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Trauer, Tod und Alpenglühen

Das vorösterliche Abokonzert des Berner Symphonieorchesters präsentierte emotionale und stimmgewaltige Musikwerke von Wolfgang Amadeus Mozart.

Eindringlich: Mario Venzago lässt Klang und Emotion verschmelzen.
Eindringlich: Mario Venzago lässt Klang und Emotion verschmelzen.
zvg

Die Welt scheint in Ordnung an diesem herrlichen Frühlingsabend, Gründonnerstag 2017 auf der Terrasse des Berner Kulturcasinos. Eiger, Mönch und Jungfrau erstrahlen im schönsten Alpenglühen, Handys werden gezückt. Eben ist der erste Teil des 11. Sinfoniekonzerts des Berner Symphonieorchesters zu Ende gegangen. Im Ohr klingen sie noch nach, die Metamorphosen für 23 Solo-Streicher von Richard Strauss.

Fliessende Verwandlungen

Unaufgeregt und doch dringlich-treibend, so könnte man die Interpretation des Orchesters unter der Leitung von Chefdirigent Mario Venzago in wenigen Worten umschreiben.

Sachte und doch prägnant entfaltet sich das melodische Material in den Celli und wirft sich in die erste, in die höheren Streicher fortschreitende Verwandlung (Metamorphose). Die Klänge sind stetig im Fluss, keine scharfen Punktierungen, kein Pizzicato. Nur einmal wird die vom Dirigenten als «Verschmelzung von Klang und Emotion» begriffene und im Programmheft als «verklärt» beschriebene Stimmung unterbrochen: Die Pause vor dem letzten Teil des Orchesterwerks reisst das Publikum unvermittelt aus seinen Gedanken.

«Trauer um München» notierte der ehemalige Präsident der Reichsmusikkammer Strauss im Frühjahr 1945 als Ausgangsidee in sein Skizzenbuch. Wenige Wochen später beendete er das Spätwerk, noch vor der Kapitulation von Nazideutschland. Die Welt war alles andere als in Ordnung.

Fesselnder Duktus

Nach der Pause dann Brüche, Lautstärke und Drama. Auf dem Programm steht Mozarts mythenumwobenes Requiem in der selten gehörten, von Robert D. Levin vollendeten Fassung aus dem Jahr 1991. Verstärkt wird das Berner Symphonieorchester mit dem hauseigenen Chor von Konzert Theater Bern (Einstudierung: Zsolt Czetner). Gerade in den von Levin komponierten Teilen bringt dieser seine Opernerfahrung mit Wucht und Gewinn zum Ausdruck.

Anderswo hingegen – wie etwa zu Beginn – wirkt der Gesang übertrieben, an lauten Stellen ertönen die Männerstimmen im Übergewicht. Brillant dagegen die raren leisen Passagen wie die ersten Takte des weltberühmten «Lacrimosas»: Hier sind die Register ausgeglichen, die Sprache verständlich, der Duktus fesselnd.

Im Hause Mozart im Jahr 1791 war die Welt übrigens auch nicht in Ordnung. Geldsorgen plagten die Witwe des eben verstorbenen Komponisten, weshalb sie nicht länger mit der Fertigstellung des Auftragswerks zuwarten wollte. Zurück im Jahr 2017. Nach einem kräftigen und eindrücklichen Schlussfurioso folgt ein elektrisierender Moment der Stille, bevor das voll besetzte Casino in minutenlangem Applaus versinkt. Besonders honoriert wird dabei der Chor. Erst recht scheint die Welt in Ordnung, und das Publikum strömt in die nächtliche Stadt hinaus.

Das Konzert wird am Samstag, 15. April um 19.30 Uhr, im Kultur-Casino Bern wiederholt.

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