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Bestürzung über den Tod von «Mr. Mokka»

Pädu Anliker, Thuner Stadtoriginal und Betreiber des Kulturlokals Café Bar Mokka, ist tot. Er erlitt am Dienstagabend einen Herzstillstand.

Er galt als Thuner Urgestein: Pädu Anliker.
Er galt als Thuner Urgestein: Pädu Anliker.
Franziska Rothenbühler (Archiv)
Anliker war langjähriger Betreiber des Kulturlokals Café Bar Mokka in Thun.
Anliker war langjähriger Betreiber des Kulturlokals Café Bar Mokka in Thun.
Valérie Chételat (Archiv)
«Das Café Mokka ist so stark geprägt von ihm, man geht hinein und atmet ihn ein». Für Pedro Lenz kam die Todesnachricht aus heiterem Himmel.
«Das Café Mokka ist so stark geprägt von ihm, man geht hinein und atmet ihn ein». Für Pedro Lenz kam die Todesnachricht aus heiterem Himmel.
Urs Flüeler/Keystone
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Wie aus seinem näheren Umfeld bekannt wurde ist Beat Anliker aka MC Pädu Anliker im Alter von 59 Jahren gestorben. Der Betreiber der Café Bar Mokka sei am Dienstagabend um 23.15 in seinem Zuhause einem Herzstillstand erlegen, wie sein Bruder, Bernhard Anliker, der Stadt Thun mitteilte.

Im September hatte die Stadt Thun das Urgestein der Thuner Kunstszene mit dem Thunpreis 2016 geehrt. Dieser wäre am 1. November vom Gemeinderat verliehen worden. Anliker habe mit seiner langjährigen Arbeit als Betreiber des Kulturlokals Café Bar Mokka die Thuner Kulturszene stark geprägt und weit über die Region hinaus bekannt gemacht, hiess es in der Medienmitteilung der Stadt Thun zur Verleihung des Thunpreises vom 8. September 2016.

Wie Stadtschreiber Remo Berlinger gegenüber der SDA sagte, wird die Stadt Thun den Kulturpreis nächste Woche posthum verleihen. Der Thuner Gemeindepräsident Raphael Lanz (SVP) sagte auf Anfrage, dass auf Wunsch der Angehörigen Anlikers und der Laudatoren am 1. November ein Gedenkanlass stattfinden werde.

Grosse Bestürzung

Die Reaktionen auf den Tod des Thuner Stadtoriginals bringen grosse Trauer und Betroffenheit zum Ausdruck. So zeigte sich der Thuner Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) über den Tod Anlikers «bestürzt und betroffen.» Die Stadt Thun habe Anliker den Thunpreis 2016 aufgrund seiner grossen Verdienste in der Thuner Kulturszene verliehen. «Sein Tod ist ein grosser Verlust», sagt Lanz.

Auch auf Social Media macht sich Bestürzung breit. So bringt der Berner Schriftsteller und Musiker Jürg Halter auf Twitter seine Trauer zum Ausdruck. Halter war als «Kutti MC» mehrfach in der Café Bar Mokka aufgetreten.

Für Schriftsteller Pedro Lenz, der bei der Verleihung des Thunpreises eine Laudatio auf Anliker halten sollte, kam die Todesnachricht aus heiterem Himmel: «Die Nachricht ereilte mich vollkommen unvorbereitet und macht mich unendlich traurig. Pädu Anliker war eine sehr singuläre Figur, absolut einzigartig. Ein unglaublicher Gastfreund für alle Künstler, die in seinem Kulturlokal ein und aus gingen.» Lenz könne sich kaum vorstellen, wie das Café Mokka nach Anlikers Tod weiterleben soll: «Es ist so stark geprägt von seiner Persönlichkeit. Man geht hinein und atmet ihn ein.»

Der Autor und Radiomoderator Reeto von Gunten sagt zur Todesnachricht Anlikers, dem Post des Rappers Greis habe er nichts mehr hinzuzufügen. Greis schrieb heute auf Facebook zu einem Foto von ihm und Anliker: «MC Anliker forever – Musik ist scheisse ohne dich.» «Musik ist scheisse» war der jahrelange Claim des Café Mokka.

Die Webseite der Band Patent Ochsner steht ganz im Zeichen des grossen Verlusts für die Schweizer Künstlerszene:

Anlikers Universum

Anliker hatte das ehemalige Jugendhaus an der Allmendstrasse 14 in Thun zu einem renommierten Konzertort gemacht. Das Kulturlokal Café Bar Mokka war ein beliebter Publikumsmagnet. Der kleine, mit tausenderlei Chichi eingerichtete Club machte Grossstadtkultur mitten in der Provinz. In all den Jahren war der «Möggu» für viele Thunerinnen und Thuner eine Art kultureller Heimathafen. 2016 feierte das «Mokka» sein 30-jähriges Bestehen.

Meist kettenbehangen, oft geschminkt und in auffälligen Kleidern mischte Anliker seit Jahren das beschauliche Thuner Stadtleben auf - der langhaarige Hüne galt als ein Unikum. Oft sah man ihn am späteren Vormittag zeitunglesend in einem Café. Er selber äusserte sich immer wieder pointiert und unverblümt zum aktuellen Geschehen und zu gesellschaftlichen Veränderungen, unter anderem auch in Zeitungskolumnen. Pflegeleicht war «Mr. Mokka» nie. Immer wieder legte er sich mit den Behörden an, wenn es darum ging, der jungen Kultur genügend Raum zu verschaffen. Auch Entwicklungen im Musikbusiness verfolgte er kritisch-hinterfragend.

In über hundert Konzerten pro Jahr treten bekannte Schweizer, aber auch internationale Musikgrössen, Slam-Poeten sowie andere Kunstschaffende im «Mokka» auf. Mit seinem Konzert-Club hievte Anliker Thun auf die Landkarte der wichtigen Konzertorte der Schweiz.

Der Musikkenner Anliker gab aber auch jungen Musiktalenten immer wieder die Möglichkeit, erste Erfahrungen auf der Bühne zu sammeln und war damit auch ein wichtiger Förderer der regionalen Musikszene.

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