Oberstdivisionär Stämpfli und die fliegende Nixe

Vielversprechende Ausgangslage, dramaturgisch gar eindimensional: «Melusine» im Tojo Theater.

Der Oberstdivisionär untersucht ein altes Buch: Hanspeter Bader als hemdsärmliger Titus Stämpfli.

Der Oberstdivisionär untersucht ein altes Buch: Hanspeter Bader als hemdsärmliger Titus Stämpfli.

(Bild: zvg)

Was für ein grossartiges Instrument ist doch dieser «Truthfinder», mit dem Oberstdivisionär Titus Stämpfli so gerne hantiert. Das seismografische Superding verlinkt die Geschichte und ihre Mythen kurzerhand mit der Realität. Es lässt sich sogar bei einem Buch anwenden, das in einer Kiste im Wasser gefunden wurde und das sich seltsamerweise nicht auf­gelöst hat. Vielversprechend ist die Ausgangslage, die der Aargauer Erwachsenenbildner und Theatermann Lorenz Belser im Tojo der Reitschule mit seinem Historienspektakel «Melusine» präsentiert.

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Ein munterer Polterer ist dieser Stämpfli vom VBS, dem Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, und dass seine Gesinnung am rechten Fleck ist, führt Schauspieler Hans­peter Bader ziemlich hemdsärmelig vor. Ärgert doch den Hüter helvetischer Werte, dass Morgarten und Marignano nicht mehr als das wahrgenommen werden, was sie einmal waren. Und jetzt will also dieses Buch über einen Ritter und seine schöne Frau, die ein Geheimnis hat, untersucht werden (siehe «Berner Woche» vom 13.?1.).

Bei seinem Stochern mit dem Wahrheitsfinder in der mittelalterlichen Sage stösst Stämpfli auf Hochzeiten und Morde, Länder und Meere und bringt den alten Figuren auf der Leinwand (Video-Art: Tine Beutel) das Laufen bei. So weit, so unterhaltend, weil da auch noch die Berner Musikerin Maru Rieben allerhand tönenden Hokuspokus produziert. Doch Belser belässt es dabei, die tragische Geschichte der schönen ­Melusine mit zu vielen nebensächlichen Details nachzuerzählen. Bis zum bitteren Ende, als die Nixe, die auch fliegen kann, aus dem ehelichen Glück verschwindet. Ein Crash mit den Flugobjekten des VBS ist in dieser dramaturgisch gar eindimensional gestalteten Story genauso wenig vorgesehen wie mit der Realität.

Aufführungen 15./16. Januar, 20.30 Uhr.

DerBund.ch/Newsnet

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