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Menschen, Maschinen, Saxofone

Das 42. Paléo-Festival von Nyon demonstrierte am Eröffnungsabend seine notorische stilistische Vielfalt.

Es hat für jeden etwas: Bassist Flea und Sänger Anthony Kiedis von den Red Hot Chili Peppers ...
Es hat für jeden etwas: Bassist Flea und Sänger Anthony Kiedis von den Red Hot Chili Peppers ...
Valentin Flauraud, Keystone
... donnern auf der Hauptbühne am ersten Abend des 42. Paléo-Festival in Nyon.
... donnern auf der Hauptbühne am ersten Abend des 42. Paléo-Festival in Nyon.
Jean-Christophe Bott, Keystone
... oder geniessen ein Käsefondue.
... oder geniessen ein Käsefondue.
Valentin Flauraud, Keystone
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Manchmal führt der beste Weg zum Ziel über Umwege, weil nämlich der Umweg das Ziel ist. «Le Détour» heisst eines der Zelte am Paléo-Festival von Nyon. Der Anlass hat seinen exzellenten Ruf dadurch mitbegründet, dass er die Gleichzeitigkeit des Verschiedenen auf meist hohem Niveau garantiert, also das Kleine neben dem Riesigen, das Neue neben dem Bekannten, das Andere neben dem Gefälligen. Aus einem schüchternen Folkfestival entstanden, hat sich das Paléo zu einem internationalen Grossanlass verbreitert, der sechs Tage dauert, sechs Bühnen anbietet und darauf über 100 Konzerte abhält.

Kein Exerzierplatz für Musik

Dass der Anlass jedes Mal ausverkauft ist, lange bevor er beginnt, hat einiges mit der Programmation, vieles mit dem Gelände und am meisten mit der Atmosphäre zu tun. Dieses Festival bietet sich nicht als betonierter Exerzierplatz mit Musik an, sondern ist im Lauf der Jahrzehnte organisch aus der Gegend und mithilfe ihrer Bewohner gewachsen. Diese bedienen die fast 130 Essensstände, sorgen für Aufbauhilfe und garantieren das Gemeinschaftsgefühl im Scheinwerferlicht unter Sternenhimmel. Es gibt viele Open Airs, man hat nie ein Schöneres erlebt.

Die zweitgrösste Nebenattraktion von Nyon findet ebenfalls unter einem Zelt statt am Rand des grossen, sanft ansteigenden Geländes, dem Dôme. Dort wird traditionelle und auf die Tradition bezogene oder die Tradition weiterentwickelnde Musik aus der ganzen Welt gegeben, die von den Amerikanern gerne zur «World Music» generalisiert wird, als liesse sich alles Nichtamerikanische, von Grönland bis Neuseeland, in ein einziges Genre pressen.

Wie weit die Festivalleitung die Grenzen der jeweiligen Stile offenlässt, machen am Dienstagabend im Dôme zwei aufeinanderfolgende kolumbianische Bands deutlich. Zunächst spielt die Gruppe Orquestra LA-33 zum Tanzen auf; sie wurde vor 15 Jahren von zwei Brüdern in Bogotá gegründet und vermengt traditionelle Salsa zwanglos mit anderen lateinamerikanischen Stilen. Das entspannte Kollektiv gibt ein souveränes, auf gelassene Weise virtuoses, wenn auch stilistisch wenig überraschendes Konzert.

Donnernde Bässe, kehlige Refrains

Knapp zwei Stunden später wirft das junge kolumbianische Elektronik-Duo Cero39 seine Maschinen an und mischt im zuckenden Licht Elemente von Techno, Elektronik mit kehligen lateinischen Refrains. Die Musik gleitet und stottert, Akkordeon-Samples kollidieren mit grollenden Bässen, das Unvereinbare wird passend gemacht.

Auf Platte haben solche Kontraste einen funkelnden Reiz, die Musik der beiden Jungen klingt geschmeidig und vital. Aber auf der Bühne bekommt das Duo auf die Dauer dasselbe Problem, das jede Band ereilt, die ohne Liveschlagzeug spielt, die Chemical Brothers zum Beispiel, ein offensichtliches Vorbild von Cero39: Langeweile kommt auf und geht nicht wieder.

Wem der Umweg in Nyon nicht gefällt und wer auch nicht auf Weltmusiktournee gehen will, den schicken die Red Hot Chili Peppers am späten Abend auf der Hauptbühne mit einem donnernden Konzert nach Hause. Es hat für jeden etwas und für alle immer wieder etwas anderes.

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