Was Sie über Abba noch nicht wussten

Abba dominierten die Charts auf der ganzen Welt, sie stiessen die Beatles vom Pop-Thron – und sparten Steuern mit extravaganten Kostümen.

Nach mehr als 35 Jahren Pause haben Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid neue Songs aufgenommen. (Video: Reuters)

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Genaue Zahlen gibt es nicht. Aber auch die Schätzungen sind beeindruckend: Zwischen 140 und 500 Millionen – so viele Tonträger soll die schwedische Band Abba seit ihrer Gründung 1972 weltweit verkauft haben. Dazu gehören acht aufeinanderfolgende Nummer-1-Alben in den britischen Charts. Das schaffte in der Pop-Geschichte nur noch eine einzige andere Gruppe: Led Zeppelin.

Überhaupt waren Abba die erste nicht-englischsprachige Band, die in englischsprachigen Ländern wie Grossbritannien, Australien oder den USA anhaltenden Erfolg feiern konnte. Insgesamt verbrachten die Alben von Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad 1124 Wochen in den Top 75 der britischen Charts. Das sind mehr als 21 Jahre.

Die Erfolgsgeschichte von Abba beginnt am 6. April 1974 im englischen Brighton. Mit «Waterloo» gewann die damals noch relativ unbekannte Band den Eurovision Song Contest. Der Song kletterte daraufhin in vielen europäischen Ländern auf Platz eins der Charts. Selbst in den USA, wo der europäische Gesangswettbewerb keine Rolle spielte, landete «Waterloo» in den Top Ten.

Trotz dieses grossen Erfolgs hatten Abba zu Beginn ihrer Karriere mit dem Stigma zu kämpfen, den Eurovision Song Contest gewonnen zu haben. Als Künstler wurden sie zunächst nicht ernst genommen. Es dauerte anderthalb Jahre, bis Abba mit «SOS» einen zweiten internationalen Hit landen konnten. Dann jedoch war der Bann gebrochen: Zwei Jahre lang führte jede Abba-Single die Spitze der deutschen Charts an: Auf «Mamma Mia» folgte «Fernando», auf «Dancing Queen» «Money, Money, Money» und «Knowing Me, Knowing You».

Abbas Hit-Single-Erfolgssträhne ist in der Popmusik nahezu unübertroffen. Ihr Greatest-Hits-Album «Gold» zählt zu den meistverkauften Alben aller Zeiten. Allein von dieser Platte verkaufte die Band weltweit mehr als 28 Millionen Kopien. In Grossbritannien hat «Gold» den Beatles-Klassiker «Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band» vom Thron gestossen. In Deutschland ist «Abba Gold» das viertmeistverkaufte Album aller Zeiten, nur übertroffen von zwei Grönemeyer-Platten und Phil Collins.

Eine Milliarde Dollar für eine Reunion-Tour schlugen sie aus

Abba sind eine Band der Superlative, sie zählen zu den umsatzstärksten und erfolgreichsten Bands der Welt. In Erinnerung geblieben ist aber nicht nur ihre Musik, sondern vor allem auch ihr Auftreten. In zahlreichen Musikvideos und Live-Auftritten präsentierten sich Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid in extravaganten Kostümen. Dahinter steckte ein ganz profaner Grund. Mit diesen aussergewöhnlichen Klamotten konnten Abba Steuern sparen. In Schweden lässt sich Kleidung nämlich genau dann von der Steuer absetzen, wenn sie nachweislich nicht für den «alltäglichen Gebrauch» getragen wird.

Nach Auflösung der Band im Jahr 1982 versiegte der kommerzielle Erfolg keineswegs. Genauso wenig wie die Ideen zur intelligenten Weiterverwertung der Marke Abba. So wurde 1998 im Londoner West End das Musical «Mamma Mia!» uraufgeführt, das auf Songs der Band basiert. In London läuft es mit grossem Erfolg bis zum heutigen Tag, seine Macher haben das Musical in die ganze Welt exportiert. Laut Webseite sollen insgesamt 60 Millionen Menschen in 440 Städten «Mamma Mia!» besucht haben.

Filmsequel kommt im Juni

2008 wurde das Musical verfilmt – mit einer hochkarätigen Besetzung: Meryl Streep, Pierce Brosnan und Colin Firth tanzen und singen zu Abba-Songs vor griechischer Traumurlaubskulisse. Der Film spielte weltweit mehr als 615 Millionen Dollar ein. Mit diesem Ergebnis hielt er fast ein Jahrzehnt lang den Rekord als erfolgreichste Musicalverfilmung aller Zeiten. Erst «The Beauty and the Beast» konnte das Einspielergebnis von «Mamma Mia!» übertrumpfen. Nun startet ausgerechnet im Juni des Jahres, in dem Abba ihre Wiedervereinigung ankündigen, das Filmsequel «Mamma Mia: Here We Go Again» in den Kinos. Ob das ein glücklicher Zufall ist oder doch geschickte Marketingstrategie?

Bislang war ein echtes Comeback der vier Schweden trotz des ungebrochenen weltweiten Interesses der Fans nicht in Aussicht. Im Jahr 2000 schlugen Abba sogar ein Angebot von einer Milliarde Dollar für eine Reunion-Tour aus. Björn Ulvaeus sagte später in einem Interview: «Angesichts der Summe mussten wir uns natürlich Gedanken machen – für so einen Haufen Geld kann man eine Menge Krankenhäuser bauen.» Letztendlich lehnten Abba das Angebot aber ab. Geld spielt in diesem Kosmos schon lange keine Rolle mehr. Für Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid geht es um den Spass. Den haben sie nun offenbar wiederentdeckt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.04.2018, 22:12 Uhr

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