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Innovativ bis ins hohe Alter

Der Doyen unter den Schweizer Geigern, der Berner Hansheinz Schneeberger, ist 93-jährig verstorben.

«Geige spielen ist kein Sport, sondern eine Kunst», war seine Haltung: Hansheinz Schneeberger.
«Geige spielen ist kein Sport, sondern eine Kunst», war seine Haltung: Hansheinz Schneeberger.
Daniel Desborough (Archiv)

«Hinter jedem erreichten Ziel verbirgt sich ein neues», sagte der Geiger Hansheinz Schneeberger vor ein paar Jahren in einem Interview mit dem «Bund». Der gebürtige Berner, der fast sechzig Jahre in Basel lebte, kam regelmässig für Auftritte ins Bernbiet zurück, hier hatte er zahlreiche Musikerfreunde und eine grosse Fan­gemeinde. Schneeberger war nicht nur der älteste Solist der Schweiz, sondern auch einer der originellsten, vielseitigsten und innovativsten. Er interessierte sich für Fragen der historischen Aufführungspraxis und setzte sich ebenso begeisterungsfähig für zeitgenössische Musik ein.

Béla Bartóks 1. Violinkonzert wurde gar zu einem Meilenstein in seiner Karriere: Am 30. Mai 1958 brachte Schneeberger das Werk des ungarischen Komponisten unter der Leitung von Paul Sacher zur Uraufführung. Auch sonst hob er bedeutende Werke aus der Taufe, wie etwa die Violinkonzerte von Willy Burkhard und Frank Martin oder «Tempora» von Klaus Huber. Und mit 86 brachte er in einem legendären Konzert an der Meiringer Musikfestwoche «Ri-trato» zur Uraufführung, ein Werk, das der Komponist Heinz Holliger aus Anerkennung komponiert hatte.

Kein Sport, sondern Kunst

Die kostbare Geige, die er seit 1959 als ständige Begleiterin bei sich trug, sei seine Lehrmeisterin gewesen, sagte er. Das hypersensible Instrument habe ihn gezwungen, Neues zu lernen, einzig dadurch, dass es anders reagierte als seine robusten Geigen, die er früher spielte. Schneeberger suchte nach den Nuancen im Ausdruck. Die Notentexttreue war das, was für ihn als Musiker und als Professor zählte: Er, der seit 1961 an der Musikhochschule Basel Meisterklassen gab und als Juror tätig war, fand es problematisch, dass heute viele junge Geiger vorab für die Bühne und Wettbewerbe getrimmt werden und keine Zeit haben, ihr Talent reifen zu lassen: «Geige spielen ist kein Sport, sondern eine Kunst», war seine Haltung.

Sich selber infrage stellen

Schneeberger wurde 1926 in Bern als Sohn einer Lehrerin und eines Lokführers geboren. Seinem ersten Lehrer in Bern, dem 1998 verstorbenen Walter Kägi, verdankte er viel. Er habe keine systematische Technik vermittelt, aber ihm das Rüstzeug mitgegeben, dass er sich selber durch die Labyrinthe der Musik arbeiten konnte, die ihn erwarten sollten. In der Rückschau sei diese Arbeitsweise sehr fruchtbar gewesen, «weil man sich selber immer wieder infrage stellen muss».

Nach dem Studium in Bern, Luzern und Paris gründete er sein eigenes Streichquartett, wurde Konzertmeister beim NDR-Orchester in Hamburg, bald auch ein gefragter Solist und Lehrer. Bis ins hohe Alter pflegte er neben der Musik auch andere Leidenschaften, wie den Eiskunstlauf, Kino und Bücherlesen. Im Februar dieses Jahres musste er kurzfristig einen Auftritt im Berner Münster absagen, wo er mit seinen Lieblingswerken auftreten sollte. Es wäre wohl sein letzter gewesen. Hansheinz Schneeberger ist 93-jährig in Basel gestorben.

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