Zum Hauptinhalt springen

Play/Listen: Vermehret das Bruttoglobalglück

Die UNO will die Welt glücklicher machen. Mit Musik von David Guetta und James Blunt. Wir finden, das sind die falschen Songs. Und suchen bessere.

Was wir schon lange kennen, macht jetzt auch die UNO: eine Playlist. Aber natürlich verfolgt sie damit ein Ziel. Am 20. März, dem internationalen Tag des Glücks, suchen die Vereinten Nationen Songs, die glücklich machen. Die Initiative dazu geht vom Königreich Bhutan aus, das seit den Siebzigerjahren das «Bruttonationalglück» seiner Bewohner als Staatsziel definiert. Die UNO zieht nun nach und will mit Musik zum «Bruttoglobalglück» der Erdbevölkerung beitragen.

Ist das nicht naiv? Musik kann doch die Welt nicht verändern. Das sagen selbst Musiker mit politischem Anspruch – wie etwa Harry Belafonte oder Konstantin Wecker. Bei der Aktion auf der Webseite www.happysoundslike.com geht es jedoch nicht bloss um die Steigerung des individuellen Wohlbefindens, sondern laut Generalsekretär Ban Ki-moon um «Menschen, die unter Armut, Menschenrechtsverletzungen, humanitären Krisen, den Auswirkungen der Umweltzerstörung sowie dem Klimawandel leiden». Die UNO will also nichts Geringeres, als mit Musik die Welt zu verbessern.

Fans können sich via Kurznachrichtendienst Twitter unter dem Hashtag #HappySoundsLike an der Erstellung der Playlist beteiligen. Am Freitag soll das Ergebnis dann veröffentlicht werden. Auch Ban Ki-moon selbst steuert einen Song bei – den Soulklassiker «Signed, Sealed, Delivered» von Stevie Wonder.

Die Auswahl der internationalen Popstars, die sich an der Aktion am Freitag beteiligen, gibt allerdings zu denken: James Blunt, der seichte Weichspüler, soll Menschenrechtsverletzungen verhindern? David Guetta, die Partynudel, einen politischen Wandel herbeiführen? Einzig Pharrell Williams darf mit seinem Hit «Happy» als Experte des Glücks gelten. Aber auch er ist letztlich nur ein Motor der Spassgesellschaft. Das kann UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon nicht gemeint haben.

Wir finden, eine Liste mit feucht-fröhlichem Popgedudel genügt nicht, wenn man die Welt tatsächlich besser machen will. Deshalb suchen wir Musik, die Schlagkraft besitzt. Und schon bewiesen hat, dass sie etwas bewirkt: Songs, die die Welt – wenigstens ein bisschen – veränderten. Oder das Potenzial dazu hätten.

Auch Sie können sich beteiligen. Der überzeugendste Vorschlag (wenn möglich mit Begründung) gewinnt wie immer einen Premium-Account von Spotify. Unten in der Kommentarspalte können Sie Ideen deponieren. Der Gewinner der letzten Woche (Thema: Afrika) ist John Peer. Der Vorschlag lautete «Make It Fast Make It Slow» von Rob: «Ghanaischer Afrobeat der Superlative, der die ganze Widersprüchlichkeit, Verspieltheit und Energie des Kontinents in fünfeinhalb Minuten komprimiert.»

Gratulation! Der Gewinner melde sich unter kultur@newsnet.ch.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch