Cihan Inan meldet sich, aber nur kurz

Der abtretende Schauspieldirektor kritisiert die «Organisationsstrukturen» am Stadttheater Bern. Derweil hätte ihn das Ensemble gerne behalten.

Cihan Inan bei der Vorstellung des Spielplans für die Saison 2017-18 im Mai des letzten Jahres.

Cihan Inan bei der Vorstellung des Spielplans für die Saison 2017-18 im Mai des letzten Jahres. Bild: Manu Friederich

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Bisher war er für die Medien nicht zu sprechen. Und so wurde die Diskussion über ihn ohne ihn geführt. Cihan Inan also – er ist nur noch für die Saison 2018/19 Direktor der Schauspielsparte bei Konzert Theater Bern (KTB). Er habe nämlich, so die Meldung des Hauses vom Montag, die Verlängerung seines Vertrags an eine unerfüllbare «Bedingung» geknüpft. Nachfragen machten dann klar: Inan soll die «Kündigung einer Mitarbeiterin aus dem Leitungsteam» verlangt haben. So erklärte es Intendant Stephan Märki, Gesamtleiter des Vierspartenhauses, beispielsweise auf dem Theaterportal Nachtkritik.de.

Auch am Dienstag war Cihan Inan nicht zu erreichen. Um 14 Uhr verschickte die Medienstelle von KTB dann allerdings eine «persönliche Stellungnahme unseres Schauspieldirektors», und darin sprach Inan zunächst von lauter Dingen, die eigentlich für die Fortsetzung seiner Arbeit gesprochen hätten: von «Erfolgen», von «Resonanz», von einem «wunderbaren Tätigkeitsumfeld» an diesem Theater wie in der Stadt.

«Allerdings», so Inan, «bin ich zum Schluss gekommen, dass Konzert Theater Bern mit seinem Verständnis von Organisationsstrukturen meiner Arbeitsweise nicht entspricht.» Und das sei für ihn, «nach intensiven Überlegungen», der Grund gewesen, den Vertrag nicht über die vertraglich vereinbarten zwei Spielzeiten hinaus zu verlängern. Nun werde er sich «darauf konzentrieren, eine zweite erfolgreiche Saison zu gestalten».

Das war es dann auch. Was genau stimmt – aus der Sicht von Cihan Inan – an der Organisation bei KTB nicht? Und was hat es mit der Kündigung jener Vertreterin des Kaders auf sich, die er verlangt haben soll? Keine Auskunft. «Cihan Inan wird zurzeit keine weiteren Fragen beantworten», so die Medienstelle. Und dabei blieb es.

Ein vergiftetes Verhältnis

Dafür gab es am Dienstag aus dem Haus eine Bestätigung dafür, was das «Regionaljournal» berichtet hatte: Die Schauspieler hätten ihren Chef gerne behalten. Das Ensemble habe sich in einem Brief an den Stiftungsrat gewandt, sagt ein Insider bei KTB; darin habe es sich für den Verbleib Cihan Inans ausgesprochen, und zwar schon Anfang April, als seine Zukunft in Bern noch zur Debatte stand. Inan werde, so der Insider, für seine künstlerischen Qualitäten ebenso geschätzt wie für seinen respektvollen menschlichen Umgang.

Einen entscheidenden Konflikt scheint es allerdings gegeben zu haben. Mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen erklären, dass es sich bei der «Mitarbeiterin aus dem Leitungsteam», mit der sich Cihan Inan womöglich keine weitere Zusammenarbeit mehr vorstellen konnte, um Sophie-Thérèse Krempl handelt. Krempl war zunächst unter Inan tätig, nämlich als leitende Dramaturgin im Schauspiel; mittlerweile leitet sie die Kommunikation des Hauses.

Das Zerwürfnis der beiden war in der Branche schon länger ein Thema. Und am Dienstag nannte auch die «Berner Zeitung» Krempls Namen. Eine Bestätigung für diesen Konflikt ist von Stiftungsratspräsident Marcel Brülhart trotzdem nicht zu bekommen: «Zu internen Konflikten äussere ich mich nicht.» Darum auch keine direkte Antwort auf die Frage, ob Krempls Versetzung in eine andere Abteilung ein Versuch des Stiftungsrats gewesen sei, den Streit zu entschärfen. Und zwar ein vorerst erfolgreicher, dann aber doch gescheiterter.

Aber: Der Stiftungsrat engagiere sich «aktiv», so Brülhart, um Probleme im Haus zu lösen – und so sei es auch «im vorliegenden Fall» gewesen. «Vonseiten des Stiftungsrats habe ich persönlich versucht, den Konflikt beizulegen, und es nicht geschafft. Die Verantwortung dafür übernehme ich allein.»

Und die «Organisationsstrukturen», die Cihan Inan für unpassend hält? Die seien durchaus ein Thema in den Verhandlungen mit ihm gewesen, sagt der Stiftungsratspräsident. Brülharts Haltung: Klar sei ein solches Haus mit vier Sparten eine «anspruchsvolle», eine «hochkomplexe Struktur», und «es knarrt das ganze Jahr über im Gebälk». Aber zugleich habe das Vierspartendach den Vorteil, dass man darunter «mit vergleichsweise wenig Geld» viel Kunst machen könne. Mehr Kunst jedenfalls als in Betrieben, die weniger Sparten hätten und zugleich «deutlich höhere Mittel pro Sparte» brauchten. Und schliesslich lasse sich auch das Knarren im Gebälk «in den allermeisten Fällen in positive Energie umwandeln».

«Zwei Misserfolge»

Eben das hat man nun nicht geschafft. Und auch nicht im Fall von Inans Vorgängerin, von Stephanie Gräve, die 2016 freigestellt wurde. Für Brülhart sind das «zwei Misserfolge», die «uns auch persönlich treffen», und für die «kann man uns kritisieren». Am Ende gehe es um einen «Hochseilakt»: «Wir wollen die Reibungen und die Emotionen im Haus. Das ist der Hauptgrund, warum KTB seit dem Start so erfolgreich ist.» (Der Bund)

Erstellt: 02.05.2018, 06:44 Uhr

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