Mit Zucker wird nicht gegeizt

Die Geschwister Pfister nehmen sich zu zweit Peter Alexander und Mireille Mathieu vor: Ihr neues Programm «Servus Peter – Oh là là Mireille» ist eine Hommage an zwei ewige Sterne am Schlagerhimmel.

«Tarata-ting, tarata-tong»: Christoph Marti und Tobias Bonn huldigen Mireille Mathieu und Peter Alexander.

«Tarata-ting, tarata-tong»: Christoph Marti und Tobias Bonn huldigen Mireille Mathieu und Peter Alexander. Bild: zvg

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Er swingt stellenweise ganz schön daher, der neuste Tonträger der Geschwister Pfister. Ansonsten sei vorausgeschickt, dass man mit einem ungetrübten Schlagerherz geboren sein sollte, um sich bis zum Ende der 40-minütigen Aufnahme durchzuhören. Denn: Mit «Servus Peter – Oh là là Mireille» erweisen Ursli und Toni Pfister alias Christoph Marti und Tobias Bonn dem im Februar verstorbenen Peter Alexander und dem «Spatz von Avignon» Mireille Mathieu die Ehre.

Eine Art Verbeugung

Als eine Parodie würde der Berner Christoph Marti das Programm allerdings nicht bezeichnen. «Wir wissen selber nicht genau, was es ist. Bei einer Parodie besteht ja immer die Gefahr, dass man sich zu sehr lustig macht über jemanden. Das wäre uns zu einfach. Da ich Mireille Mathieu spiele, ist eigentlich schon meine Verwandlung eine Form von Travestie», sagt Christoph Marti. «Da braucht es nichts zusätzliches Parodistisches.» Das Programm sei mithin etwas zwischen einer Parodie und einer Hommage, eine Art Verbeugung vor «zwei verrückten Personen».

Unter den 13 Titeln finden sich indes nicht nur bekannte Schlagernummern, sondern auch das alte Volkslied «Sur Le Pont d’Avignon» sowie Heinrich Heines vertontes Gedicht «Die Lorelei» aus dem 19. Jahrhundert. Nebst der musikalischen Begleitung von Johannes Roloff, dem langjährigen Arrangeur der Geschwister Pfister, und seines Trios haben auf dem Album ein halbes Dutzend Gastmusiker mitgewirkt. Es zwitschert hemmungslos die Mandoline im Refrain des ansonsten beinahe jazzigen «A Blue Bayou», es singen überschwänglich die Violinen im sülzigen «Regen ist schön», und es blasen zum Marsch die Posaunen in der satirischen Nummer «Der Papa wird’s schon richten».

Waisenkinder aus Zermatt

Der Legende nach handelt es sich bei Ursli, Toni, Willi und Lilo Pfister – so nannten sich die Mitglieder der Kabarettgruppe zu Beginn der Neunzigerjahre – um Waisenkinder aus Zermatt. Als dann Lilo (Lilian Naef) und Willi (Max Gertsch) ausstiegen, liess man einfach das neu hinzugekommene Fräulein Schneider (Andreja Schneider) den Toni heiraten, um die Fiktion der Pfisters aufrechtzuerhalten.

Dass das Fräulein Schneider diesmal nicht mit auf der Bühne steht, habe sich einfach so ergeben. «Tobias liebäugelte lange mit der Operette, im Internet stiessen wir dann auf Peter Alexander. Da ich schon lange die Lieder von Mireille Mathieu singen wollte, hat sich daraus die Idee ergeben, dieses Programm einfach zu zweit zu machen», so Marti, der zusammen mit Tobias Bonn in einer eingetragenen Partnerschaft in Berlin lebt. Der Tod von Peter Alexander kam dabei eher überraschend, als die Geschwister Pfister bereits mitten in den Proben standen. «Wir dachten zuerst: Oh, das ist jetzt doof. Vielleicht finden ja die Leute, so was macht man nicht», so Marti.

«Unser Glück wird nie vergeeehn»

Die Coverversionen von Marti und Bonn kommen zumindest ab Konserve sehr nahe an die Originale heran. «Tarata-ting, tarata-tong» näselt keck Christoph Martis Mireille-Mathieu-Double, zieht mit charmantem französischem Akzent die Vokale in die Länge («Unser Glüück wird nie vergeeehn») oder rollt sinnlich das R, wo immer es sich anbietet. Und Tobias Bonn verleiht seiner Figur mit elegantem Vibrato und dezentem Österreichisch etwas Weltmännisches, wie man es auch von Peter Alexander gewohnt war.

Wie man die Geschwister Pfister kennt, geizen sie selten mit überzeichneten Posen und Üppigkeit in ihrer Aufmachung. Die extravaganten Kostüme sind eines der unübersehbaren Markenzeichen des Trios. Indes, ob die Geschwister Pfister mit «Servus Peter – Oh là là Mireille» nicht nur eingefleischte Fans der eingängigen Unterhaltungsmusik zum Schunkeln bringen, sondern ihre Darbietungen auch als musikalisches Kabarett überzeugen, bleibt offen. Sicher, man hat es hier mit zwei hervorragenden Imitatoren zu tun hat. Doch schon bald schmerzt das Gemüt vor lauter Süsse und den sich in himmelhohe Emotionen steigernden Geigen und Bläsern. Trotz Huldigung der Schlagergrössen hofft man auch im Falle von «Servus Peter – Oh là là Mireille» auf eine skurrile Übersteigerung oder ironische Verzerrung in der Bühnenshow. Denn diese könnte bestimmt noch eine gehörige Portion Schärfe ertragen.

Theater am Käfigturm Freitag, 7. Oktober, bis Sonntag, 9. Oktober, jeweils 20 Uhr. (Der Bund)

Erstellt: 06.10.2011, 11:43 Uhr

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