Sechs Fragen an Phil Pohlodek

Berner Woche

Er versucht im Nachtleben von Bern kleine tropische Akzente zu setzen.

Phil Pohlodek im Interview mit Milena Krstic.

Phil Pohlodek im Interview mit Milena Krstic.

Ane Hebeisen

Wie könnte man Ihre Mission im Nachtleben dieser Stadt umschreiben?
Ich versuche kleine tropische Akzente zu setzen. Doch mich interessiert nicht das, was man gemeinhin an Latino-Partys zu hören bekommt. Es haben sich in den letzten Jahren in den Urbanitäten Südamerikas oder Afrikas Szenen gebildet, die ihre lokalen Musiktraditionen mit heutiger Elektronik verdrahten und für den Dancefloor adaptieren. Das hat mein Interesse geweckt, sowohl als DJ wie auch als Organisator von Partys.

Noch vor einigen Jahren waren Sie ein einigermassen handelsüblicher Techno/House-Plattenleger. Gab es ein Schlüsselerlebnis, das Ihren musikalischen Blick geweitet hat?
Der Blick war eigentlich schon immer weit: Mein Grossvater war Jazzmusiker, ich bin ein Kind der Techno- und Hip-Hop-Generation, ich war zudem Breakdancer und habe mich 2007 als Dubstep-DJ versucht, als dies hier noch keine Menschenseele interessierte. Aber es gab tatsächlich eine Art Schlüsselerlebnis. Ich habe von 2009 bis 2013 mehrere Jahre mit Unterbrüchen in Lateinamerika verbracht. Die Rückkehr in die Schweiz war eine schmerzliche Erfahrung, und ich hatte einige Erlebnisse zu verarbeiten. Eines Tages sass ich im Auto und dann lief im Radio ein mexikanisches Weihnachtslied von Lhasa de Sela. Das hat mich dermassen bewegt, dass ich am Strassenrand anhalten musste. Dieses Erlebnis hat in mir das Verlangen geweckt, nach einer Musik zu fahnden, die mir einerseits am Herzen rüttelt und dennoch tanzbar ist. Ich habe gehört, dass Sie einige Zeit im Kloster verbracht haben. Was macht das mit einem musikbegeisterten jungen Mann?
Nun, vom Klosterleben kann ich nichts berichten. Ich habe bloss mehrere zenbuddhistische Retreats absolviert und habe zwei Monate in einem Vipassana-Center in Thailand zugebracht. Die Meditation ist für mich unter anderem eine Technik, das hinzunehmen, was im Moment real ist, das innere Getriebensein zu beobachten und nicht gleich auf jeden Gedanken oder auf jede Emotion zu reagieren, wie wir das ja oft im Alltag machen. Eigentlich habe ich das Meditieren noch nie bewusst mit meiner Musikbegeisterung in Bezug gebracht. Aber ich denke, ich bin dadurch empfänglicher geworden für die Wirkung der Musik – auf mich und auf andere Menschen.

In der elektronischen Musik benutzen alle dieselben paar Musikprogramme, sie plündern die im Netz kursierenden Sound-Libraries und programmieren ihre Tracks in Geschwindigkeiten, zu denen man landläufig in Tanzlaune gerät. Was machen die Produzenten in Äquatornähe derzeit besser als die hiesigen?
Ich finde, dass man der Musik anhört, dass die Rhythmik im Leben dieser Menschen einen grossen Stellenwert hat. Die Produktionen sind auch irgendwie rauer, unsauberer als beispielsweise aus europäischer Manufaktur. Vermutlich ist es eine Grundeinstellung südamerikanischer Produzenten, einfach zu machen, sich selbst nicht im Weg zu stehen und kleine Makel stehen zu lassen.

Wie gross ist die Global-Bass-Szene in der Schweiz?
Eine wirkliche Szene existiert nicht, aber es gibt einige erfolgreiche Exponenten. Die Leute um die Disco Bar in Genf zum Beispiel, Codex of Plant Responses aus Lausanne oder auch Tropical Continent aus Zürich. Aber ein Austausch innerhalb der Schweiz findet kaum statt. Ich habe den Antrieb, dies zu ändern.

Was haben Sie fürs Una-Fest in der Grossen Halle ausgeheckt?
Für die «Cumbia Caravan»-Party war vor allem der Bandleader der Berner Cumbia-Gruppe Los Vacios de Charly federführend. Es wird also viel Live-Musik geben und ich werde als DJ nicht bloss ein Set spielen, sondern mit kleinen Interventionen auch ins Live-Geschehen eingreifen. Aber mehr möchte ich nicht verraten. Interview: Ane Hebeisen

Der Bund

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