Hymnen-Vorschläge im Experten-Check

Von «bieder» bis «aufputschend»: Die Noten, respektive Urteile, von Musik-Journalist Christian Hubschmid für die heute präsentierten Nationalhymnen-Alternativen.

Christian Hubschmid@sonntagszeitung

208 Vorschläge für eine neue Nationalhymne sind bei der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) eingereicht worden. Eine Jury hat die Vorschläge gesichtet und bewertet und sechs davon zur Wahl gestellt. Unser Urteil fällt so aus:

Vorschlag A:

Einfallslos: Dieselbe Melodie wie «Trittst im Morgenrot daher». Im nur zaghaft modernisierten Text ist von der Offenheit für die Welt die Rede und von einem starken Volk, das Schwache stützt. Der Beitrag könnte von der CVP sein, obwohl das Wort Gott nicht mehr vorkommt.

Vorschlag B:

Überflüssig: Eine neue Melodie, aber sehr nahe an der alten, eigentlich nur eine Variation davon. Sie beginnt auf demselben Ton und hat eine mindestens ähnliche Harmonie. Der Text ist neu, aber furchtbar altmodisch: «Wir gehen Hand in Hand im Schweizer Land.» Das brauchen wir nicht.

Vorschlag C:

Bieder: Wieder die alte Melodie. Leider ist auch der Text weder originell noch modern. «Schönheit liegt in der Natur, Vielfalt herrscht in der Kultur»: Schlaffe Reime, hölzerne Beamtensprache. Ob da wohl das Bundesamt für Kultur dahintersteckt?

Vorschlag D:

Niederschmetternd: Jetzt das Taschentuch zücken: Diese Moll-Melodie ist so schwermütig wie ein Nebeltag im Mittelland. «Wohl unserm schönen Heimatland, aufgehoben in Gottes Hand»: Sollte unsre Fussball-Nationalmannschaft dieses geknickte Lied vor Spielbeginn singen müssen, wäre die Niederlage vorprogrammiert.

Vorschlag E:

Zeitgemäss: So muss es sein: Diese Neuschöpfung beginnt mit einem Rhythmus, der aufhorchen lässt, die feinsinnige Melodie ist zu keiner Zeit absehbar. Im modernen, aber dennoch feierlichen Kunstlied wird ein aufgeklärter Patriotismus propagiert, der auch das Wort «Städte» nicht scheut, aber doch die traditionellen Werte beschwört. «So stark wie unsre Berge»: Endlich eine Hymne, die ihr eigenes Versprechen einlöst.

Vorschlag F:

Aufputschend: «Lasst uns heut nehmen an den Händen»: Zur alten Melodie wird hier eine glühende, an freikirchlichen Enthusiasmus erinnernde Vaterlandsliebe gepredigt. Naiv, aber irgendwie auch erfrischend direkt: «Schweiz, mein Land, ich liebe dich».

Die Texte zu den Hymnen finden Sie hier.

Falls Sie noch Lust zum Raten haben: Nachfolgend das Quiz zu den Nationalhymnen anderer Länder.

DerBund.ch/Newsnet

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