«Aute, gang mau hei»

Simon Jäggi ist der Sänger der Kummerbuben, die bei «Krabat», dem diesjährigen Weihnachtsmärchen im Berner Stadttheater, für die Musik zuständig sind.

Die Kummerbuben am Gurtenfestival im Sommer 2015.

Die Kummerbuben am Gurtenfestival im Sommer 2015. Bild: Franziska Rothenbühler (Archiv)

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Die Geschichte rund um den Waisenbuben Krabat, der sich auf schwarze Magie einlässt, gehört zu den bekanntesten Werken des deutschen Kinderbuchautors Otfried Preussler. Auf die Bühne gebracht wird «Krabat» von der freien Gruppe Vorort, Premiere ist am Mi, 6. 12., um 10 Uhr. Weitere Vorstellungen bis 22.1.2018. Die Songs, die die Kummerbuben fürs Stück komponiert haben, sind auch auf CD erhältlich: www.kummerbuben.com.

Was war beim Projekt «Krabat» zuerst, die Musik oder das Spiel?
Die Musik. Wir haben bereits Anfang Jahr mit dem Komponieren und Texten begonnen, im Sommer haben wir dann eine Intensivphase eingelegt und innerhalb einer Woche elf Songs aufgenommen.

Geht man als Musiker anders an Songs heran, die für Theaterzwecke verwendet werden?
Der Kompositionsprozess war eigentlich sehr dankbar, weil klar war, was gefragt ist. Jonathan Loosli, der Regisseur der Gruppe Vorort, hat uns die Themen vorgegeben, zu welchen er sich Songs wünschte. Innerhalb dieser Vorgaben waren wir dann sehr frei. Themen wie schwarze Magie, Zauber, Liebe und Tod passen ohnehin in unsere Musikwelt, wir mussten uns also nicht neu erfinden. Das war sehr wohltuend, weil wir uns gerade in einer Umbruchphase befinden und nicht so recht wissen, wo es uns musikalisch hintreiben wird. Wir haben grundsätzlich Bock darauf, neue Dinge auszuprobieren, in einer solchen Phase scheitert man auch oft. Dass wir in «Krabat» machen konnten, was wir können, war eine Wohltat.

Die Geschichte um den Müllersburschen Krabat spielt in der Lausitz, dem heutigen deutsch-polnischen Grenzgebiet. Macht sich die geografische Vorlage in der Musik bemerkbar?
Wir haben zwar darüber nachgedacht, traditionelle Instrumente einzubinden, haben es dann aber gelassen, weil das gar arg volkstümlich daherkam. Ich habe übrigens zu Recherchezwecken extra einen Ausflugs in die Lausitz unternommen. Der war aber nicht sehr erfolgreich. Ich war im Mai während des Vatertags dort: In Ostdeutschland gibt es diese Tradition, dass man an dem Tag mit dem Velo rumfährt, sich dazu gottsjämmerlich betrinkt und sehr laut sehr schlechte Musik hört. Meine Vorstellung im Vorfeld war ja gewesen, dass diese Lausitz ein mystischer Ort sei, eingebettet in eine malerische Naturlandschaft. Die Realität war etwas ernüchternd.

Werden die Kummerbuben bei den «Krabat»-Aufführungen im Orchestergraben versenkt oder sind sie auf der Bühne mit dabei?
Wir spielen alle mit. Die Bandmitglieder verkörpern Müllersburschen, die sich zwischendurch in Raben verwandeln. Wir mussten eine Schauspiel-Schnellbleiche durchlaufen, wo wir zum Beispiel erforschten, wie man sich als Rabe bewegt. Ich selber spiele den Gevatter, den Tod. Er ist eine Mischung aus dem Stadtoriginal Schwäbi und Elvis Presley. Ihm ist bewusst, dass er als Herrscher über Leben und Tod die absolute Macht hat, und er ist deswegen fast ein bisschen gelangweilt. Ein etwas spleeniger Kerl, dieser Gevatter.

Gerüchten zufolge sollen die Kummerbuben auch den unsäglichen Hit «Gangnam Style» erklingen lassen.
Das ist in der Tat ein schwer zu entkräftendes Gerücht. Das Buch ist recht schwerer Stoff, wir fanden aber, dass es nicht nur dunkel und düster-melancholisch zu- und hergehen dürfe in einem Weihnachtsmärchen. Drum haben wir für eine Rollschuhdisco-Szene «Gangnam-Style» adaptiert. Auf Berndeutsch ist daraus «Aute, gang mau hei» geworden. Generell bringen wir mit unserer Musik eine eigene, zusätzliche Ebene ein. Wenn sich zum Beispiel auf der Bühne die Müllersburschen in Raben verwandeln, thematisieren wir in unserem Stück den Reiz der Verwandlung, also die Lust, aus der eigenen kleinen Welt auszubrechen. (Der Bund)

Erstellt: 30.11.2017, 06:48 Uhr

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