Fünf Fragen an Isora Castilla

Im Interview mit dem «Bund» spricht die Pianistin über ihre Musik und ihre Arbeit mit der Tanzkompanie Flamencos en route.

Isora Castilla ist am Klavier daheim.

Isora Castilla ist am Klavier daheim. Bild: zvg

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Die preisgekrönte Pianistin Isora Castilla ist gebürtige Spanierin, hat eine Vorliebe für spanische und zeitgenössische Musik und unterrichtet am Konservatorium in Bern. Derzeit schreibt die 37-jährige Castilla an der Universität Bern ihre Dissertation über den deutschen Komponisten Antonio Robledo, der eine Vielzahl an Stücken für die Tanzkompanie Flamencos en route geschrieben hat. Mit dieser tritt Castilla vom 21. bis 30. Dezember in der Dampfzentrale auf, gezeigt wird das Tanzpoem «àMiró», welches dem spanischen Maler Joan Miró gewidmet ist.«Viele meinen, es gebe nur einen ‹richtigen› Flamenco.»

Ein Klavier ist ja nun nicht das erste Instrument, das man mit Flamenco in Verbindung bringen würde. Warum diese Kombination?
Sie haben recht, eigentlich nimmt man das Klavier nicht als traditionelles Flamenco-Instrument wahr, denn normalerweise wird dieser Tanz ja mit Gitarre, Perkussion und Gesang begleitet. Allerdings ist ein Klavier in dieser Musik auch nichts Fremdes. Bereits vor Francos Zeiten gab es nämlich Aufführungen, in denen ein Klavier die Flamenco-Begleitung übernahm. Ich persönlich bin dank den Kompositionen von Antonio Robledo zur Flamenco-Klaviermusik gekommen. Er hat ja bereits in den 50er-Jahren Klavier zu Flamenco gespielt, was man auch auf alten Filmaufnahmen sehen kann.

Welche Rolle wird Ihr Klavier bei Flamencos en route spielen?
Mein Klavier wird einerseits als Solist fungieren, andererseits aber auch mit Gitarre und Perkussion fusionieren. Es gibt also einen Mix. Ausserdem werden Stücke von Robledo vorkommen, ich werde aber auch viel improvisieren.

Sie improvisieren einerseits am Klavier, andererseits ist der Flamenco per se ja ein sehr spontaner Tanz mit viel Improvisation. Kann das gut gehen?
Beim Flamenco-Tanz hat man zwar immer das Gefühl, alles sei improvisiert, dabei werden die meisten Choreografien sehr genau einstudiert und einem bestimmten Muster angepasst. Das heisst, dass wir Musiker ungefähr wissen, welche Betonung und welches Tempo gespielt werden müssen. Unsere eigenen musikalischen Improvisationen finden im Gegenzug dann auch in einem abgesteckten Rahmen statt. Bei Robledo gibt es keine Improvisationen beziehungsweise diese sind sehr genau aufgeschrieben.

Sie schreiben ja zurzeit eine Dissertation über den Komponisten Antonio Robledo. Was macht seine Musik einzigartig?
Ich habe Robledo vor vielen Jahren persönlich kennen gelernt und auch mit ihm zusammengearbeitet. Er ist zwar vor zwei Jahren verstorben, aber ich versuche ihn zumindest musikalisch präsent zu halten sowie sein Leben zu rekonstruieren. Meiner Meinung nach ist Robledo der Einzige, der es geschafft hat, die Essenz des andalusischen Flamencos mit all seinen Harmonien und Dissonanzen pianistisch zu erfassen – und das, obwohl Robledo Deutscher war und mit Spanien eigentlich nicht viel zu tun hatte. Trotzdem hat er es geschafft, den Flamenco-Rhythmus richtig zu transkribieren, er hat die Technik der Gitarre sehr gut übersetzt und den Klang an die Klavier-Tastatur angepasst. Als Pianistin merkt man das sofort. Und gleichzeitig hat er doch seinen ganz eigenen, unverkennbaren Stil.

Das neue Stück «àMiró» bezieht sich ja auf den Maler Joan Miró. Passen denn abstrakte, moderne Malerei und Flamenco zusammen?
Ja warum denn nicht? Viele Leute haben das Gefühl, es gebe nur eine «richtige» Form des Flamenco. Aber der Flamenco hat sich doch immer auch gewandelt, und so gab es bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts Diskussionen darüber, was denn nun als traditionell gelte und was nicht. Der spanische Sänger Enrique Morente hat zum Beispiel in den 70er- und 80er-Jahren mit Flamenco experimentiert und eine zeitgenössische Variante geschaffen. Das galt damals als Sakrileg, heute wird Morente quasi als Heiliger verehrt. Drum, finde ich, muss unbedingt experimentiert werden mit Flamenco, und deswegen darf er auch mit etwas Abstraktem wie Mirós Kunst gepaart werden.

(Der Bund)

Erstellt: 23.12.2016, 07:35 Uhr

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