Leben im Krematorium

Der Theaterparcours «All My Lives» fragt zwischen kahlen Wänden danach, was wirklich von Bedeutung ist.

Ein Raum wird zum Guckloch in ein anderes Leben.

Ein Raum wird zum Guckloch in ein anderes Leben. Bild: Martina Struhl

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Die Türen tragen Nummern, wie in einem Hotel. Doch dahinter herrscht Stille. Denn hier kommen die Menschen her, um sich von denen zu verabschieden, die für immer gehen. «Wir wollen die Wirkung dieser Räume erhalten», sagt Sandra Forrer, die zusammen mit Sibylle Heiniger im stillgelegten Aufbahrungstrakt des Berner Krematoriums dem Tod mit dem Leben begegnet. «All My Lives – zu den Aufbahrungen» heisst ihre Theaterinstallation, die zwischen kahlen Wänden danach fragt, was wirklich von Bedeutung ist.

Die Theaterbühne ist in den letzten Jahrzehnten elastischer geworden, man wagt sich heute auch in Parkhäuser, Einkaufszentren, Flughäfen, Bankfilialen – oder eben ins Krematorium. Das Theater kann diese Orte in ein neues Licht tauchen, umgekehrt aber auch von ihnen überstrahlt werden. Diese Gefahr scheinen Forrer und Heiniger gering zu halten, indem sie ein ortsspezifisches Format entwickelt haben: Die Besucher begeben sich allein auf den Weg durch den 75-minütigen Parcours, wo jeder Raum als «Guckloch in eine anderes Leben» fungiert. Alleine deshalb, «weil ja auch das Abschiednehmen in einem intimen Rahmen geschieht».

Neben theatralen Bühnenbildern wie einem gedeckten Tisch und Landschaften, ist das Leben der anderen hier vor allem hörbar. Im Wartezimmer fragt sich zum Beispiel eine Frau: «Es gibt hunderttausend Wege, die du gehen könntest. Was bringt dich dazu, genau in diesem Moment an diesem Ort zu sein?» Die Theatermacherinnen haben im Vorfeld zwei Männer und zwei Frauen unterschiedlichen Alters interviewt, die «keine aussergewöhnlichen Leben führen, sondern ganz normale wie du und ich», so Forrer. Es ging dabei um verschiedene Lebensentwürfe und die damit verbundenen Entscheidungen. Vor allem in einem Punkt sind sich alle Interviewten einig: dass das wichtigste im Leben Menschen und Beziehungen sind. (Der Bund)

Erstellt: 03.09.2015, 11:31 Uhr

Agenda

Altbau Krematorium Bern, Fr, 4. Sept., bis 20. September. Diverse Spielzeiten, Einzeleinlass jede Viertelstunde. www.all-my-lives.ch

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