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Rick Astleys grosses Comeback wider Willen

An den MTV Europe Awards könnte der beinahe schon in Vergessenheit geratene Rick Astley als «Best Act Ever» gewählt werden. Verantwortlich dafür: Ein Internet-Scherz.

«Never gonna give you up»: Die Fans von Rick Astley hielten sich offensichtlich an den Song-Titel seines ersten Hits und erfanden das «Rick Rolling».

Das letzte Mal als Rick Astely in den Charts ganz vorne dabei war, ist knapp zwanzig Jahre her. Trotzdem ist er an den MTV European Music Awards als «Bester Künstler aller Zeiten» nominiert – neben Britney Spears, Christina Aguilera, Tokio Hotel und U2. Dass Astley aus seiner musikalischen Versenkung so grandios aufgestiegen ist, hat er einem Web-2.0-Phänomen zu verdanken, das nun sogar nach ihm benannt ist: Dem Rick Rolling.

Irreführen mit Rick Astley

Es begann irgendwann im Jahre 2007 als Scherz. Auf diversen Internetseiten und in Mails wurden Links gesetzt, in denen verschiedene Dinge angepriesen wurden, oft waren es entblösste Stars. Der Link führte aber tatsächlich zum Video «Never gonna give you up», dem ersten grossen Hit des britischen Pop-Sängers Rick Astley. Meist wurden die an der Nase herumgeführten User dann mit dem Hinweis «You've been Rickroll'd» aufgeklärt. Und weil die Menschen zwar nicht veräppelt werden wollen, selber aber gerne Andere veräppeln, machten bald auch Leute beim Rick-Rolling mit, die an sich mit Astley und seiner Musik nichts am Hut haben.

Das Phänomen des Rick-Rolling wurde so populär, dass Youtube am 1. April in diesem Jahr alle Links auf seiner Startseite auf Astleys Erstlings-Video umleitete. Und auch vor der Welt des Sports macht das Phänomen nicht halt: Das Baseball-Team der New York Mets suchte eine neue Team-Melodie und wurde überschwemmt mit Stimmen für «Never gonna give you up» – obwohl dieser Song eigentlich gar nicht zur Auswahl stand.

Rick-Rolling dehnt sich aber auch auf andere Personen aus. Auf Youtube findet man neu ein Video unter dem Namen «Barack Roll», welches Anhänger des nun zum Präsidenten gewählten Barack Obama ins Rollen gebracht haben.

Astley-Fans sorgten für das Comeback

Die riesige Popularität des Phänomens brachte den Astley-Fan Mark Lancester aus Perth in Australien auf eine zündende Idee: Er wollte seinen Star bei den MTV European Music Awards in Liverpool nominiert sehen. Und vor allem wollte er erreichen, dass der Schmuse-Barde wieder einmal live im Fernsehen auftritt. Die Abstimmung für die Nominierten der Music Awards sind öffentlich und alle dürfen abstimmen – die besten Voraussetzungen für Rick-Rolling also. Mit der Nomination hat es geklappt, ob die Astley-Fans auch den Sieg ihres Idols herbeiführen können, zeigt die Übertragung des MTV European Music Awards heute Abend. Astley selber zeigte sich amüsiert über den neuerlichen Erfolg seiner alten Musik. Er ist sich aber noch nicht sicher, ob er an den MTV European Music Awards anwesend sein wird.

Den Zeitgeist clever genutzt

Rick Astley ist übrigens bereits zum zweiten Mal Nutzniesser eines Zeitgeist-Phänomens. Im Jahre 1987 war er Studiopraktikant bei den Produzenten Stock, Aitken und Waterman, welche zu jener Zeit extrem erfolgreich waren mit ihrer Idee, Pop als Fliessbandware zu produzieren. Das Produzententrio produzierte Künstler wie Kylie Minogue und Samantha Fox. Sie liessen den damals 21-jährigen Astley vorsingen, denn ihr Mikrofon war offen für jeden, der noch kein Star war, ähnlich den Castingshows von heute.

Astley überzeugte die Pop-Produzenten und konnte bis anfangs der 1990er-Jahre einige Hits landen, darunter den besagten Song «Never gonna give you up». Aber auch die Alben «Whenever you need Somebody» und «Hold me in your Arms» waren in den Charts vieler Länder ganz vorne dabei. Danach versuchte Astley mit dem Album «Free» anspruchsvolleren Sound zu machen, doch das wollte niemand hören, die Platte blieb erfolglos. Bis zum Aufkommen des Rick-Rolling hörte man vom einstigen Pop-Stern nicht mehr viel, auch ein Comeback-Versuch im Jahre 2000 scheiterte. Dank eines Internet-Scherzes könnte es jetzt gelingen.

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