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Sehr, sehr traurige Dinge

«Wahrheit»-Kolumnist Ane Hebeisen hat sich auf die Suche nach tieftraurigen Dingen gemacht und ist unter anderem im heimischen Wahlkampf fündig geworden.

Ane Hebeisen

Eine der beliebtesten Disziplinen im Schnelllese-Journalismus ist derzeit das Erstellen von Listen. Gewisse Redaktionen beschäftigen bereits eigens dafür spezialisierte Redaktoren, deren Tagwerk darin besteht, Aufzählungen für so ziemlich alle Eventualitäten des Lebens zu erstellen. Zum Beispiel so was: «16 Cocktail-Gläser, bei denen du nur noch ‹WOW!› sagst (und auch: ‹WTF?›)», oder «7 Situationen, die jeder kennt, der mit einem Schrittzähler lebt» oder aber: «10 Dinge, die du am Knabenschiessen und beim Sex sagen kannst» (alle Beispiele aus «Watson»).

Die schönste aller Listen ist jedoch noch immer jene des lustigen Magazins «Titanic», die nichts anderes tut, als traurige Dinge aufzuführen. Wirklich betrübliche Sachen finden sich da: - Ein Posting von Mario Barth auf Facebook («Frohe Weihnachten! Euer Mario»), das 70000 Leuten «gefällt». - Eine nicht bestandene Bachelor-Prüfung an der deutschen Pop-Akademie. - Die «Knorr Festtagssuppe». - Eine Frau, die ihr Hochzeitskleid im Arm hält und tanzt.

Weil das Leben bekanntlich auch Erfolgsjournalisten nicht vor Elend und Ungemach verschont, scheint es mir angebracht, die Liste der traurigen Dinge mit kürzlich beobachteten Vorfällen zu ergänzen. Als da wären: - Eltern, die ihre Tochter dabei filmen, wie sie während eines Dieter-Bohlen-Konzerts das Stück «Mamacita» mitsingt. - Jemand, der auf Facebook schreibt: «Danke, dass du meine Freundschaftsanfrage angenommen hast.» - Ein in der Pubertät steckender Michael-Jackson-Imitator, der am «Karneval der Kulturen» einer mittelgrossen deutschen Stadt von seinem Vater, der den letzten örtlichen Plattenladen betreibt, während seines Auftritts lustlos gefilmt wird. - Der Leiter der Gassenküche, der am selben Anlass dem zuständigen Tontechniker die CD mit dem Stück überbringt, zu dem seine Mitarbeiter auf der «Grossbühne im Park» tanzen möchten. Dieser sagt augenrollend: «Manno! ‹Happy› von Pharell Williams hatten wir heute schon viermal.» - Ein Mann, der die Verkäuferin an der Migros-Kasse fragt, ob sie wohl die neue CD von Reinhold Beckmann im Sortiment führe. - Nach dem Ausfüllen des Smartvote-Fragebogens steht ein CVP-Mann an oberster Stelle.

Ohnehin taugen die kommenden Wahlen in der Schweiz bestens zum Aufspüren sehr trauriger Dinge. Hier eine kleine Auswahl: - Nationalratskandidaten, die unter Hobby «Männerriege» angeben. - Ein Flyer der SVP, auf dem steht: «Feiern Sie mit am grossen Mobilisierungsfest! Artistin Nina Burri zeigt ihre Verrenkungskünste!» - Die Aufforderung der jungen BDP an Mitglieder, die sich für den Standdienst an der Pride Zürich angemeldet haben: «Zieht euch bitte so bunt wie möglich an!» - Der Link «SVP Frauen» auf der Internetseite der SVP-Sektion Kiesen- Oppligen, der auf die Homepage der SVP-Männer führt. - Die SP-Forderung: «Keine Würmer und Würminnen auf Wahlplakaten!» - Ein Vorstoss der EVP im Nationalrat, mit dem sie sich auf ihrer Homepage brüstet: «Viele Wehrmänner würden es schätzen, wenn sie während des Militärdienstes vermehrt oder regelmässig als Verpflegung ein Joghurt erhielten. Ist der Bundesrat bereit, eine entsprechende Weisung zu erlassen?» - Der Hashtag «BEfuture» auf der Homepage der Jungfreisinnigen.

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