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Troxler lockt wieder mehr Publikum nach Willisau

Mit sanften Erneuerungen gelang es Organisator Arno Troxler die Besucher am Jazz Festival Willisau zu begeistern. Die Darbietungen waren anspruchsvoll, experimentell und manchmal gar herausragend.

Etwas statisch: Die Gruppe Capillary Action bei ihrem Konzert anlässlich des Eröffnungstages des Jazz Festival 2011 in Willisau.
Etwas statisch: Die Gruppe Capillary Action bei ihrem Konzert anlässlich des Eröffnungstages des Jazz Festival 2011 in Willisau.
Keystone

Auch in seinem zweiten Jahr überzeugte Arno Troxler, der neue Chef des Willisauer Jazz Festivals, mit einer inspirierten Programmierung ohne Anbiederungen. Sein Konzept wurde vom Publikum honoriert: Der seit Jahren anhaltende Rückgang des Publikumaufmarschs konnte gestoppt werden.

Mit einem Projekt des Trompeters Dave Douglas und seiner Gruppe Keystone ist am Sonntagnachmittag das Jazz Festival Willisau nach fünf Tagen abgeschlossen worden. Douglas präsentierte den Soundtrack mit der filmischen Nacherzählung der Frankenstein-Geschichte des Experimentalfilmers Bill Morrison. Zuvor hatte der Gitarrist Christy Doran mit New Bag für einen tempogeladenen, intensiven Auftakt am Sonntag gesorgt.

Arno Troxler ist es in diesem Jahr gelungen, das Klangspektrum des Jazz Festivals Willisau konsequent zu erneuern und auszuweiten, ohne die im Free Jazz wurzelnde Basis zu verleugnen oder zu verdrängen. Im Gegenteil: Das Programm von 2011 zeigte, welch weit verzweigende Blüten, welche Vielfalt an Klängen und Interpretationen diese Musik getrieben hat und noch immer treibt.

Konstante Qualität der Konzerte

Wohl gab es Gruppen, die weniger überzeugten. So wirkte gleich zum Auftakt am Mittwoch die Gruppe Capillary Action gefangen in einem statischen Konzept. Es gab vereinzelt Durchhänger, wenn die anspruchsvolle Interaktion nicht die volle Konzertdauer zu tragen vermochte. Und beim Anemone Quintett mit seinem direkten Bezug auf den europäischen Free Jazz schien der Elan vital auf der Strecke geblieben zu sein.

Trotz dieser Vorbehalte: Im Ganzen gesehen war das Festival von einer bemerktenswerten qualitativen Konstanz, eigentliche Abstürze gab es nicht, keine der Formationen wirkte deplatziert. Dabei war das Spektrum breit und umfasste völlig gegensätzliche Grundhaltungen.

Das Trio Ellery Esklein/Christian Weber/Michael Griener etwa bewegt sich in der Welt der Improvisation auf höchster Ebene und entwickelt diese auf eine spröde, höchst sensitive Weise. Eine wildere, dadaistische Form der Improvisation, die auch die laut- und klangmalerische Stimme umfasst, zeigte die österreichische Formation Weisse Wände - eine der überraschenden Entdeckungen des diesjährigen Festivals.

Herausragend: Endangered Blood und Boom Tic Boom

Die rockigsten Adaptionen des freien Jazz' brachten The Nels Cline Singers - Nels Cline hat sich vor allem als Gitarrist von Wilco einen Namen gemacht - auf die Bühne, wirkungsvoll ergänzt von der Elektornikerin Yuka Honda. Anders das Trio um die deutsche Saxofonistin Ingrid Laubrock. Es entwickelt in einer minutiös festgelegten Komposition eine sich steigernde Spannung, die nichts dem Zufall überlässt - dem Schlagzeuger Tyshawn Sorey aber immerhin kraftvolle Kontrapunkte zugesteht.

Zu den schönsten Konzerten gehörten jene von Endangered Blood (u.a. mit Jim Black am Schlagzeug) sowie von Boom Tic Boom der herausragenden Drummerin Allison Miller mit Myra Melford am Piano. Hier konnte man direkte Bezüge zum Jazz der siebziger Jahre ausmachen, zu einer Musik, die mit den Anfängen von Willisau untrennbar verbunden ist. Doch handelt es sich nicht um einen nostalgischen Rückblick, sondern um eine frische, lebendige Neuinterpretation mit heutigen Ausdruckmöglichkeiten.

Dass die 37. Ausgabe des Festivals so stimmig und überzeugend ausgefallen ist, hängt aber auch mit der Neugestaltung der Willisauer Festhalle zusammen. Arno Troxler hat sie um rund einen Drittel verkleinert und damit dem Publikumsaufmarsch der letzten Jahre angepasst. Zudem wurde eine kleine ansteigende Tribüne eingebaut. Damit hat er die Aklustik hörbar verbessert, aber auch für eine dichtere Atmosphäre im Saal gesorgt. Mit Gewinn für das Zuhörer wie auch für die Musiker.

(SDA, Meinrad Buholzer)

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