Bei der Premiere sang am Mittwoch Piotr Beczala.

Katharina Wagner ist aber auch Regisseurin. Als 22-Jährige übernahm sie ihre erste Opernregie, den «Fliegenden Holländer» in Würzburg. Fünf Jahre später debütierte sie in Bayreuth als erste Regisseurin überhaupt mit den «Meistersingern».

Opernregisseurinnen und erst recht Opernintendantinnen sind eine grosse Ausnahme. Der Betrieb ist zutiefst männlich geprägt. Männer bestimmen, welche Männer die bekannten, von Männern getexteten und komponierten Stücke inszenieren und dirigieren dürfen. Das Problem dieses Biotops ist, dass sich der immer gleiche männliche Blick auf die Repertoirestücke richtet. Das wird zunehmend fad und trägt dazu bei, dass Oper immer weniger in relevante Diskurse hineinspielt.

Der weibliche Blick auf Wagner

Hier setzt Katharina Wagner an. Immer wieder dreht sie die alten Männerstücke durch den Fleischwolf des Feminismus. Schon aus dem «Holländer» hat sie 2002 das Stück einer Frau gemacht, die partout aus der patriarchalischen Welt des Vaters raus will. Im «Tristan» erzählt sie von einer Zwangsheirat, nicht in fernen oder rückschrittlichen Zeiten, sondern hier und heute in Bayern.

In zwei Jahren steht Richard Wagners Vierteiler «Der Ring des Nibelungen» zur Neuinszenierung an. Es wäre nur logisch gewesen, wenn sich Katharina Wagner selbst an dieses Hauptwerk gemacht hätte. Sie wird es nicht tun. Stattdessen soll es dem Vernehmen nach Tatjana Gürbaca machen. Es wäre das erste Mal, dass eine Frau den «Ring» in Bayreuth inszeniert. Gürbaca ist wie Katharina Wagner gewillt, einen dezidiert weiblichen Blick auf Wagner zu werfen. In ihrem «Parsifal» verwandelte sie die Kundry, eine klischeehafte Mischung aus Triebweib und Mutter Teresa, in eine grosse Liebende, die es gegen alle Widerstände in dieser machistischsten von allen Männerwelten Wagners schafft, ihr grausam zerstörtes Glück mit dem Gralskönig Amfortas zu finden. Diese Änderung ist sicher nicht im Sinne Richard Wagners. Sie zeigt aber auf, was auch seine Nachfahrin erreichen will. Ihre Botschaft an die Machtmänner im Opernbetrieb: Dankt ab. Und versucht wie Amfortas, wenigstens perfekte Liebhaber zu werden.

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