«Die genau gleichen Fehler»

Wer leitet das Schauspiel am Stadttheater Bern nach dem Rauswurf von Stephanie Gräve? Die Gruppe 400asa kritisiert das Wahlverfahren.

Samuel Schwarz und sein Kollektiv 400asa kritisieren die Suche nach einer Nachfolge für Stephanie Gräve, die freigestellte Schauspielchefin.

Samuel Schwarz und sein Kollektiv 400asa kritisieren die Suche nach einer Nachfolge für Stephanie Gräve, die freigestellte Schauspielchefin. Bild: Doris Fanconi

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Wer bewirbt sich für die Leitung der Schauspielsparte an einem mittelgrossen Theater, mit einem Dossier von siebzig Seiten – aber auch dem Bekenntnis, den Posten gar nicht übernehmen zu wollen? Antwort: Samuel Schwarz und sein Kollektiv 400asa. Mit einem offenen Brief an den Stiftungsrat von Konzert Theater Bern (KTB) macht der Regisseur die Bewerbung publik, die derzeit in einer Facebook-Gruppe erarbeitet wird. Zugleich ist sie das Vehikel einer Beschwerde: 400asa kritisiert die Suche nach einer Nachfolge für Stephanie Gräve, die freigestellte Schauspielchefin (der «Bund» berichtete).

Im September soll die Wahl entschieden sein. «Total intransparent» – so nennt Schwarz das Verfahren. Die Stelle sei nicht ausgeschrieben und das Anforderungsprofil nicht veröffentlicht worden. «Potenten Teams» werde so «die Möglichkeit genommen, sich professionell zu bewerben». Ihnen bleibe «nur der Weg übers ­Intendantenzimmer», und dort müsse man sich zuerst zur Sicht des Stadttheaterchefs Stephan Märki auf den Konflikt mit Gräve bekennen; 400asa habe das im Gespräch mit ihm selber erfahren. Darum die Kandidatur der Gruppe, die kürzlich vom Bund mit einem Theaterpreis ausgezeichnet wurde und sich neu «Digitalbühne» nennt: Man werde sie nicht beim Intendanten, sondern beim Stiftungsrat einreichen, um «Bewegung und Transparenz» ins Verfahren zu bringen.

Erfolgs- oder Auslaufmodell?

Zur Erinnerung: Sowohl Gräves Wahl durch den Stiftungsrat wie ihre Absetzung mitten in ihrer ersten Saison kamen auf Wunsch des Intendanten zustande. «Der Stiftungsrat», so Samuel Schwarz, «scheint nun die genau gleichen Fehler wieder zu machen.» Idealkandidaten seien «offenbar Personen, die bereit sind, sich diesen intransparenten Machtverhältnissen zu beugen». Das sei auch ein Problem der Organisation: Das Mehrspartenhaus mit einem Intendanten an der Spitze sei heute ein Auslaufmodell. Schwarz beruft sich dabei auf Bernd Stegemann, den deutschen Dramaturgen, der die «feudale Intendantenmacht» für ein untaugliches Mittel hält, um «komplexe künstlerische Prozesse zu organisieren».

KTB weist die Vorwürfe zurück. Die Organisation, erklärt Stiftungsratspräsident Benedikt Weibel, habe «sich unter der erfolgreichen Führung Stephan Märkis bewährt, KTB künstlerisch und finanziell gestärkt sowie zu steigenden Besucherzahlen geführt». Weibel verteidigt auch das Wahlverfahren: Die Vakanz sei «hinlänglich bekannt», eine Ausschreibung darum nicht nötig und auch keine Pflicht. Die Suche schliesslich «erfolgt aufgrund eines klaren Stellenprofils»; zum einen würden Kandidaten direkt angegangen, zum andern gebe es «aktive Bewerbungen».

Die Forderung, die Schauspielleitung öffentlich neu auszuschreiben, erhob vor einer Woche schon Christoph Reichenau, ehemaliger Kultursekretär der Stadt Bern, im Onlinemagazin «Journal B». (Der Bund)

Erstellt: 29.06.2016, 08:58 Uhr

Ist es Andreas Herrmann?

Ein Gerücht über den Favoriten

2007 übernahm er das Schauspiel am Theater Luzern, Ende Saison verlässt er es, und zum Abschied hat er dort ein Stück Georges Perecs auf die Bühne gebracht: «Über die Kunst, seinen Chef anzusprechen und ihn um eine Gehaltserhöhung zu bitten». Andreas Herrmann also – wird er neuer Schauspielleiter in Bern? Das besagt ein Gerücht, das schon im Februar auftauchte und mittlerweile routiniert herumgereicht wird. Herrmann sei auffallend oft in den Vorstellungen hier gesichtet worden, heisst ?es. Zudem war er in Bern Schauspieler, bevor er als Regisseur anfing. Das Stadttheater will die Spekulation weder bestätigen noch bestreiten. Derselbe Bescheid kommt von Herrmann – ?und dazu ein Satz aus jenem Stück von Perec: «Nach vorne ist alles offen.» (bnb/ddf)

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