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Madonna: Maximal sexuell, ultimativ lasziv

Madonna präsentierte in Dübendorf vor 72'000 Fans einen Streifzug durch ihre 25-jährige Karriere. Der Anlass war perfekt organisiert und die Show so ausgewogen wie Madonnas Diät. Die Stimmung blieb reserviert.

Madonna auf ihrer «Sticky and Sweet»-Tour. Nachfolgend Bilder von ihrem Schweizer Konzert am 30. August 2008 in Dübendorf.
Madonna auf ihrer «Sticky and Sweet»-Tour. Nachfolgend Bilder von ihrem Schweizer Konzert am 30. August 2008 in Dübendorf.
Keystone
US singer Madonna performs on stage during her concert of the "Sticky and Sweet" world tour, on the military airport in Duebendorf, near Zurich, Switzerland, Saturday, August 30, 2008. According to the organiser over 70,000 fans came to Madonna's first concert in Switzerland. (KEYSTONE/Walter Bieri ) === NO SALES ===
US singer Madonna performs on stage during her concert of the "Sticky and Sweet" world tour, on the military airport in Duebendorf, near Zurich, Switzerland, Saturday, August 30, 2008. According to the organiser over 70,000 fans came to Madonna's first concert in Switzerland. (KEYSTONE/Walter Bieri ) === NO SALES ===
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US singer Madonna performs on stage during her concert of the "Sticky and Sweet" world tour, on the military airport in Duebendorf, near Zurich, Switzerland, Saturday, August 30, 2008. According to the organiser over 70,000 fans came to Madonna's first concert in Switzerland. (KEYSTONE/Walter Bieri ) === NO SALES ===
US singer Madonna performs on stage during her concert of the "Sticky and Sweet" world tour, on the military airport in Duebendorf, near Zurich, Switzerland, Saturday, August 30, 2008. According to the organiser over 70,000 fans came to Madonna's first concert in Switzerland. (KEYSTONE/Walter Bieri ) === NO SALES ===
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Diese Frau ist ein Naturereignis. Wenn sie den Militärflugplatz Dübendorf beschallt, pilgern mehr als 70'000 Leute an, unter ihnen Bundesrätin Doris Leuthard und alt Bundesrat Christoph Blocher.

Madonna, ein Naturphänomen, ein bisschen wie das Wetter. Etwas Neues gibt es dazu kaum zu sagen, darüber reden muss man trotzdem immer wieder. Der Militärflugplatz jedenfalls ist ein gutes Ambiente für ihren erstmaligen Schweizbesuch - es passt zum Antrieb, mit dem sie durch ihre 25-jährige Karriere gedüst ist. Besser wäre nur eine Raketenbasis.

Dabei geht es, Hand aufs Herz, nicht einmal nur um Nostalgie. Madonna ist mit Fünfzig noch voll dabei - wie der von der Bratwurst bis zum mobilen Postautomaten tipptopp organisierte und fast ausverkaufte Grossanlass zeigte. Natürlich ging es dabei vor allem um Spektakel, um Huldigung der Königin. Wer in der irrigen Erwartung eines echten Konzertes, mit magischen Glücksmomenten und Tuchfühlung zum Star nach Dübendorf pilgerte, wurde enttäuscht - dazu war der Anlass einfach zu gigantisch - und die Diva nicht mehr hungrig genug.

Umwerfende Physis

Das Phänomen Madonna ist hinlänglich bekannt: Vor ein paar Wochen fünfzig geworden, sieht sie aus wie 30, tanzt besser als mit Zwanzig und hat allein für diese Tour 653 Stunden trainiert.

Standesgemäss fährt sie zu «Candy Shop» mit gespreizten Beinen auf dem Thron ein. Sie lässt sich die Stiefel wichsen, stösst einen Sportwagen über die Bühne und wird von Tänzerinnen in Sadomasokostümen umschwirrt, maximal sexuell, ultimativ lasziv, perfekt in jeder Hinsicht. Die Stimme, gut gereift, schwankt zuweilen wie ein Halm im Wind der Tanzperformance. Und sogar das ist perfekt. Immerhin vermittelt es ein Quäntchen Authentizität, was solchen megalomanischen Ereignissen sonst gänzlich abgeht.

Nach der Ouvertüre geht Madonna in den Nahkampf mit ihrer erfolgreichen Vergangenheit, beginnend im New York der frühen Achtzigerjahre. Von «Get into the Groove» geht's durch die ganze Bandbreite der Popgeschichte, von «Material Girl» über «Blond Ambition» zu «Evita» bis zu Madonna 2008.

Gutartige Narzisstin

Einige Songs reinterpretiert Madonna gänzlich neu, etwa «Borderline» und aus «Vogue» wird ein Mash-Up mit «4 Minutes». Dazu entfesselt sie im Boxerhöschen eine Seilhüpforgie auf der Bühne, schüttelt ihr blondes Haupt, setzt eine herzförmige Lolitabrille auf, spitzt den Mund, bereit für einen Lolli. Oder sie lächelt, so als sei das nicht eiserne Arbeit, als würde nicht in jeder Pause das Schweissperleninferno in massig Puder erstickt, als sei nicht jeder Schritt, jedes Lächeln, jeder Atemzug geplant. Sondern als sein das einfach nur Spass.

Die Fundamentalfrage beim Phänomen Madonna ist ja: Warum tut sie es? Hat sie nicht alles schon bewiesen? Warum steigt sie in Vermarktungsabgründe wie im März, als sie die Single «4 Minutes to save the World» in einer Shampoowerbung debütieren liess? Und jetzt diese gigantische Tour: Für ihren erstmaligen Besuch in der Schweiz liess sie 3500 Kleidungsstücke, entworfen von Stella McCartnes, Roberto Cavalli, Givenchy und andere, 50 Lastwagen waren nötig, das alles aufs Flugfeld zu karren. Es folgen noch fünfzig weitere Stationen rund um den Globus mit «Sticky and Sweet» Warum tut sie das alles? Fürs Konto? Für die Geschichtsbücher? Für den Weltfrieden? Nein. Madonna will die Weltherrschaft, ganz einfach. Zum Glück ist sie eine gutartige Narzisstin. Und also sind ihre Bemühungen ein erfreuliches Spektakel.

Ein wundervolles Publikum

Madonna tanzt mit Butho-Tänzern, sie holt Flamencotänzer und spanische Gitarren, sie singt «La Isla Bonita», sie schüttelt ihren Körper, klammert sich an ihre Gitarre und gibt alles. Auch das obligate Provokatiönchen, denn Madonna zeichnet in einer Videoeinspielung ihre persönliche Achse des Bösen, die von Hitler zu John McCain und von Ghandi zu Barack Obama führt. Dazu tickt mahnend eine Uhr

Die Show ist so ausgewogen, wie Madonnas Diät, im bekömmlichen Rhythmus choreographiert und es geht schon in die Zielgeraden. Madonna wendet sich erstmals dem Publikum zu, das zwischen Ehrfurcht und Zustimmung schwankt. Sie will sich feiern lassen. «Singt mit!» ruft sie. Und: «Wollt ihr mehr?» Als das Publikum nicht vehement genug antwortet: «Tut mir leid, es ist zu dunkel um Lippen zu lesen.» Nach exakt 112 Minuten fegt noch der Dancefloorknaller «Give it to me» über den Militärflugplatz und dann verzieht sich Madonna so schnell, wie sie gekommen ist: «Ihr wart ein wundervolles Publikum.» sagt sie. «Game over» heisst es auf der Leinwand.

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