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«Ich hinterlasse ausser ein paar Liedern nichts»

Nella Martinettis letzte Jahre waren traurig. Manches, so liess sie durchblicken, hätte sie in ihrem Leben lieber anders gemacht. Ein Rückblick auf die Karriere der Entertainerin, die gestern im Alter von 65 Jahren gestorben ist.

Hier wurde die Asche von Nella Martinetti beigesetzt: Der Friedhof von Brissago TI am 9. August 2011.
Hier wurde die Asche von Nella Martinetti beigesetzt: Der Friedhof von Brissago TI am 9. August 2011.
Reuters
Nicht alle Trauernden fanden Platz in der Kirche. (9. August 2011)
Nicht alle Trauernden fanden Platz in der Kirche. (9. August 2011)
Reuters
Meistens gut gelaunt: Nella Martinetti während der Prix Walo Gala im Seedamm Plaza am 18. April 2010 in Pfäffikon SZ.
Meistens gut gelaunt: Nella Martinetti während der Prix Walo Gala im Seedamm Plaza am 18. April 2010 in Pfäffikon SZ.
Keystone
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Der «Blick» war ihr Zuhause. Und die «Schweizer Illustrierte». Und die «Glückspost». «Ich bin und ich war eine Blick-Frau, von Anfang an», sagte sie einmal. Die Regenbogenpresse war Nellas Zuflucht, so sehr, dass sie letztes Jahr im SF-Dok-Film «Nella Martinetti – ein Leben zwischen Applaus und Abgrund» gestand, ja, sie lese gerne Schlagzeilen über sich, sogar die über ihren Bauchspeicheldrüsenkrebs. Sie sagte da auch: «Ja, ich bin kamerasüchtig, scheinwerferlichtsüchtig, das ist eine Katastrophe. Und ich war abhängig von Tabletten und Alkohol.» Und dass sie seit zehn Jahren keinen Sex mehr gehabt habe.

Die letzten Jahre der Nella Martinetti waren traurig. Ihr übersteigertes Mitteilungsbedürfnis und ihr Krebsgeständnis vom 16. September 2009, exakt zwei Tage nach dem Krebstod von Hollywoodstar Patrick Swayze (auch er starb an Bauchspeicheldrüsenkrebs), erweckten hie und da den Eindruck, als habe sie sich ihre Krankheit bloss erfunden. Doch nun ist klar: Nella Martinetti hatte Recht. Denn Nella Martinetti ist nicht mehr. Bereits am 20. Juni meldete sie auf ihrer Homepage www.nella.ch: «Ich breche die Chemotherapie auf eigene Verantwortung ab.» Am Freitag schlief die 65-Jährige im Spital Männedorf friedlich ein.

«Wirbelwind von Brissago»

Angefangen hat der «Wirbelwind von Brissago», der am 21. Januar 1946 zur Welt kam, in den Beizen ihres Heimatdorfes, wo sie mit ihren Geschwistern auftrat und Tessiner Lieder und Songs von Elvis zum besten gab. Sie arbeitete als Kindergärtnerin, bis sie eines Tages vom Produzenten von Freddy Quinn entdeckt wurde – und dann war sie auch schon ein Star. In der Schweiz, Deutschland und Österreich. Mit «Junge, Junge, Du bist eine Wucht» stürmte die quirlige 26-Jährige 1972 die deutsche Hitparade.

Keine Schweizerin und kein Schweizer war öfter und erfolgreicher als sie am Grand Prix d’Eurovision de la chanson vetreten, nämlich als Texterin: Sie schrieb das wunderschöne «Io senza te» für Peter Sue & Marc (1981), das dramatische «Pas pour moi» für Daniela Simmons (1986), und schliesslich die Hymne «Ne partez pas sans moi» für Céline Dion (1988), den Siegersong von Dublin, der Start von Dions Weltkarriere. 1986 gewann sie mit dem selbstkomponierten und -getexten «Bella Musica» den Grand Prix der Volksmusik, der Hit verkaufte sich 2,5 Millionen mal. Das sind Erfolge, die ihr bisher niemand aus dem Schweizer Showbusiness nachmachen konnte.

Der Karriere zuliebe auf ein Kind verzichtet

«Ich hinterlasse auf der Erde ausser meinen paar Liedern – gar nichts. Das ist traurig», sagte sie letztes Jahr. Der Karriere zu Liebe hatte sie sich einst gegen ein Kind entschieden und abgetrieben, sie hat diesen Entschluss ein Leben lang nicht verkraftet. Ihrem eigenen Tod blickte sie dagegen gefasst entgegen und mit dem schwarzen Humor von einer, die sich jede Art von Schlagzeile gewohnt ist: «‹Nella tot›. Das sehe ich schon rot. Und gross.» Verstummt ist sie nicht. Mindestens fünf ihrer rund zwanzig Alben sind derzeit im Handel erhältlich. Und ein Jenseits-Forscher hat ihr vorausgesagt, dass sie auch im Himmel ewig weitersingen werde.

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