«Ich bin nicht links, darum»

Aufsässiger als jeder andere Kabarettist und Komiker nimmt der Berner Satiriker Andreas Thiel die schweizerische Politik aufs Korn. Nun lädt der Herr mit dem nicht ganz unumstrittenen Humor zu Tryouts ein.

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Sie gastieren derzeit mit Tryouts in Bern. Was machen Sie da genau?
Wenn ich ein Programm entwickle, stehen mir zehn Stunden Rohmaterial zur Verfügung – hauptsächlich aus Kolumnen und Notizen. Da ich mit Politsatire 4 rund 600 Auftritte bestreiten möchte, ist die Selektion enorm wichtig. Um herauszufinden, was wirklich funktioniert, zeige ich das Rohmaterial einem Testpublikum. 80 bis 90 Prozent der Texte wandern nach dem Tryout gleich wieder in die Schublade. Den Rest füge ich mit dramaturgischen Methoden zum Programm zusammen.

Und, was kommt an beim Publikum?
Von den zwei Stunden, die ich am letzten Dienstag aufführte, haben mich etwa zehn Minuten wirklich überzeugt. Zum einen ein Gespräch mit Simonetta Sommaruga, zum anderen eine kleine Hinrichtungsszene. Was das für das Programm heisst? Mal schauen. Es könnte sein, dass in Politsatire 4 der Bundesrat in corpore hingerichtet wird.

Apropos: Sie haben mal gesagt, nach Politsatire 3 sei Schluss. Sie werden zum thematischen Sesselkleber.
Stimmt, ich wollte aufhören. Aber die politische Satire ist quasi mein Gewaltersatz. Ich bin in keiner Partei. Ich gehe auch an keine Demo, weil Demos nieder, dumm und barbarisch sind. Aber die Vorstellung von einem Bundesrat auf einem elektrischen Stuhl, die finde ich interessant. Also vertiefe ich mich darin.

Sie sind eine Reizfigur der Linken. Was denken Sie, warum?

Ich bin nicht links, darum.

Gehts ein bisschen konkreter?
Erstens haben Linke keinen Humor. Kürzlich war ich an einer SVP-Veranstaltung. Ich machte mich lustig über die SVP, die Leute lachten. Gehe ich zur Linken, bin ich der Böse, eine Bedrohung. Hinzu kommt: Die Sozialdemokraten sind keine Demokraten, sondern Sozialisten. Sie dulden weder andere Parteien noch andere Meinungen und streben nach der absoluten Macht. Der Freisinn dagegen sucht den Ausgleich und akzeptiert Andersdenkende.

Die einzige Partei, die in der Schweiz jemals über eine absolute Macht verfügte und diese auch verteidigte, war der Freisinn.
Der Bundesstaat ist freiheitlich entstanden, deshalb war der Bundesrat in FDP-Hand. Es besteht aber kein Zweifel daran, dass die SP den Sozialismus will. Sonst würde sie auf den Umverteilungsschwachsinn verzichten und auch nicht die totale Überwachung der Bürger fordern.

Spricht da die Bühnenfigur Thiel oder der Privatmensch?
Der Privatmensch. Ich bin Anarchist. Ich glaube, ein Leben ohne Gesetze wäre möglich. Deshalb wehre ich mich gegen die freiheitsfeindlichen Linken.

Vielleicht bewirtschaften Sie ja auch ganz opportunistisch eine Marktlücke: der einzige stramm bürgerliche Komiker.
Wenn alle Schreiner bis auf einen links sind und staatlich subventioniert werden, und alle diese subventionierten Schreiner bauen schlechte Stühle, nur der nicht subventionierte baut brauchbare, dann sagt man auch nicht: wie opportunistisch, eine Marktlücke.

Wollen Sie sagen, dass Ihre Kunst besser ist als Kunst, die durch staatliche Mittel gefördert wird?
Nein, was ich sagen will, ist: Ich will kein Geld von Leuten, die mein Programm nicht mögen. Deshalb verzichte ich auf Subventionen aus Steuergeldern.

«Ein Bundesrat auf dem elektrischen Stuhl – das ist interessant.»

Andreas Thiel

Aufsässiger als jeder andere Kabarettist und Komiker nimmt der Berner Satiriker und Salzburger Stier-Preisträger Andreas Thiel die schweizerische Politik aufs Korn. Im Berner Kleinkunstlokal La Cappella lädt Thiel zwischen September und November zu Tryouts, in denen der Herr mit dem nicht ganz unumstrittenen Humor die tragenden Säulen seines neuen Programms Politsatire 4 ermittelt. Lacher am falschen Ort können eine nachhaltige Wirkung entfalten. Die nächsten Termine: Dienstag, 6. September und Dienstag, 20. September, jeweils 20 Uhr. (Der Bund)

Erstellt: 01.09.2011, 10:27 Uhr

Die nächsten Tryouts

Dienstag, 6. September und Dienstag, 20. September, jeweils 20 Uhr im Kleinkunstlokal La Cappella.

Infos: www.la-cappella.ch

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