«Wir machen Money-Money sowieso»

Die Luzerner Rapperin Loredana, die unter Betrugsverdacht steht, stürmt wieder die Hitparade.

«Ich schein so hell, die Hater werden blind, Diamanten auf der Kette und im Ring»: Rapperin Loredana Zefi.

«Ich schein so hell, die Hater werden blind, Diamanten auf der Kette und im Ring»: Rapperin Loredana Zefi.

Philippe Zweifel@delabass

Letzter Ferientag, Stau zwischen Hergiswil und Stans. Also Spotify ausschalten und SRF 3 hören, vielleicht kommt ja gerade die Verkehrsinformation. Leider nein, es läuft die offizielle Schweizer Hitparade. Seit Jahren nicht mehr gehört, jeder zweite Song ist Hip-Hop oder R’n’B. «Zum Glück läuft mein Business nach Plan», rappt eine Frau mit verzerrter Auto-Tune-Stimme, «sie reden und reden, doch ist mir egal». Catchy Beat, dachte ich, und summte mit.

«Das war Platz sieben für Loredana mit ihrer neuen Single ‹Eiskalt›», so der Moderator. Ausgerechnet Loredana! Nicht nur, dass die aus der Gegend kommt, wo ich gerade im Stau steckte. Die kosovarische Rapperin aus Emmenbrücke soll ein Walliser Ehepaar um 700'000 Franken betrogen haben und wurde zeitweilig verhaftet. Daraufhin sagte sie sämtliche Konzerte ab. Ihre Konten wurden gesperrt, die Untersuchungen laufen, es gilt die Unschuldsvermutung.

Ich hörte mir den Song auf Spotify nochmals genauer an. «Wir machen Money-Money sowieso ... sei dir sicher, ich bleib eiskalt.» Da rühmt sich offenbar eine mit ihren Untaten, und das erfolgreich. Der Videoclip zum Song, vor zwei Wochen auf Youtube aufgeschaltet, wurde bereits 12 Millionen Mal angeschaut.

Solch rüpelhaftes Gepose ist an sich nichts Ungewöhnliches, es gibt mit dem Gangsta-Rap gar ein eigenes Genre. Doch die Grenzen zwischen Inszenierung und realen Androhungen verfliessen zunehmend. «Du musst auch hart sein, wenn der Beat nicht mehr läuft», rappen Fler und Bushido auf dem Track «Vom Bordstein bis zur Skyline». Der Riesenskandal um den Rapper Kollegah, der antisemitische Texte zelebrierte, führte gar zur Abschaffung des deutschen Musikpreises Echo.

Nun ist es ja nicht so, dass es bei Loredana unter dem Deckmantel der Kunstfreiheit um Gewalt oder Rassismus geht. Stattdessen singt sie: «Ich schein so hell, die Hater werden blind / Diamanten auf der Kette und im Ring / Mein neues Haus wie ein Labyrinth / Ich verdoppel, doppel, doppel den Gewinn.»

Meine Ungeduld über den stockenden Kolonnenverkehr wich einem moralischen Dilemma. Ist das noch eine im Rap typische Machopose oder schon eine reale Verhöhnung der mutmasslichen Opfer? Ist es auf dreiste Weise cool oder einfach saudoof? Nun: In ein paar Tagen erscheint Loredanas neues Album «King Lori». Da erfährt man sicher mehr über das Innenleben der umstrittenen Rapperin.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt