Sieben Fragen an Annalena Fröhlich

«Alles brüllt nach Spass. Und dahinter verblöden wir.»

Annalena Fröhlich gründete zusammen mit der Tänzerin und Choreografin Nina Stadler die Compagnie de Rothfils.

Annalena Fröhlich gründete zusammen mit der Tänzerin und Choreografin Nina Stadler die Compagnie de Rothfils.

(Bild: zvg / Giuseppe Micciché)

Vor fünf Jahren gründeten Sie mit Nina Stadler die Kompanie de Rothfils. Das Essen auf der Bühne ist fast schon ein Markenzeichen geworden. Wie sieht das in Ihrer aktuellen Inszenierung «Park» aus?
In «Park» wird tatsächlich nicht gegessen. Das ist fast eine Premiere. Wie immer erzeugen wir aber eine starke Künstlichkeit. Uns interessiert, etwas sehr Skurriles so zu zeigen, dass es von den Zuschauern trotzdem als Realität angenommen wird. Im Vergleich zu unseren lauteren und intensiveren Stücken wird «Park» eher reduziert, fein und subtil sein. Ich hebe gerne das Unspektakuläre hervor, bis es eine Bedeutung bekommt. Der erste Teil des Abends wird in der Gästewohnung der Dampfzentrale stattfinden und auch den Geruchssinn beanspruchen.

Wem werden wir darin begegnen?
Alles dreht sich um die Kirmes. Sämtliche Figuren haben im weitesten Sinne etwas mit ihr zu tun. Sie sind im Dienste des Spasses unterwegs. Das Geschehen wird aber vom abwesenden Glück anderer dominiert: Man hört und spürt die Kirmes, befindet sich aber woanders.

Sind Sie Rummelplatzgängerin?
Ich liebe die «Schütz» und habe mich auch schon fotografisch und filmisch mit ihr beschäftigt. Neulich war ich auf einer Bahn, als es wahnsinnig regnete, das war schrecklich schön. Mich fasziniert, dass alles dort so offensichtlich nach Spass brüllt, genau dadurch aber eine krasse Melancholie erhält. So kommt mir manchmal unsere Gesellschaft vor: Alles muss genossen werden, muss wahnsinnig toll und intensiv sein. Und dahinter verblöden wir.

Waren Sie zufällig im britischen Dismaland, dem Anti-Vergnügungspark von Banksy?
Ich wollte nicht riskieren, hinzufahren und dann nicht reinzukommen. Ich finde es auch etwas schade, dass Banksy die Objekte selbst traurig und düster gestaltet. Das ist gar nicht nötig, wie die «Schütz» beweist. Die ist so wunderbar deplatziert, aber steht trotzdem im Dienste des Spasses. Das ist skurril genug.

Sie haben sich autonom am Klavier, als Tänzerin und als Performerin ausgebildet. Warum haben Sie sich lange gegen institutionelle Bildungseinrichtungen gesträubt?
In Luzern an der Jazz-Schule merkte ich irgendwann, dass es der falsche Studiengang war. Es hat mich schlicht zu viel interessiert: die Körperlichkeit, die Musikalität und das Visuelle. Bevor ich eine Antihaltung zur Institution entwickelte, musste ich aussteigen. Das war natürlich auch manchmal anstrengend, ich hatte ohne Abschluss einen höheren Legitimationsstress gegen aussen. Für mich hat es aber immer gestimmt. Ich mag die Ungewissheit. Ein Jahr lang in meinem Leben wusste ich einmal ziemlich genau, was passiert. Das hat mich total gestresst.

Als selbstständige Künstlerin: Wie frei ist eigentlich die freie Szene?
«Frei» ist vielleicht etwas zu gut gemeint. Man hat auch da starke Abhängigkeiten. Und obwohl es keine festgeschriebenen Gesetze gibt, bewegt sich komischerweise strukturell ziemlich viel im gleichen Modus: sechs Wochen Probe, täglich von zehn bis sechs Uhr. Alleine arbeite ich gerne verstückelter, mit Intensivphasen und Pausen im Wechsel.

Was wünschen Sie sich für die Berner Kultur?
Dass man sich gegenseitig mehr pusht und anstachelt. Die vielen guten Leute, die hier sind, sollten sich zusammenschliessen und sich nicht gegenseitig klein halten.

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