Pop-Briefing: Sieht so ein Jogger aus?

Diese Woche in der Pop-Kolumne: Eine Single des Jahres, Unflätigkeiten von Noel Gallagher und frische Songs auf der Playlist.

Hier im Wald: Richard Dawson. Foto: PD

Hier im Wald: Richard Dawson. Foto: PD

Das muss man hören


Alle scheinen sich ins Gym zu verabschieden – oder probierens zumindest mit Joggen. Richard Dawson untermauert nun diesen Befund mit seinem neuen Videoclip, denn den englischen Musiker mit seiner unsportlichen Figur hätte nun niemand unter den Läufern erwartet. Wie ernst es ihm mit dem Sportlerdasein ist, bleibt natürlich dahingestellt. Aber sein Song «Jogging» erzählt die Geschichte eines Mannes mit Panikattacken, der nach seiner Entlassung wieder als freischaffender Grafiker arbeitet und von seinem Therapeuten zur körperlichen Ertüchtigung motiviert wird. Wie Richard Dawson das singt und die persönliche Krise mit der politischen Lage Englands und der westlichen Welt zusammenführt, das klingt so tröstend wie aufwühlend. Eine Single des Jahres, ohne Frage. Im Herbst erscheint dann sein Album «2020».

Darüber wird gesprochen


Über Noel Gallagher. Und das nicht unbedingt wegen seines neuen Songs «This Is The Place», in dem er sich offensichtlich in die Rave-Geschichte Manchesters einschreiben will, sondern wegen eines «Guardian»-Interviews. Wie gewohnt liefert er kernige Zitate, spricht über die kluge Interview-Antwort, wie er seine Mutter sehe («Ich mochte sie, bis sie Liam zur Welt brachte»), über den Klimawandel («Klar, für meine Enkelkinder wird das schlimm. Aber die habe ich noch nicht getroffen, sie könnten auch ein Haufen Idioten sein.») und natürlich immer wieder über seinen «primitiven» Bruder Liam und seine «primitive» Musik. Was klar ist: Eine Oasis-Reunion wird es wohl nie geben. Was auch klar ist: Ein Gallagher weiss, wie man die Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann.

Das Schweizer Fenster


Es gibt hierzulande nicht nur die Büetzer Buebe, die für den 23. August 2020 ein Zusatzkonzert im Zürcher Letzigrund angekündigt haben. Sondern auch Faber. Dieser hat Ende Juli seinen Song «Das Boot ist voll» veröffentlicht, und auf diesem stellt der Sänger unmissverständlich klar, was er vom sogenannten «besorgten Bürger» hält.

Das Fundstück


Wie klingt Musik aus der lettischen Hauptstadt Riga? Ich weiss es nicht genau, aber in den Sommerferien erhielt ich vor Ort dieses Dokument aus dem 80er-Jahre-Untergrund. Zu hören sind auf der mir überreichten Platte sehr reizvolle Tracks der Band Dzeltenie Pastnieki, die mit analogen Beatmaschinen und Sprache experimentiert. Eine Entdeckung, die mir das Internet wohl vorenthalten hätte.

Die Wochen-Tonspur


Neben dem joggenden Richard Dawson gibts neun weitere Songs und Tracks, beispielsweise einen Auto-Tune-Brief aus der Zukunft an Mozart, Tanzendes von Moodymann und Hans Nieswandt, und auch wie immer: recht stilles.

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