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Konzert-Boom in halbleeren Hallen

Musikbands haben DJs von der Bühne verdrängt. Doch der Live-Boom trügt: Mehr Gigs bedeuten nicht zwingend mehr Konzertgänger.

Die nächsten Konzert-Highlights in der Schweiz: REM. 24.09., Hallenstadion Zürich
Die nächsten Konzert-Highlights in der Schweiz: REM. 24.09., Hallenstadion Zürich
Keystone
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Sogar die Musikindustrie dürfte es inzwischen eingesehen haben: Mit dem Verkauf von CDs lässt sich kein Geld mehr verdienen. In den USA wurden allein im Jahr 2007 15 Prozent weniger Alben verkauft; 500 Millionen Stück – so wenig wie noch nie in den letzten 15 Jahren.

Während Plattenfirmen sich von Musikdownloads neuen Profit erhoffen, haben Musiker bereits eine «neue» Quelle erschlossen: das gute, alte Konzert. «Der kollabierende CD-Markt zwingt Musiker, ihr Geld auf der Bühne zu verdienen», sagt Harry Sprenger von der Konzertagentur Free & Virgin. Und: «Früher bewarb das Konzert das Album, heute ist es umgekehrt.«

Halbleere Hallen

Ein Blick in die Veranstaltungskalender gibt Sprenger Recht: Kein Tag ohne Konzert. Das Live-Erlebnis – so lautet eine viel gehörte Erklärung zum Konzert-Boom – sei halt einmalig, es lasse sich nicht ab Konserve konsumieren. Will heissen: Statt in Tonträger, investieren Fans ihr Geld in Konzerttickets. Für Tobias Stahel, Kommunikationsleiter des Zürcher Konzertlokals X-tra, geht diese Rechnung jedoch nicht auf. Zwar gäbe es vor allem in kleineren und mittleren Lokalen mehr Konzerte. «Die Leute geben deswegen aber nicht mehr Geld für Konzerte aus», so Stahel.

Konkret sieht die Lage, gerade in überschaubaren Konzertlokalen, so aus: Es treten immer mehr Bands auf, die einzelnen Gruppen verbuchen allerdings weniger Eintritte. Der ohnehin hart umkämpfte Musik-Markt wird zusätzlich von One-Hit-Wondern unter Druck gesetzt. Fast monatlich entdecken User im Internet eine neue Band, die von einer grossen Plattenfirma unter Vertrag genommen und auf Tournee geschickt wird. Ein Phänomen, das man auch bei Siegern von Castingshows beobachtet. Bloss: Die Carmen Fenks und Fabiennes Louves treten hernach meist in halbleeren Hallen auf. Für Tobias Stahel steht deshalb trotz des vermeintlichen Konzertbooms fest: «Nur eine starke Marke garantiert einen ausverkauften Abend.»

Angebot und Nachfrage, so scheint es, sind im Konzertbusiness im Ungleichgewicht. Wer sich nun vom Band-Überhang sinkende Ticket-Preise erhofft, wird allerdings enttäuscht. Um die Verluste bei den CD-Einnahmen wettzumachen, touren Künstler nicht nur öfter – sie fordern auch höhere Gagen. Dadurch haben sich Konzertkarten in den vergangenen fünf Jahren um schätzungsweise rund einen Drittel verteuert.

Geht dieser Trend weiter, stehen wohl bald wieder DJs auf den Bühnen.

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