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Pop, Politik und Polykarbonat

Das Pop-Jahr 2012 war ein turbulentes, aber ein wenig aufregendes. Die Sieger: Russen-Punk, Lana del Rey und die Heilsarmee. Die Verlierer: Lana del Rey, Madonna und die CD.

Das Ganze begann ja irgendwie schon recht ungünstig. Kaum hatten sich die drei Frauen von Pussy Riot am Morgen des 21. Februars in der Christ-Erlöser-Kathedrale zu Moskau in ihren Masken und Kostümen um den Altar geschart und ihren Getto-Blaster gestartet, waren auch schon kampfbereite Kirchendienerinnen und schwarz gekleidetes Sicherheitspersonal zur Stelle. Bald waren die Frauen in diverse Handgemenge verstrickt, weshalb der gesangliche Vortrag und die Choreografie etwas gelitten haben sollen. Nach 41 Sekunden war alles vorbei, die Damen wurden aus der Kirche spediert, es ist anzunehmen, dass ihnen nicht einmal vergönnt war, sämtliche Passagen ihres Punk-Gebets gegen Wladimir Putin vorzutragen.

Das Video, das noch am gleichen Tag auf Youtube aufgeschaltet wurde, war nachsynchronisiert und mit Aufnahmen von anderen Performances der Kunstguerilla gestreckt. Dennoch war der Auftritt der zornigen Frauen der emotionale Höhepunkt des Musikjahres 2012. Die 41 Sekunden lösten weit mehr aus als eine Stunde neuer Madonna-Tonkunst oder die desolate Dreiviertelstunde Musik, die Robbie Williams – immerhin der einstige Anwärter auf den vakanten Titel des King of Pop – in den Sinn gekommen ist.

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