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Stopp Spotify-Boykott: Die letzten Rocker knicken ein

13 lange Jahre weigerte sich Züri West, mit dem schwedischen Streaming-Multi zusammenzuarbeiten. Jetzt kann es sich die Band nicht mehr leisten. Über das Ende eines romantischen Widerstandes.

Irgendeinisch fingt Spotify eim: Züri West mit Frontmann Kuno Lauener (rechts).
Irgendeinisch fingt Spotify eim: Züri West mit Frontmann Kuno Lauener (rechts).
Michael Trost

Endlich! Die Abende sind trist, man verkriecht sich zu Hause, Kerzenlicht, vielleicht ein Spiel. Wie wärs mit Carambole? Und etwas Musik, zum Beispiel Züri Wests «7:7», dem Lied von 1987, das die Berner Kultband seit Jahren nicht mehr an Konzerten spielt. Auch zu Hause lief das vielleicht schönste berndeutsche Liebeslied ewig nicht mehr. Und so ist es mit allen anderen Züri-West-Songs. Wer keine CDs mehr hört, sondern nur noch streamt, hat die Band unfreiwillig aus der Playlist gelöscht. Denn Züri West war da bisher unsichtbar, boykottierte Spotify.

Doch nun ist alles anderes. Schon vor sechs Uhr morgens diesen Freitag verkündete die Band auf Instagram: «Leute, wir sind jetzt auch digital.» Tatsächlich, alle Alben der Band um Kuno Lauener sind auf einen Schlag auf Spotify zu finden. Von «Sport und Musik» (1987) über «Super 8» (1999) bis zu «Love» (2017). Bei Züri-West-Manager Stefan Mischler klingt es so: «Es ist der richtige Zeitpunkt jetzt, die Leute hören fast nur noch auf Spotify Musik.»

Tatsächlich zeigt die Kurve der Albenverkäufe seit Jahren nur in eine Richtung: nach unten. Denn die Hörgewohnheiten der Menschen haben sich verändert. Immer mehr Bands veröffentlichen gar keine physischen Alben mehr und setzen von Anfang an auf Digital. Und auch dort werden die Alben nicht hauptsächlich verkauft, sondern immer öfter gestreamt.

Aber bisher dachte die Band, dass sie auf die grossen Streaming-Plattformen verzichten könne. Ein Luxus, den sich nur eine Band wie Züri West leisten konnte, weil sie eine grosse, langjährige und treue Anhängerschaft hat, die das Album ihrer Lieblingsband halt kauft, wenn es nicht anders geht.

Bei der Veröffentlichung des Albums «Love» im März 2017 harrten um die 150 Züri-West-Fans bis tief in die Nacht aus, um ein Exemplar mit Autogramm zu ergattern. (Video: Martin Bürki)

«Die Überlegungen waren nicht primär finanzieller Natur», sagt Manager Mischler denn auch folgerichtig. Der Grund für die Kehrtwende sei ein anderer: «Man verärgert die Leute, wenn man nicht dabei ist.»

Zudem gebe es auch immer mehr DJs, die sich beim Auflegen auf ihre Streaming-Listen verlassen würden. Bisher ohne Züri West. «Das ist, wie wenn du als Band sagen würdest, du willst nicht im Radio gespielt werden», sagt Mischler.

Auf Instagram wurde die Nachricht euphorisch aufgenommen: «Uf das näi mer grad 77 mojito u zitronecreme z bömpliz-casablanca am fritig noch em carambole spile mit em arturo bandini, em john u de mary, bis mer d fische versänke und d spinnele das okay finge…», schreibt zum Beispiel mm_lion8.

7:0 für Spotify.

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