Der «Teamplayer» geht

Nach nur zwei Jahren wird der Schauspielleiter Cihan Inan Konzert Theater Bern wieder verlassen. Ausschlaggebend war ein interner Konflikt.

Unter ihm sollte Ruhe einkehren in der Sparte Schauspiel: Cihan Inan.

Unter ihm sollte Ruhe einkehren in der Sparte Schauspiel: Cihan Inan. Bild: Manu Friederich

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Er sei «ein ausgewiesener Teamplayer», sagte der Intendant von Konzert Theater Bern, Stephan Märki, über seinen neuen Schauspielchef Cihan Inan. Das war im August 2016. Nachdem Inans Vorgängerin, Stephanie Gräve, im Januar 2016 aus Gründen der «menschlichen Inkompatibilität» nach kaum einer Spielzeit vom Stiftungsrat freigestellt worden war, war die Zuversicht gross: Mit dem Berner Theater- und Filmemacher Cihan Inan sollte wieder Ruhe einkehren in der Sparte Schauspiel. Auch Inan selbst klang optimistisch. Es stimme für ihn viel, «das Haus und das Team», sagte er damals zum «Bund». Mit Inan habe man «in die Zukunft investiert», urteilte gar Armin Kerber, der frühere Chefdramaturg bei Konzert Theater Bern.

Nach nur einer Spielzeit sieht die Situation bereits ganz anders aus: Cihan Inan hat sich dazu entschieden, seinen Vertrag, der auf zwei Jahre befristet war, nicht weiter zu verlängern, teilte Konzert Theater Bern gestern mit. Die bevorstehende Spielzeit 2018/19 wird damit die letzte sein, die er in Bern verantwortet. In den zwei Jahren, die bis zum Ende von Märkis Intendanz 2021 verbleiben, wird Stephan Märki die Sparte Schauspiel leiten, wie er das bereits interimistisch nach Gräves Freistellung getan hat. An der Dotierung des Intendantengehalts ändere sich damit aber nichts, hiess es in der Mitteilung weiter.

Inan stellte eine Bedingung

Er bedaure Inans Entscheid sehr, betont Stephan Märki auf Nachfrage. «Ich hätte gerne mit ihm weitergemacht und habe alles gegeben, dass das auch hätte passieren können.» Die Besucherzahlen, die im Schauspiel in der aktuellen Spielzeit bislang rückläufig sind, haben für Märki keine Rolle gespielt. Und die Beschränkung des Vertrags auf zwei Jahre sei der Wunsch von Inan selbst gewesen, ursprünglich, um sich die Option auf weitere Filmprojekte offen zu halten – so beschreibt es zumindest Märki. Cihan Inan selbst war für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen.

«Es entspricht nicht unserer Kultur, jemanden zu entlassen, weil das jemand anderes fordert.»

Stephan Märki, Intendant

Nun hat aber offenbar ein anderer Grund Cihan Inan dazu bewogen, nicht länger zu bleiben: Von einer «Bedingung» ist in der Medienmitteilung von Konzert Theater Bern die Rede, die Inan gestellt habe und «die weder die künstlerische Ausrichtung des Schauspiels noch den Einflussbereich von Cihan Inan» betreffe. Konkret heisst das: Cihan Inan habe den Kopf von jemandem aus dem Team gefordert, so Stephan Märki. Wer es ist, will Märki nicht sagen. «Das ist eine Grundsatzfrage. Es geht in keinem Betrieb und entspricht auch nicht unserer Arbeitskultur, jemanden zu entlassen, weil jemand anderes das als Bedingung für den eigenen Verbleib fordert.»

«Sehr viel probiert»

Der Teamplayer Inan also, der vor einem Jahr noch zum «Bund» sagte, er habe sich innerhalb der Geschäftsleitung «nicht eine Sekunde» durchsetzen müssen, stellt plötzlich eine personelle Forderung. Und zwar eine, der der Stiftungsrat nicht nachkommen will oder kann. Man hätte Inans Vertrag gerne verlängert und habe «sehr viel probiert», sagt Marcel Brülhart, Präsident des Stiftungsrats, ohne Details zu nennen. Anscheinend reichten diese Bemühungen aber nicht aus, sodass man nun einen erneuten Abgang aus dem Leitungsteam in Kauf nimmt. Und damit auch, dass der Ruf des Hauses weiter leidet.

Egal, wer oder was für das Zerwürfnis ausschlaggebend war: Die Position der Schauspieldirektion bei Konzert Theater Bern scheint nach wie vor internen Reibungen ausgesetzt. Von zu wenig klar verteilten Kompetenzen zwischen Intendanz und Schauspieldirektion, die den Konflikt mit Stephanie Gräve eskalieren liessen, will Stephan Märki allerdings nichts wissen. «Der Fall Stephanie Gräve war komplett anders.» Als Inan zum Team gestossen sei, habe sich Märki «eine konstruktive und würzige Mischung erhofft». Inan sei für die Vertragsverlängerung bis 2021 frei gewesen, die Abteilung «so zu formen, wie es für ihn passt».

Bewegen wird sich bei Konzert Theater Bern in der Sparte Schauspiel also vorerst nicht viel: Eine neue Leitung wird erst 2021 wieder eingesetzt. Künstlerische Kontinuität, wie es sie in den anderen Sparten gibt, bleibt also im Schauspiel weiterhin Wunschdenken. (Der Bund)

Erstellt: 30.04.2018, 19:26 Uhr

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