Selachophobie – Die krankhafte Angst vor Haien

Die Vernunft der Zahlen vermag wenig auszurichten gegen die Unvernunft meiner Angst.

Haie sind laut der Statistik wenig gefährlich – gegen die persönliche Angst nutzt das herzlich wenig.

Haie sind laut der Statistik wenig gefährlich – gegen die persönliche Angst nutzt das herzlich wenig.

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So gross und verfressen war er noch nie. Er verschlingt einfach alles, vom Riesentintenfisch über Menschen bis zu Walen, niedlichen Hündchen und kleinen U-Booten. Er ist «The Meg» (derzeit in unseren Kinos) alias Megalodon, ein ausgestorbener Hai aus Urzeiten, bis zu 25 Meter lang.

Gestört von den Menschen, taucht er aus den Tiefen des Marianengrabens auf und durchpflügt alsbald das Wasser unter den ahnungslosen Badetouristen wie bei einem All-you-can-eat-Buffet. Der Drehbuchautor des Films hat übrigens eine griffige Faustregel formuliert für ein befriedigendes Exemplar des Hai-Film-Genres: Man müsse einfach dafür sorgen, dass die Figuren, die das Publikum gefressen sehen wolle, auch wirklich gefressen werden.

Ich werde mir diesen Blockbuster im Kino trotzdem nicht antun, allerdings reicht leider schon der Trailer, um meine Selachophobie wieder zu aktivieren. Die krankhafte Angst vor Haien geht bei mir so weit, dass selbst Gewässer gemieden werden, in denen garantiert keine Haie vorkommen - also etwa unsere schönen Binnenseen, zuweilen auch die Aare oder der Moossee, manchmal sogar Hallenbäder.

Ich kann mich erinnern, dass ich einmal überstürzt aus der Badewanne kletterte, weil ich plötzlich überzeugt war, ein Hai im Miniaturformat könnte sich Zugang verschaffen durch den Abfluss. Ja, Sie lachen, eine in der Tat lächerliche Vorstellung. Aber die Geschichte mit der Badewanne passierte kurz nach einem schicksalhaften Kinobesuch 1975. «Jaws», der weisse Hai von Steven Spielberg, hat mir den Badespass im Meer für immer verdorben.

Noch heute, nach über 40 Jahren, muss ich mich damit begnügen, in Ufernähe im hüfthohen Wasser ein bisschen Schwimmbewegungen zu simulieren. Mir hilft auch keine Statistik: Jedes Jahr sterben weltweit nicht mehr als ein Dutzend Menschen durch Haiangriffe, dafür über 700000 durch Mückenstiche. Und beim Selfiemachen auf Klippen und Felsvorsprüngen stürzen pro Jahr auch deutlich mehr Leute zu Tode.

Aber eben, die Vernunft der Zahlen vermag wenig auszurichten gegen die Unvernunft meiner Angst. Regelrechte Panik ergriff mich vor etlichen Jahren, als ich mich an der Adria erstmals auf Wasserski wagte und prompt rund einen Kilometer vor der Küste das Gleichgewicht verlor und krachend stürzte. Es dauerte endlose Minuten, bis mich der sichtlich amüsierte Fahrer des Motorboots mit aufreizender Lässigkeit aus dem Wasser zog. Ich hatte genügend Zeit, mich daran zu erinnern, dass im Jahr davor in exakt dieser Gegend ein deutscher Tourist von einem «verirrten» Hai um ein Bein kürzer gemacht worden war.

Nun kann man zweifellos einwenden, dass ich noch nie einem Hai begegnet bin und darüber hinaus keine Gewässer aufsuchen muss, in denen diese Raubfische vorkommen. Aber diese Tiere sind eben unberechenbar. Meeresbiologen haben Ende Juni einen Weissen Hai vor der Küste von Mallorca gesichtet. Vor Mallorca!

Und was die direkte Begegnung anbelangt, so möchte ich hiermit doch festhalten: Ich befand mich vor nicht allzu langer Zeit einen knappen halben Meter vor einem fast drei Meter langen Bullenhai, sah in seine kalten, toten Augen, betrachtete seine stumpfe Schnauze mit dem beissfreudigen Revolvergebiss und glaubte ein fieses Grinsen festzustellen. Mir stockte der Atem. Er musterte mich kurz und drehte dann ab. Es war furchteinflössend. Zugetragen hat sich diese Begegnung im gläsernen Unterwassertunnel des Meeresaquariums in Barcelona. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.08.2018, 08:05 Uhr

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