«Wenns zu nett wird, ists nicht mehr sexy»

Vorbilder und Perfektionismus: Soul-Sänger Seven über sein neues Album und die Tour mit den Fantastischen Vier.

Schweizer Soul-Hoheit: Seven.

Schweizer Soul-Hoheit: Seven. Bild: zvg

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Xavier Naidoo ruft an, die Fantastischen Vier laden zur Tour: Es sieht mit der Eroberung Deutschlands gerade nicht schlecht aus. Doch ist Ihre Musik wirklich für die Deutschen geschaffen?
Wenn mans grob marktanalytisch betrachtet, ist Deutschland sicher nicht das allerbeste Territorium für Funk und Soul, wie ich ihn betreibe. Aber es gibt immerhin doch diverse Festivals und eine Club-Nische, in der ich unterkommen könnte. Es ist ja nicht so, dass ich alle anderen Märkte vernachlässigen würde, nur weil sich mir in Deutschland gerade ein paar Türchen aufgetan haben.

Seit letztem Jahr sind Sie in Deutschland unter den Fittichen des Fanta-4-Managers Andreas «Bär» Läskers. Wie oft haben Sie in diesen Monaten die Forderung vernommen, einen Song auf Deutsch zu liefern?
Der weiss schon, was für einen Dickkopf er sich da geangelt hat. Es gibt keine Ambition, ein deutsches Album aufzunehmen, bloss um den deutschen Markt anzukurbeln. Und selbst wenn ich Lust dazu hätte, würde ich es jetzt nicht tun, weil mir das irgendwie zu berechnend vorkommen würde.

Dann erzählen Sie uns doch ein paar Räubergeschichten von der Tour mit den Fantastischen Vier.
Da gibts keine Räubergeschichten. Es gab eine Art Testkonzert, bei dem die Fanta 4 während unseres Auftritts mit Kopfhörern neben dem Monitorpult gesessen sind. Erst danach haben sie entschieden, uns zu buchen. Smudo hat dann jedes Konzert von uns persönlich angesagt. Sie überlassen nichts dem Zufall. Auch wenn mir die Jungs manchmal wie vier Buben vorkommen, die gerne Spass haben und nervös sind vor jedem Konzert, ist mir vor allem ihre Professionalität aufgefallen. Vom Kabelträger bis zum Tonmann ist jeder Teil der Familie, jeder von ihnen weiss, was es braucht, um auf diesem Niveau Musik zu machen. Man hat sich das alles selber erarbeitet.

Ich erkenne da gewisse Parallelen zu Ihnen.
Ja, wir sind beide Selfmade-Musiker, deshalb haben wir uns auch so gut verstanden. Wir sind oft nach den Konzerten zusammengesessen und haben uns gegenseitig Tipps und Anregungen gegeben. Auch ich will die Entscheidungsgewalt behalten über das, was ich mache.

Sie haben Ihr neues Album in Bern mit Ben Mühlethaler aufgenommen, dem Mann, der das letzte Album von Prince abgemischt hat. Täuscht der Eindruck, oder haben Sie im Studio die eine oder andere Prince-Platte angehört?
Das brauchte ich gar nicht, seine Musik, oder auch jene von Stevie Wonder oder Michael Jackson sind immer in meinem Kopf.

Ben Mühlethaler hat mir erzählt, dass es das Ziel war, mit Ihnen im Studio wieder zu einer fast naiven Spielfreude zurückzufinden. Nun klingt das Album nicht gerade nach einem spontanen Hüftschuss. Woher kommt Ihr Hang zum Perfektionismus?
Ich arbeite so lange an etwas, bis es meiner Idee, die ich im Kopf hatte, am nächsten kommt. Und auch wenn ich eine naive Schnaps-Idee von einem Song habe, dann will ich aus dieser das Bestmögliche herausholen. Ben hat mir im Studio tatsächlich so etwas wie einen Spielplatz eingerichtet. Jedes Instrument war stets mikrofonisiert, ich konnte je nach Lust und Laune mal eine Gitarre einspielen, einen Beat oder eine Gesangsspur. Es war mir möglich, im Song jederzeit alles auszuprobieren. Das hat viel Spass gemacht.

Und es hat dazu geführt, dass pro Song bis zu 280 Spuren benötigt wurden.
Ja das stimmt. Wissen Sie, ich bewege mich in einem musikalischen Umfeld, das vor mir schon andere beackert haben. Also muss mein Anspruch sein, das was ich tue, so gewissenhaft und respektvoll wie möglich zu tun. Diese Musik hat das verdient. Perfektion strebe ich dabei nicht an. Eher eine gewisse Schnoddrigkeit. Wenns allzu nett wird, dann ists nicht mehr sexy.

Bierhübeli, Donnerstag, 29. Oktober, 20.30 Uhr.

Erstellt: 29.10.2015, 13:22 Uhr

Seven

Unsere Schweizer Soul-Hoheit Seven hat einen Lauf. Er hat diesen Sommer mit den Fantastischen Vier zehn Festival-Konzerte gespielt, hat mit ihnen einen Song eingespielt und wurde gerade von Xavier Naidoo für die nächste Staffel der Sendung «Tauschkonzert» engagiert. Im Bierhübeli stellt er mit seiner 13-köpfigen Band (zu der unter anderem die einstige Prince-Keyboarderin RAD gehört) sein neues Album «BackFunkLoveSoul» vor. Am Donnerstag, 29. Oktober, 20.30 Uhr.

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