Theater

Bluefacing statt Blackfacing

Mit «Erika in Afrika» veranstalten Matto Kämpf und Rafael Urweider ein kunterbuntes, klamaukiges und vergnügliches Durcheinander von Klischees und Stereotypen.

Weitere Vorstellungen bis 21. Juni im Schlachthaus-Theater
Ein Deutscher als Schlumpf: «Erika in Afrika» spielt mit den Klischees.

Weitere Vorstellungen bis 21. Juni im Schlachthaus-Theater Ein Deutscher als Schlumpf: «Erika in Afrika» spielt mit den Klischees. Bild: Rob Lewis

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32 Nationen kämpfen momentan um die Weltmeisterschaft, angefeuert werden die Mannschaften von lustigen Holländern, feierwütigen Brasilianern, pathetischen Italienern, und trinkfesten Kroaten. Im neusten Stück «Erika in Afrika» von Raphael Urweider und Matto Kämpf stehen zwar nur acht Volksgemeinschaften auf der Bühne, dafür wird aber an nationalen oder regionalen Klischees alles andere als gespart.

«Erika in Afrika» verknüpft lose zwei vermeintliche Drehs von ziemlich absurden Filmszenen und lässt dazwischen in einer australischen Bar an der Zürcher Langstrasse vier Erikas und vier Moglis aufeinandertreffen, die allesamt auf der Suche nach Liebe oder Rache sind. Der Deutsche Dennis Schwabenland als Schlumpf bemalt, weil er ja als Deutscher in der Schweiz kein richtiger Ausländer sei, verliebt sich in eine dunkelhäutige Norwegerin deren Lieblingswort «Fjord» ist.

Der brasilianische «Samba-Gigel» Clovis Inocencio (alle Schauspieler treten unter ihren richtigen Namen auf) hat gleich zwei Frauen das Herz gebrochen und zieht mit einer Zürcher Bekanntschaft aus einem Gay-Chat um die Häuser, während der Gadmer Bauer Kaspar Weiss mit einer soeben eingeflogenen Pariserin «müntschelen» will.

«Erika in Afrika» ist ein kunterbuntes, klamaukiges und vergnügliches Durcheinander von Klischees und Stereotypen rund um Identitäten und strotzt von Anspielungen und abstrusen Ideen. So taucht auf dem bündnerischen Piz Fluor plötzlich die Zahntante auf, Brigitte Bardot, «die Marie Le Pen der Wale», wird zu Tode gewürgt und die Thurgauerin Pema Shitsetsang aufgrund ihres Dialekts Opfer von innerschweizerischem Rassismus.

Überaus unterhaltsam ist auch, wenn die Schauspielerinnen aus ihrer Spielwelt heraustreten und sich über die eigene Rolle beklagen. Ntando Cele etwa, die Frau von Raphael Urweider, moniert, dass sie einen afrikanischen Diktator spielen müsse, bloss weil ihr Mann und dessen idiotischer Freund sich diesen Seich ausgedacht hätten. «Erika in Afrika» verströmt ausgelassenen und sympathisch derben, bubenhaften Humor, wie man es von Matto Kämpf und Raphael Urweider gewohnt ist: Eben Bluefacing statt Blackfacing.

Erstellt: 16.06.2014, 08:13 Uhr

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