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Pop-Briefing: Der jüngste Rap-Tote

Heute in der Popkolumne: Abschied von Juice WRLD, der Wintersoundtrack für Menschenscheue und die aktuelle Spotify-Bilanz von Züri West.

Am Sonntag gestorben: Juice WRLD. Foto: Universal
Am Sonntag gestorben: Juice WRLD. Foto: Universal

Das muss man hören

Der Winter kommt, und damit auch jene Saison, in der man sich am liebsten irgendwo vergraben möchte. Für all diese Menschenscheuen und Abgekapselten gibts nun immerhin den passenden Soundtrack, denn das Produzentenenigma Burial hat seine lose veröffentlichten Tracks aus dem Jahrzehnt auf «Tunes 2011 to 2019» gebündelt.

Was im Titel nach einer einfach kompilierten Tracksammlung klingt, entpuppt sich als sehr genau konzipiertes Album, das man unbedingt am Stück hören sollte. Die Geisterstimmen überwältigen und trösten, sie jagen einem aber auch Angst ein, weil sie unermesslich einsam klingen in den Techno-Ruinen von Burial. Wären die meisten Bestenlisten nicht bereits erschienen: Hier wäre es, das Album des Jahres.

Darüber wird gesprochen

Über den jüngsten Rap-Toten: Am Sonntag ist Juice WRLD gestorben, im Alter von 21 Jahren. Der Rapper aus Chicago gehörte zu jenen Exponenten des Hip-Hop, die Emo-Popelemente mit verloren klingenden Trap-Beats kreuzten und später via Soundcloud von den grossen Labels entdeckt wurden.

Juice WRLD jedenfalls war einer der grossen Hoffnungen eines hoffnungslos klingenden Genres, das mit XXXtentacion (erschossen) und Lil Peep (Überdosis) bereits zwei sehr jung Verstorbene zu verzeichnen hat. Die «New York Times» nimmt deshalb auch die Musikindustrie in die Pflicht, die zwar alles aus ihren jungen Posterboys herauspresste (und selbst mit den Gewaltstorys von XXXtentacion Geld verdiente), sie aber ansonsten dahinsiechen liess. Drogen, Medikamente, Hustensaft? Gehören halt zum Lifestyle dazu, Hauptsache, die Kasse stimmt.

Die Kasse wirds auch freuen, wenn nun «Lucid Dreams», die grosse Hitsingle von Juice WRLD (mit dem eingebauten Sting-Sample aus «Shape of My Heart») überall wieder erklingen wird. Hier finden sich auch die lebensmüde Zeilen «You left me falling and landing inside my grave/ I know that you want me dead». Obwohl: Lebensmüde war Juice WRLD trotz schwerer Drogenprobleme eigentlich noch nicht. Aber da bei seinem Tod auch ein missglückter Drogentransfer aus Kolumbien eine Rolle gespielt haben dürfte (die Polizei durchsuchte seinen mit Drogen beladenen Privatjet, als er einen Schlaganfall erlitten hat), dürfte das Schicksal von Juice WRLD weiter bewegen. Genau wie jene von XXXtentacion und Lil Peep, die längst als Märtyrer gefeiert werden.

Das Schweizer Fenster

«Technologie gewinnt immer», sagte Spotify-Gründer Daniel Ek einst dem «New Yorker». Das mussten nun auch Züri West einsehen: Der grösste Teil ihres Songkatalogs ist seit dem vergangenen Freitag auch beim schwedischen Streaminggiganten anhörbar. Doch haben die Fans darauf gewartet?

Die Einschaltquoten sind bislang marginal: «I schänke dr mis Härz» wurde – Stand Dienstagmorgen – 1689-mal angeklickt, «Fingt ds Glück eim?» 1490-mal. Gemessen an den Tantiemen, die Spotify zahlt, kann man sich von diesem Geld nichts kaufen. Aber ein Abseitsstehen liegt selbst für eine Band wie Züri West nicht mehr drin – die Marktmacht von Spotify ist zu gross geworden. So hat Band-Manager Stefan Mischler schon recht, wenn er sagt: «Das ist, wie wenn du als Band sagen würdest, du willst nicht im Radio gespielt werden.» Auch wenn es bedeutet, dass die Technik gewonnen hat, was einen in «Schiisluun» versetzen kann.

Was man gegen diese Laune machen kann? Nicht nur streamen, selbst wenn es sehr bequem und billig ist, sondern auch Alben kaufen – damit die Kunst nicht gänzlich auf der Strecke bleibt.

Das Fundstück

In der Liste der meisterwarteten Alben des kommenden Jahres steht «Workaround» von Beatrice Dillon sehr weit oben. Zur Einstimmung hat die Produzentin nun einen Mix veröffentlicht, zu dem man tanzen kann, wenn man denn will. Aber man kann diese Sternstunde an neugieriger Musik auch einfach prima im Kopfhörer anhören.

Die Wochen-Tonspur

Eigentlich müsste man auch hier alle Burial-Tunes einfügen, übrig bleibt «Young Death», der am Anfang der aktuellen, elektronisch gehaltenen Songauswahl steht. Gitarren? Vielleicht nächste Woche wieder.

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