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Muse, Wanda und ein Comedian auf dem Gurten

Die erste Tranche der Bands für das Gurtenfestival 2016 hat sich dem Radio-Pop verschrieben. Unter den Acts ist auch Comedian Kaya Yanar.

The Lumineers, Hauptbühne, 20:30–22:00
The Lumineers, Hauptbühne, 20:30–22:00
zvg / gurtenfestival.ch
DJ Boys Noize, Zeltbühne, 00:45–02:00
DJ Boys Noize, Zeltbühne, 00:45–02:00
zvg / gurtenfestival.ch
Jeremy Loops, Zeltbühne, 15:15–16:30
Jeremy Loops, Zeltbühne, 15:15–16:30
zvg / gurtenfestival.ch
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Es tönt ein bisschen, als ob man in das Tagesprogramm eines beliebigen lokalen Radiosenders reinzappen würde: Da erklingt erst James Bays Kitsch-Ballade «Hold Back the River», darauf das lustige Folk-Stücklein «Ho Hey» von den Lumineers und dann ein schon fast eingemotteter Hit der Schotten von Travis aus der Zeit um die letzte Jahrzehntenwende. Doch die Frequenz heisst nicht Radio Energy, sondern Gurtenfestival 2016, und die Herren werden am Wochenende vom 14.–17. Juli einen Platz zur besten Sendezeit auf den Bühnen haben.

Weitere Musiker, die mit mindestens einem Radio-Überhit auf den Gurten reisen, sind etwa Passenger («Let Her Go») oder Rea Garvey («Super Girl» mit der Band Reamonn, schon etwas länger her). Einen etwas aktuelleren Bezug zur Musik-Aktualität stellen immerhin die Österreicher von Wanda her. Ihr schweissiger Rock driftet öfters in den Schlager ab – und hat im letzten Jahr zu ausführlichen Erklärungsversuchen in diversen Feuilletons geführt.

Keine Unbekannten

Am grössten angekündigt wird das Trio Muse. Die Briten starteten einst als Rockband mit sympathischem Hang zum Drama – als Gegenentwurf zum kumpelhaften Brit-Pop. Mittlerweile haben sie sich zu radiotauglichen Stadion-Rockern mit Nummer-1-Alben hochgearbeitet. Auf dem Weg hat sich nicht nur ihre Fan-Basis vergrössert. Auch Show und Musik wurden opulenter – und die Grenzen des ­guten Geschmacks zumindest gestreift. Rauer geben sich derweil die Wiener von Wanda. Ihr Schweiss-Rock driftet öfter gefährlich in Richtung Schlager – und hat im letzten Jahr zu ausführlichen ­Erklärungsversuchen in diversen Feuilletons geführt.

Unter den Bands mit Schweizer Wurzeln sind vorerst keine auszumachen, welche den geneigten Radiohörer erschrecken könnten: Valeska Steiner und Sonja Glass alias Boy haben sich der betont freundlichen Mädchen-Poppigkeit verschrieben. In fast dieselbe Kategorie, etwas bübischer und aufgedrehter, fallen 77 Bombay Street. Deren Status als Mutters Lieblinge kann ihnen nur noch Bastian Baker, der Schnügel mit Gitarre aus der Romandie, streitig machen.

Nicht mal mehr auf den Deutschrap ist Verlass: Während 2015 die Lückenbüsser von K.I.Z für wenigstens leichte Irritation sorgten, sind dieses Jahr dessen erste Vertreter von der Antilopen Gang vor allem melodieselige Romantiker.

Des Weiteren gibt es Festival-Dutzendware, etwa Nostalgie-Souler Michael Kiwanuka, schwedischen Gipsy-Brass mit Movits!, Elektro-Swing mit Caravan Palace, aufgetakelten Radio-Pop von John Newman und Schwerarbeiter-Rock von Johnossi und Royal Republic und Blue-Eyed-Reggae von Gentleman.

Auf elektronischer Seite hat sich das Gurtenfestival ebenfalls auf die harmloseren Klangerzeuger verlegt: So ist etwa der Norweger Kygo der Star des lüpfigen Tropical-House. Sollte er nicht in den Festival-Modus verfallen, dürfte immerhin vom deutschen Produzenten Boys Noize durchaus Interessantes zu erwarten sein. Bekannt wurde er in der letzten Dekade mit zappeligem Festzelt-New-Rave – sein neustes Werk aus dem letzten Jahr bewegt sich aber tief im Techno-Untergrund. Doch auch das würde die Marotte, zur besten Auftrittszeit keine Livebands, sondern DJs – so etwa Paul Kalkbrenner, Samstagnacht auf der Hauptbühne – auf die Bühne zu lassen, nicht begründen.

Von der Musik verabschiedet hat sich das Gurtenfestival am Sonntagmorgen: Den Auftakt zum letzten Tag macht der deutsche Comedian Kaya Yanar.

Weitere Informationen: www.gurtenfestival.ch

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