Kanye West erklärt Donald Trump seine Liebe

Die Wut auf den US-Präsidenten eint die Hip-Hop-Szene. Nur einer stört die Harmonie.

Schon kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten traf sich Donald Trump mit Kanye West im Trump Tower in New York. Foto: Seth Wenig.

Schon kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten traf sich Donald Trump mit Kanye West im Trump Tower in New York. Foto: Seth Wenig.

Alan Cassidy@A_Cassidy

Seit Donald Trump im Weissen Haus sitzt, rufen ihm Amerikas Rapper ein lautes «Fuck you» zu. Bei allen Rivalitäten, bei allen Animositäten untereinander: Die Wut auf den US-Präsidenten, der immer wieder mit rassistischen Aussagen auffällt, verbindet die Hip-Hop-Szene.

Doch jetzt stört einer der Grossen die Harmonie: Kanye West, 40 Jahre alt, aufgewachsen in Chicago, 33 Millionen verkaufte Alben. Nach einem Jahr Twitter-Pause meldete sich West am Mittwoch mit einer Serie von Tweets zurück, in denen er seine Liebe für Trump verkündete. Er sei nicht in allem mit ihm einverstanden, aber: «Er ist mein Bruder. Wir sind beide Drachenenergie.»

Dann teilte er ein Foto, das ihn mit roter Trump-Mütze zeigt. Und der Präsident bedankte sich umgehend: «Thank you Kanye, very cool!»

Nun ist es West, dem ein «Fuck you» entgegendröhnt. Aus seiner Fangemeinde. Aus den Medien. Und aus den Reihen der schwarzen Künstler. Drake, Kendrick Lamar, Janelle Monáe, Rihanna: Ein Musiker nach dem anderen ist West auf Twitter entfolgt. Viele Anhänger fragen sich, ob sein Ausbruch mit seinem Gesundheitszustand zusammenhänge, um den es angeblich nicht sehr gut steht. Und alle erinnern sich daran, dass West, Sohn eines Bürgerrechtlers und einer Englischprofessorin, einst schimpfte: «George W. Bush sind die Schwarzen egal.»

Dafür findet sich der Rapper plötzlich umgeben von neuen Freunden. Der rechtsextreme Verschwörungstheoretiker Alex Jones lobt ihn für seinen «Mut», ähnlich klingt es bei Fox News und «Breitbart», und auf dem Portal «Axios» schwärmt ein Vertrauter Trumps: Es müssten schon grossartige Zeiten sein, wenn ein republikanischer Präsident von einem schwarzen Rapper gelobt werde.

In Sympathie verbunden?

Ganz neu ist Wests Sicht auf Trump allerdings nicht. Schon kurz nach dessen Wahl zum Präsidenten trafen sich die beiden in Trumps vergoldetem Hochhaus in New York. Es ist auch nicht so, dass West der einzige Rapper wäre, der sich je positiv über Trump geäussert hätte. Im Gegenteil: Viele Hip-Hop-Künstler, die jetzt über ihn fluchen, feierten ihn früher als Symbol für obszönen Reichtum. Doch das war, bevor Trump über Barack Obamas Geburtsurkunde fabulierte. Bevor er als Präsidentschaftskandidat über Schwarze und Mexikaner herzog. Und bevor er damit auch noch gewählt wurde. Heute erklärt ihm nur noch einer die Liebe: Kanye West.

Vielleicht wollte der Rapper mit dieser Provokation einfach seine beiden kommenden Alben bewerben. Vielleicht sind sich West und Trump aber auch tatsächlich in Sympathie verbunden. Als Ehemann des Reality-TV-Stars Kim Kardashian ist West Teil eines Familienclans, der sich wie die Trumps zu einer millionenschweren Marke entwickelt hat. Und so wie Trump hat auch West bisher noch jeden Skandal überstanden. Und jedes «Fuck you» seiner Kritiker.

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