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Selbst der Erfolglose beglückt seine Landsleute

Nun hat auch die Wissenschaft den ESC analysiert und schlussfolgert: Wer teilnimmt, steigert die Zufriedenheit im Land – egal wie er abschneidet.

Das Schweizer Geschwisterpaar Zibbz schied am ESC in Portugal trotz überzeugender Leistung im Halbfinal aus. (Video: Tamedia/SRF)

Niemand blamiert sich gerne. Schon gar nicht auf offener Bühne, wenn wie beim Eurovision Song Contest (ESC) halb Europa am Fernseher zuschaut. Aus wissenschaftlicher Sicht könnte eine Blamage allerdings durchaus sinnvoll sein. Nicht für den Musiker, der am Geschmack des Publikums vorbei zielt, wohl aber für das Land, das den Musiker ins Rennen schickt.

Denn aus medizinischer Sicht ist eine ESC-Blamage gesünder als gar keine Teilnahme. Forscher vom Imperial College in London wollen herausgefunden haben, dass Menschen zufriedener mit ihrem Leben sind, wenn sich ein Aspirant stellvertretend für die eigene Nation mit Musikern aus anderen Ländern misst. Sogar die Selbstmordrate liegt in Ländern, die am ESC teilnehmen, niedriger als in jenen, die beim Sängerwettstreit nicht vertreten sind.

Briten wollen aussteigen

Man darf das durchaus auch als Warnung an das eigene Land verstehen. In Grossbritannien wurden jüngst Überlegungen laut, nach dem Brexit auch aus dem europäischen Gesangswettbewerb auszuscheiden. Der Grund: die Briten stellten sich in den letzten Jahren nicht besonders geschickt an, wenn es darum ging, die europäischen Nachbarn von der Qualität der heimischen Musikindustrie zu überzeugen. Trotzdem warnen die Wissenschaftler davor, deswegen gleich aus dem ESC auszutreten. Eine schlechte Performance sei immer noch besser als gar keine Performance, schreiben sie in ihrer Studie.

Für die Lebenszufriedenheit spielt die Platzierung offenbar keine grosse Rolle. Ob ein Land den Wettbewerb gewinnt oder sich bis auf die Knochen blamiert, ist fast egal. Nur wenn sich ein Teilnehmer im Vergleich zum Vorjahr um zehn Plätze verbessere, wirke sich das noch vorteilhafter auf das Wohlbefinden der Landsleute aus. Ganz überraschend ist diese Erkenntnis nicht, mag sie noch so abenteuerlich klingen.

Effekte gibt es auch im Sport

In den USA konnte bereits nachgewiesen werden, dass sich das Pro-Kopf-Einkommen und die Produktivität einer Stadt erhöhen, wenn das einheimische Footballteam den Super Bowl gewinnt. Ähnliches gilt für den Sieg bei einer Fussballweltmeisterschaft. Das Gewinnerland erscheint vielen mit Weltmeisterpokal attraktiver als ohne – was sich in sich in jedem Fall positiv auf den Tourismus auswirkt. Neu ist nun, dass sich der identische Effekt auch nach einem internationalen Musikwettbewerb einstellen kann.

Ganz wohl ist den Forschern vom Imperial College bei ihrer Beweisführung offenbar trotzdem nicht. Sie betonen, dass es nicht unbedingt einen kausalen Zusammenhang zwischen dem ESC und mehr Spass am eigenen Leben geben muss. Genauso gut könnte es sich auch um einen Zufall handeln. Das wäre insofern sinnvoll, weil offenbar nur einer von fünf Zuschauern tatsächlich Gefallen an der musikalischen Darbietung findet.

Wenig untersucht sei ausserdem noch der Langzeiteffekt einer ESC-Teilnahme, heisst es in der Studie. Gut möglich, dass die Zufriedenheit wieder abnimmt, wenn der Songcontest ein paar Wochen zurückliegt. Dann hilft nur eines: im nächsten Jahr wieder antreten.

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