«Unsere Szene muss eine Stimme kriegen»

Am Donnerstag wurde der Verein Musikförderung Bern gegründet. Was will er? Wir haben nachgefragt.

Der Verein Musikförderung Bern will nicht nur finanzielle Unterstützung anbieten.

Der Verein Musikförderung Bern will nicht nur finanzielle Unterstützung anbieten. Bild: (Archiv)

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Sie haben am Donnerstag den Verein Musikförderung Bern gegründet. Welchem Missstand ist diese Gründung geschuldet?
Wenn heute ein Musiker sein Schaffen an die Öffentlichkeit bringen will und dafür Unterstützung sucht, muss er sich an ein Amt wenden. Wir finden, dass es niederschwelliger ist, sich bei Leuten aus der Szene Rat zu holen. Und dafür wollen wir da sein. Wir wollen Musikern beratend zur Seite stehen, wir wollen Anlaufstelle sein, wenn jemand eine Veröffentlichung, eine Tour, ein Videoclip oder eine Promo-Kampagne plant. Und wir wollen auch Lobbyarbeit betreiben. Schaut man die Verteilung der Gelder bei den zuständigen Institutionen an, fällt auf, dass die Bereiche Pop, Hip-Hop, Elektronische Musik und Rock schlecht wegkommen im Vergleich zur klassischen Musik, zum Jazz oder zur improvisierten Musik. Unsere Szene muss eine Stimme kriegen.

Sie streben also eine Umverteilung der Kultursubventionen in Richtung der Popmusik an?
Wir wollen niemandem etwas wegnehmen. Es gibt – dank dem neuen Kulturgesetz – im Kanton Bern mehr Geld zu verteilen. Deshalb fänden wir es nur fair, wenn die Popmusik hier gleich behandelt wird wie andere Sparten.

Die Zahlen sind tatsächlich ernüchternd. Von den 700'000 Franken, die dieses Jahr in die Musikkommission der Stadt Bern flossen, werden bloss etwa 100'000 bis 150'000 der erweiterten Popmusik zukommen. Es gibt also viel zu tun.
Das ist so. Andere Bereiche sind einfach besser organisiert und vernetzt. Unser Vorbild ist der Rockförderverein Basel, eine Institution, die sich für die Ansprüche und Belange der Popmusik in der Nordwestschweiz engagiert und die wichtigste Anlaufstelle für Musiker aus dieser Region ist.

Der RFV Basel verfügt über ein Budget von über 650'000 Franken und ist mittlerweile im Kanton Basel für die Vergabe der Kulturgelder im Popsektor zuständig. Streben Sie dies ebenfalls an?
Wir sind am Anfang. Aber natürlich wäre es schön, wenn wir eines Tages das Vertrauen geniessen, um diese Funktion ausüben zu könnten.

Heute entscheidet eine unabhängige und szenenahe Kommission der Stadt und des Kantons Bern über die Vergabe der Gelder. Was würde Ihr Verein besser machen?
Die Förderpraxis der Stadt Bern funktioniert oft noch nach dem Giesskannenprinzip. Wir wollen ein breiteres Angebot bieten, nicht nur finanzielle Unterstützung. Wir denken, dass wir zunächst Ergänzendes leisten und als Verein, der täglich mit den Bedürfnissen von Popmusikern konfrontiert ist, schneller auf Veränderungen im Business reagieren können. Der RFV Basel organisiert beispielsweise Showcases am Reeperbahn-Festival in Hamburg, eine wichtige Plattform für Musiker, die internationale Ambitionen haben. Da helfen Szenenähe und gute Beziehungen natürlich sehr.

Von der Stadt Bern ist zu hören, dass man der Gründung Ihres Vereins mit Wohlwollen entgegensieht. Man werde nun zunächst beobachten, wie Ihre Arbeit anlaufe, ob ein öffentliches Interesse bestehe und welche Projekte Sie vorschlagen. Was haben Sie denn als Erstes vor?
Zuerst wollen wir die Anliegen der Musiker vertiefter kennen lernen, deshalb organisieren wir am 3. September im Progr einen offenen Austausch. Danach werden wir zum Beispiel Coaching und Infrastruktur für Bands anbieten, im Bereich Promotion und Produktion. Wir wollen auch ein Netzwerk schaffen, in dem wir Musiker mit Videokünstlern zusammenbringen. Der Videoclip ist aus dem Prozess der Öffentlichkeitsarbeit einer Band nicht mehr wegzudenken, aber in den meisten Fördermodellen gibt es dafür kein Budget. Wir möchten auch Newcomer-Bühnen und -Formate ins Leben rufen und Bands helfen, die noch nie ein Gesuch geschrieben haben.

Wie viele Mitglieder wird der Verein Musikförderung Bern in einem Jahr haben?
Wenn wir in einem Jahr 50 Mitglieder haben, sind wir schon mal zufrieden. Der RFV Basel, der seit 1994 existiert, zählt 360 Mitglieder. Dort wollen wir längerfristig hin.

Infos: www.musikfoerderung.be (Der Bund)

Erstellt: 11.08.2016, 23:18 Uhr

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Yannick Dudli

Der Präsident des neu gegründeten Vereins Musikförderung Bern ist Booker im Rössli der Reitschule und betreibt die Agentur Stagency.

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