«Aperöle u flugsimulätörle»

Ben Vatter präsentiert im La Cappella sein erstes Soloprogramm «Gvätterle» und erntet dafür zu Recht euphorischen Beifall.

Er steht Georg Kreisler in nichts nach: Ben Vatter.

Er steht Georg Kreisler in nichts nach: Ben Vatter. Bild: Christoph Hoigné

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Zehn Prozent der Ausdrücke habe sie nicht verstanden, obwohl sie doch auch schon seit 12 Jahren in Bern zu Hause sei, liess eine gebürtige Bündnerin im La Capella verlauten. Aber klingen täten selbst diese Ausdrücke toll. Liebhaber des Berner Dialekts kamen im Kulturlokal im Breitenrain tatsächlich voll auf ihre Kosten, denn auf der Bühne präsentierte Ben Vatter sein erstes Soloprogramm: «Gvätterle».

Wie auch in seinen Kolumnen, die Vatter seit 2013 regelmässig für den «Bund» verfasst, stand im ersten Teil seines Programmes das Berndeutsch mit all seinen Facetten im Zentrum. Gleich zu Beginn des Abends ernannte sich Vatter selber zum «Bärndütsch-Psychopapst» und beleuchtete den Umgang der Berner und Bernerinnen mit ihrem Idiom.

Dabei erwies er sich als genauer Beobachter mit viel Gespür für Situationskomik, der sich über unsinnige Pluralbildungen («mini Täschene» ) ebenso ausliess wie über die Tendenz zur Umlautisierung («Männer» anstatt «Manne»). Zudem lobte Vatter die Kreativität und Effizienz des Berner Dialekts, sei darin doch ein Wort ausreichend, um etwas auszudrücken, wofür im Hochdeutschen mindestens fünf Wörter benötigt würden: «aperöle oder flugsimulatörle, zum Bispiu».

Im Kopf eines Frauenmörders

Genüsslich zitierte Vatter in Vergessenheit geratene Ausdrücke, bildete neue, führte ad absurdum und reimte und kalauerte, dass es eine wahre Freude war. Dabei wechselte das Multitalent – Vatter war oder ist Mundartkolumnist, Musiklehrer, Chorleiter und Fasnachtstrompeter – zwischen dem Lesesessel und dem Klavier hin und her. Er sei schon als 10-Jähriger mit den Platten des Georg Kreisler in Kontakt gekommen; dieser sei eine grosse Quelle der Inspiration für ihn gewesen. Gleich wie sein Vorbild begleitet sich auch Vatter selber am Klavier, wobei er Kreisler in puncto Sprachwitz und -virtuosität in nichts nachsteht.

Während die erste Hälfte von «Gvätterle» noch ganz im Zeichen der humoristischen Sprachbeobachtung stand, ging es nach der Pause thematisch eher düster und manchmal schon fast zynisch zu und her. So besang Vatter scharfzüngig die direkte Demokratie beziehungsweise den «Volkssport Initiative einreichen», wobei er «Burka» auf «Furka» und «Synagoge» mit «Zoge am Boge» reimte und dabei pointiert Stellung bezog gegen ausgrenzende und menschenfeindliche Tendenzen. Bitterbös kommentierte er zudem Sensationsgeilheit von Boulevardjournalismus-Konsumenten und schaute in den Kopf eines Frauenmörders, der sich über eine Verwahrung mokiert, mit der ihm zwar schon des Öfteren gedroht worden sei, die er aber nie habe antreten müssen.

Zum Abschluss seines Programms lieferte Vatter eine Nummer, in welcher er sich über das Mitteilungsbedürfnis einiger Mitmenschen ausliess, wobei er tief in die Kiste mit «Schlämperlige» griff und auch mal ordentlich derb fluchte.

Ben Vatters erste Solodarbietung fand grossen Anklang beim Publikum, was dieses mit einer stehenden Ovation kundtat. Kein Wunder. Vatter bietet mit «Gvätterle» ein vielfältiges und höchst unterhaltsames Programm, in welchem Schabernack, tiefsinniger Humor und Absurdes ebenso Platz haben wie beissende Kritik an Politik und Gesellschaft. Und das alles auf exquisitem Sprachniveau. Taminomau.

Ben Vatter «Gvätterle», 5.1. und 26.1. im La Cappella (Der Bund)

Erstellt: 29.11.2017, 21:03 Uhr

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