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Syngenta live im Feld

«Mundart»-Kolumnistin Sarah Elena Müller beschäftigt sich in diesem Beitrag mit Pestiziden und deren Auswirkungen auf den Hormonhaushalt.

Sarah Elena Müller

Grüezi mitenand und willkomme zrugg bi «Syngenta live im Feld» – die Offstream-Verkaufssending mit de höchste Erblindigsquote. Hüt stönd mir exklusiv i de dritte Generation genveränderte Gerste, mit beide Bei stömmer voll ufem Bode vo de Tat­sache, und es froit ois: Die Gerste uf oisem Demofeld isch ime Top Zue­stand, null Schädlingsbefall, null Unkruut, e kräftigi, reini Monokultur dank eme usklüeglete Cocktail vo oisne Verkaufsschlager! Ich rate oisere Kundschaft flink zue z griife wil: Was wo no nöd verbote isch, cha ja no werde und alles, was d Maximal­belaschtig vo oisem Grund und Bode überstiigt, chamer immer no anes Schwelleland verkaufe.

Aber jetzt wemmer doch mal de Herr da Silva, Pestizidpilot für Mais- und Sojakulture in Übersee Brasilie derzue­schalte. Herr da Silva, Ihre Arbeitgeber schaffet jetzt sitt mehrerne Jahr mit oisem genetisch aapasste Saatguet und de zueghörige Pflanzeschutzprodukt, wie würdet Sie d Wirkig in drü kurze Sätz beschriibe?

Meine Atemwege sind seltsam eng geworden. Meine Töchter bekamen bereits mit fünf Jahren ihre erste Monatsblutung. Ich träume nachts von hermaphroditischen Fröschen.

Obrigado Herr da Silva, also nüüt z beaastande in Brasilie – ussert vilicht die unvorteilhafte Uswürkige uf de Hormonhuushalt. Das wott ja jetzt würklich niemer, dass unschuldigi, chliini Meitli scho so früeh gschlechtsriif werdet. Da werdet mir vo Syngenta ois um en Warnhiiwiis uf de entsprechende Produkt bemühe, mir sind ois also dere Verantwortig voll und ganz bewusst, am beschte öppis Grafisches, öppis universell Verständlichs für de globali Markt. I dere Hinsicht chan ich oisere Kundschaft aber versichere, mir sind da miteme sehr innovative Forschigsteam anere noie Formle, a dere Zemmesetzig gitz nüt z rüttle. Wenn die is Grundwasser glangt, kriegt garantiert niemert me sini Monatsbluetig.

Das wott ja jetzt würklich niemer, dass unschuldigi, chliini Meitli scho so früeh gschlechtsriif werdet.

So betrüeblich s isch, dass vieli vo dene vielversprechende Substanze bi ois us xundheitliche Gründ nöd zur Aawendig glanget, so froh simmer doch um Klassiker wie Glyphosat, wo im EU-­Ruum und de Schwiiz wiiterhin a allne Ecke und Ende vo de Nahrigskette mitwirked. Jetzt live für ois us Dänemark, Herr Petersen, Schweinezüchter!

Herr Petersen öffnet seine Tiefkühltruhe, darin liegen schichtweise missgebildete Ferkel, mit Etiketten versehen. Er habe das Futter jahrelang auf Glyphosatrückstände prüfen lassen, die Rate der Fehl- und Miss­geburten stünde eindeutig in positiver Korrelation mit…

Hoppla, da isch wohl d Verbindig abbroche, hm, es schöns Schlusswort trotzdem: «eidüütig positivi Korrelation». Defür chömmer ez no schnell zu de Frau Soyam in Yavatmal zappe und luege, wie sie d Lösige vo Syngenta im Baumwoll-Aabau iisetzt. Frau Soyam, darf ich Sie bitte, oisere Schwiizer Zueschauerschaft es paar Iiblick i Ihre Alltag z gewähre?

Frau Soyam erzählt, wie sie als Tagelöhnerin auf den Plantagen das Gift ausbringt, barfuss und ohne Schutzkleidung, dass ihr Mann seit Jahren an Sehstörungen und Schwindelanfällen leide und ihr Nachbar sich nach zwei Missernten und anschliessender Verschuldung mit nur einem Schluck des Insektizids umgebracht hat.

Sehr effizient, jawohl, äh, Frau Soyam, wie ich de Kamerade in Brasilie scho erklärt han, mir werdet in Zuekunft voll und ganz uf grafischi Warn­hiiwiise setze und abxee devoo flüsst en Teil vo oisne Exportiinahme au in Ufbau vo Schuele, damit wenigstens Ihri Kinder d Sicherheitsvorschrifte chönd lese, hm? Isch ja schrecklich de Analphabetismus, und das inere globalisierte Welt!

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