Montreux mit Breitbandprogramm

Viel Nostalgie, einige Fashion Victims und zahlreiche Perlen. Das Programm des Montreux Jazzfestival 2017 ist bekanntgegeben worden.

Die Sängerin Grace Jones tritt am Samstag, 8. Juli am Montreux Jazzfestival auf.

Die Sängerin Grace Jones tritt am Samstag, 8. Juli am Montreux Jazzfestival auf.

(Bild: zvg)

Ane Hebeisen

Wir schreiben das Jahr 1966. Der Beach Boy Brian Wilson hat keine Lust mehr, über das süsse Nichtstun am Strand zu schreiben und lässt verkünden, das grösste und bedeutendste Album der Rockgeschichte bewerkstelligen zu wollen. Monatelang verschanzt er sich im Studio, experimentiert mit Cembalos, Blockflöten und einem Theremin und heckt reichlich verdrogte Ideen der Liedschreibekunst aus. „Pet Sonds“ heisst das entstandene Werk, das zwar nicht das beste Album der Rockgeschichte geworden ist, aber doch ein wegweisendes. Immerhin inspirierte es die Beatles zu ihrem Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“. Ebendieser Brian Wilson will „Pet Sounds“ nun – 51 Jahre danach – in Montreux erneut zur Aufführung bringen. Und weil das ein ganz und gar nostalgischer Abend werden soll, wurde fürs Vorprogramm obendrauf noch das einstige Roxy-Music-Oberhaupt Bryan Ferry eingeladen.

Dass man nostalgische Gefühle wecken, und dabei heutige Musik machen kann, das hat Grace Jones bei ihrem Montreux-Auftritt vor fünf Jahren eindrücklichst unter Beweis gestellt. Ihre Rückkehr dürfte zum Triumph werden. In einem Interview hat sie kürzlich die aktuelle Popmusik zerfetzt, hat angekündigt, dass sie Kanye West ins Gesicht schlagen möchte und dass bald ein neues Album von ihr zu erwarten sei – ein afrikanisches. Womit wir gleich bei den Verlierern des diesjährigen Montreux-Programms wären. Montreux 2017 ist fast ausschliesslich auf die USA, England und Frankreich ausgerichtet, Afrika findet ausser dem glitschigen Youssou N’Dour kaum statt. Brasilien wurde ganz aus dem Programm gestrichen, wie auch die Schweiz von den Hauptbühnen ausgeschlossen ist, bis auf ein Konzert von Yello im Keller des Gebäudes.

Ein Glanzlicht dürfte der Soul-Abend mit Erykah Badu, Solange und Sampha werden, Phoenix, die Meister der geschmeidigen Discomusik treten zusammen mit den Belgiern von Soulwax an, die auf ihrem neuesten Album hoffnungslos dem Retro-Chic bejahrter Synthesizer erlegen sind. Einen hübschen Folkabend gibts mit den Fleet Foxes und Kevin Morby. Lauryn Hill wagt sich zurück nach Montreux, nachdem sie das letzte Mal mit ihren Allüren das ganze Hinterbühnenpersonal stinkig gemacht hat, und das Jazz-Angebot schwankt zwischen Till-Brönner-Beliebigkeit und Entdeckergeist. Und apropos Entdeckungen. Für folgende Bands lohnt sich ein Ausflug an den Genfersee bestimmt: Tash Sultana (Folk-Pop mit Glücksgarantie), Slaves (Punk mit ausgefahrenem Mittelfinger), The Cinematic Orchestra (cineastische Schönheit), La Femme (Charmepop aus Paris), Shabaka & The Ancestors (gefühlsirritierender Karibik-Jazz) und The Kills (Indierockige Endzeithymnik).

Das Festival findet vom 30. Juni bis am 15 Juli statt.

Der Bund

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