Zum Hauptinhalt springen

Eine Musik mit Charme und Melancholie

Zwei Orpheum-Stipendiaten entdecken den deutschen Komponisten Franz Danzi neu. Und präsentieren sich nächsten Montag im Zürcher Kaufleuten.

Am 8. Januar im Kaufleuten: Nareh Arghamanyan (links) und der Cellist Aurélien Pascal.
Am 8. Januar im Kaufleuten: Nareh Arghamanyan (links) und der Cellist Aurélien Pascal.

Es ist ja immer heikel, vom Werk auf seinen Schöpfer zu schliessen. Aber wenn der Anfang des dritten Satzes seines dritten und letzten Cellokonzertes irgendwie seine Persönlichkeit widerspiegeln sollte: Dann muss Franz Danzi (1763–1826) ein liebenswerter Mensch gewesen sein. Charme und Melancholie mischen sich in dieser Musik auf ganz eigene Weise; mit einer dunkel getönten Leichtigkeit sozusagen, und in einem ungemein gesanglichen, farbigen, freiheitsdurstigen Stil.

Aber vielleicht hat das ja nicht nur mit Danzi zu tun, sondern auch mit dem 23-jährigen französischen Cellisten Aurélien Pascal, der das Stück zusammen mit dem Münchener Kammerorchester unter Howard Griffiths auf CD aufgenommen hat. Nichts Raues ist in seiner Spielweise, nichts gewollt Radikales; er lässt sein Instrument singen, wo es die Partitur verlangt – und auch dort, wo er sich ohne weiteres aufs rein Virtuose zurückziehen könnte. Jeder Ton, jede Geste hat eine Bedeutung bei Aurélien Pascal, ohne dass er das eigens betonen müsste.

Tchaïkovskys «Valse sentimentale» gespielt von Aurélien Pascal. Video Youtube

Kein Wunder also, wurde die in Zürich ansässige Orpheum-Stiftung auf den Franzosen aufmerksam. Seit 1990 fördert sie junge Solisten, indem sie ihnen Auftritte mit bedeutenden Orchestern und in glamourösem Rahmen ermöglicht. In der Regel nutzen die Stipen­diaten die Gelegenheit, um sich mit den Schlachtrössern des Repertoires zu profilieren; nur selten enthalten die Orpheum-Programme Werke jenseits des klassischen Mainstreams.

Tiefe Depression nach Verlust der Ehefrau

Aber nun hat man mit einer CD-Reihe noch einen neuen, gar nicht mainstreamigen Weg eingeschlagen. Vor zwei Jahren haben die Cellistin Chiara Enderle und die Geigerin Veriko Tchumburidze Werke der Mozart-Zeitgenossen Anton und Paul Wranitzky herausgebracht. Und nun folgt eben die Aufnahme mit zwei Konzerten und einer Ouvertüre des fast so vergessenen Franz Danzi, der als Cellist und Hofkapellmeister in verschiedenen deutschen Städten wirkte, mit Carl Maria von Weber befreundet war – und trotz einiger Erfolge keinen geradlinigen Weg gegangen ist.

Nach dem frühen Tod seiner Frau, der Sopranistin und Komponistin Maria Margarethe Marchand, scheint Danzi in eine tiefe Depression gefallen zu sein; jahrelang hat er nicht mehr komponiert, auch von seinen Ämtern zog er sich zurück. Später hatte er durchaus illustre Posten inne, am Königlichen Hoftheater in Stuttgart und bei der Badischen Hofkapelle in Karlsruhe; aber die ganz grosse Karriere hat er nicht gemacht.

Flair für Raritäten

Franz Danzi selbst hat sich wohl in erster Linie als Opernkomponist verstanden, aber gerade seine Bühnenwerke werden heute nicht mehr gespielt. Bekannt sind am ehesten noch seine Bläserquintette, von denen auch diverse Aufnahmen existieren.

Sein einziges Klavierkonzert, mit dem sich auf der Orpheum-CD die 28-jährige armenische Pianistin Nareh Arghamanyan ins beste Licht rücken kann, ist dagegen eine Ersteinspielung. In jedem Takt ist da zu hören, wie gut der Komponist Mozarts Werke kannte, die er oft dirigiert hat. Anders als das Cellokonzert, das bereits kräftig in Richtung Romantik weist, ist dieses Klavierkonzert noch durch und durch klassisch.

Nareh Arghamanyan, die ihre Konzertkarriere einst als Sechsjährige begonnen hat, betont das in einer glasklaren, ausbalancierten, durch und durch natürlichen Interpretation. Sie hat die flinken Finger, die das Stück verlangt, und dazu eine spielfreudige Musikalität, dank der auch die virtuosen Passagen mehr bieten als glitzerndes Laufwerk. Dass das Konzert insgesamt weniger originell wirkt als das Cellokonzert, liegt nicht an ihr.

Und auch nicht an Howard Griffiths, der hier einmal mehr sein Flair für Raritäten vorführt. Als Chefdirigent des Zürcher Kammerorchesters hat er unter anderem Werke des Beethoven-Zeitgenossen Ferdinand Ries rehabilitiert, mit dem Orchestra della Svizzera Italiana hat er bereits sämtliche Danzi-Sinfonien eingespielt. Dass er nun als Künstlerischer Leiter der Orpheum-Stiftung den Stipendiaten die Möglichkeit gibt, Entdeckungen zu machen: Das ist für die Nachwuchsmusiker (und fürs Publikum) mindestens so erfreulich wie die grossen Orpheum-Auftritte.

Franz Danzi: Ouvertüre in D-Dur, Cellokonzert in e-Moll, Klavierkonzert in Es-Dur (Sony). Soirée classique mit Nareh Arghamanyan, Aurélien Pascal und Howard Griffiths im Zürcher Kaufleuten: Montag, 8. Januar, 20 Uhr; Werke von Beethoven, Kodály, Mendelssohn, Strauss u. a. Moderation: Susanne Kübler.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch