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Vater unser

Father John Misty ist der Psychoanalytiker, aber auch der Entertainer des jungen, weissen, gelangweilten Amerika. Auf seinem zweiten Album begegnet er der Liebe und verbringt die Apokalypse darum im Bett.

Ein Prediger, der mit richtigem Bart vor falschen Klavieren spielt: Josh Tillman alias Father John Misty. Foto: Emma Elizabeth Tillman
Ein Prediger, der mit richtigem Bart vor falschen Klavieren spielt: Josh Tillman alias Father John Misty. Foto: Emma Elizabeth Tillman

Ein ernster junger Mann sitzt bei David Letterman in der «Late Show» am Klavier und singt. Sein Bart glänzt im Licht der Scheinwerfer, seine Ballade ist die eines anderen ernsten jungen Mannes, der nach der Finanzkrise auf einer unnützen Ausbildung und einem lausigen Kredit für sein selbst gebautes Haus sitzen geblieben ist. Doch dann erhebt sich Josh Tillman vom Klavier, das weiterspielt, und als bemerke niemand den Fake, setzen jetzt die 22 Musiker des Orchesters ein. «Aber ich komm schon zurecht, mit dem Leben», singt Tillman, und man hört eine Lachkonserve. Bis zum Ende des Songs schliesst sie jede einzelne Zeile ab, zuletzt auch: «I'm ­Bored in the USA.»

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