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«Nella hatte ein Leben neben den Schlagzeilen»

Nella Martinettis Biografin Gabriella Baumann-von Arx erklärt, weshalb die verstorbene Sängerin beim Schweizer Publikum so erfolgreich war. Und weshalb sie immer wieder den Weg in die Boulevardpresse suchte.

Hier wurde die Asche von Nella Martinetti beigesetzt: Der Friedhof von Brissago TI am 9. August 2011.
Hier wurde die Asche von Nella Martinetti beigesetzt: Der Friedhof von Brissago TI am 9. August 2011.
Reuters
Nicht alle Trauernden fanden Platz in der Kirche. (9. August 2011)
Nicht alle Trauernden fanden Platz in der Kirche. (9. August 2011)
Reuters
Meistens gut gelaunt: Nella Martinetti während der Prix Walo Gala im Seedamm Plaza am 18. April 2010 in Pfäffikon SZ.
Meistens gut gelaunt: Nella Martinetti während der Prix Walo Gala im Seedamm Plaza am 18. April 2010 in Pfäffikon SZ.
Keystone
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Mit dem Tod von Nella Martinetti ist eine markante Stimme im Schweizer Showbusiness verstummt. Womit wird die Entertainerin den Schweizern am meisten in Erinnerung bleiben? Mit ihren Liedern, hoffe ich. Und mit ihrem Lachen, ihrer Grosszügigkeit und der Tatsache, dass sie viele Menschen glücklich gemacht hat.

Sie haben Nella Martinettis Biografie «Fertig lustig» geschrieben. Was würden Sie als Höhepunkt ihrer Karriere bezeichnen? Das kann ich nicht sagen, dafür bin ich zu wenig bewandert im Musikbusiness. Nella selbst war stolz darauf, dass sie die einzige Interpretin beim Grand Prix der Volksmusik war, die mit einem Lied gewonnen hat (Anm. der Redaktion: «Bella Musica»), das sie nicht nur selbst vorgetragen, sondern auch selbst getextet und selbst komponiert hatte. Und natürlich würde Nella auch erwähnen, dass sie das Lied getextet hatte, mit dem Céline Dion am Eurovision Song Contest derart erfolgreich war.

Die Entertainerin war im Volk sehr populär. Wir erklären Sie sich das? Was war ihr Geheimrezept? Sie war ein Star, den man anfassen konnte, hatte keine Berührungsängste und mischte sich unters Volk. Sie war «eine von uns».

In ihren letzten Jahren fiel Nella Martinetti weniger durch die Musik auf, sondern durch ihre zahlreichen Auftritte in der Boulevardpresse. Hat sie damit zunichte gemacht, was sie in frühen Jahren erreicht hat?

Nein, das glaube ich nicht. Sie war einfach sie selbst. Und sie wollte den Menschen zeigen, dass auch sie nicht immer die lachende, quicklebendige Frau war, für die viele sie hielten.

Weshalb verspürte Nella diesen Drang, ständig in den Schlagzeilen präsent zu sein? Sie sah jeden Journalist, der sich für sie interessierte, als Freund an. Und wenn ein Freund anruft, dann sagt man ihm die Wahrheit, redet, gibt auch Geheimnisse preis. Wobei – und das haben ihr viele nicht zugetraut – Nella hatte ihre Geheimnisse, und die hat sie gehütet wie einen Schatz.

Zum Beispiel?

Ich sagte Nella immer: Nur weil wir ein Buch schreiben, musst du nicht alles preisgeben, nicht jede Geschichte ist für die Öffentlichkeit bestimmt. Das Geheimnis eines Geheimnisses ist es, dieses bewahren zu können – über den Tod hinaus. Das ist, finde ich, sehr tröstlich.

Wenn die Tessinerin es wieder einmal in die Schlagzeilen schaffte, wirkte vieles aufgesetzt – etwa die Liaison mit dem 30 Jahre jüngeren Schlagersänger Claudio de Bartolo. War Nella am Schluss nur noch eine PR-Maschine?

Nella hat polarisiert. Wenn etwas über Nella zu lesen oder zu hören war, wollten es die Menschen lesen. Sie wollten sie lieben oder sich über sie aufregen. Nella hat eine Jugendlichkeit bewahrt, die vielen von uns leider abgeht. Wenn sie glücklich war, wollte sie es zeigen und ihr Glück mit anderen teilen. Was die Medien, für die Nella jeweils ein Garant für höhere Verkaufszahlen und Einschaltquoten war, daraus machten, entzog sich ihrer Kontrolle.

Nella Martinetti erkrankte an Fibromyalgie, einer Krankheit, die mit starken Schmerzen verbunden ist. War dies ein entscheidender Bruch in ihrem Leben? Das war ganz sicher so. Während der Arbeit an unserem Buch – ich war damals 39 Jahre alt – sagte sie immer wieder: «Gabriella, geniess das Leben noch, wenn du vierzig bist, wird alles anders.» Später, als sie die Diagnose erhielt, wusste ich, warum sie das Leben nach vierzig nicht mehr als lebenswert anschaute. Die Fibromyalgie hatte bei ihr in diesem Alter begonnen – es ging aber sehr lange, bis man ihr Leiden richtig diagnostizierte.

Die Tessinerin galt als Frohnatur, hatte aber ein äusserst schwieriges Leben – ein Widerspruch?

Nein. Das ganze Leben ist ein Auf und Ab. Für uns alle. Nella hat einfach sehr viel intensiver gelebt als viele andere.

Es hatte den Anschein, als würde Nella Martinetti sogar ihre schwere Krankheit mit viel Humor ertragen. War das alles nur Fassade?

Das war es ganz sicher nicht. Nella hatte ein Leben neben den Schlagzeilen. Sie lebte seit 25 Jahren mit ihrer Freundin Marianne Schneebeli zusammen, die Nella bis zu ihrem letzten Atemzug begleitet hat. Bei Marianne war sie aufgehoben, bei ihr konnte sie auftanken, alles reflektieren. Und das hat ihr geholfen, ihr Lachen nicht zu verlieren.

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