Eine kleine Übernahme mit grosser Wirkung

Mit Live Nation drängt der grösste Konzertveranstalter der Welt in die Schweiz. Es könnte ein bisschen kompliziert werden.

Live Nation schickt Stars wie Madonna auf die Bühnen dieser Welt. Das Publikum bezahlt dafür saftige Preise. Bild: Keystone

Live Nation schickt Stars wie Madonna auf die Bühnen dieser Welt. Das Publikum bezahlt dafür saftige Preise. Bild: Keystone

Ane Hebeisen

Die Meldung klingt zunächst ganz unscheinbar: Der internationale Musikmulti Live Nation übernimmt die Schweizer Konzertagentur Mainland, die jährlich in der ganzen Schweiz Hunderte Konzerte organisiert und die internationalen Bands für das Open Air Gampel oder das Showcase-Festival M4Music bucht. Auf den mitgelieferten Pressefotos strahlen alle am Handel Beteiligten um die Wette, sie sprechen davon, dass es dank dieser Kooperation möglich sein werde, mehr internationale Topkünstler in die Schweiz zu holen, und dass die Leidenschaft des lokalen Veranstalterteams den zunehmenden Einfluss von Live Nation in der Schweiz stärken werde.

Alles prima also? Man kann die Geschichte dieser Übernahme auch anders erzählen. Live Nation ist das grösste Livemusik-Unternehmen der Welt und befindet sich auf globalem Expansionskurs. Die Firma schickt nicht nur Künstler wie Madonna oder U2 durch die Stadien dieser Welt, sie ist auch dabei, sich weltweit die angesagtesten Clubs und Festivals einzuverleiben. Böse Zungen sprechen bereits von einer Starbucksisierung der Musikindustrie.

Ausserdem hat die Kartellbehörde der USA 2010, trotz grosser Bedenken in der Veranstalterszene, die Fusion zwischen Live Nation und dem grössten Ticketanbieter Ticketmaster genehmigt. Der Einwand, die Heirat könnte den Wettbewerb in der Live-Branche einschränken, wurde mit blumigen Worten in den Wind geschlagen: «Es wird genug Luft und Sonnenlicht im Raum sein für starke Konkurrenten, um Wurzeln zu schlagen und zu gedeihen», tönte es aus der Regierung Obama.

Unabhängige unter Druck

Heute ist die Luft dünn geworden für unabhängige Konzertveranstalter in den USA. 80 Prozent der online verkauften Tickets – ein Geschäft ohne Risiko und grossen Aufwand – laufen über Live Nation und ihre Partner. Dabei verrechnet die Firma Gebühren, welche die Ticketpreise massiv in die Höhe schnellen lassen. So wurden schon Forderungen laut, die Firma müsse – wegen ihrer marktdominanten Stellung – zerschlagen werden.

Wenn die Firma Live Nation, die schon am Open Air Frauenfeld beteiligt ist, mit einem Schweizer Konzertanbieter fusioniert, dann tut sie das also aus zwei Gründen: Sie will stärker in den Schweizer Konzertmarkt eingreifen, und sie will, wie sie das 2017 angekündigt hat, ihr Ticketsystem Ticketmaster in der Schweiz etablieren. Für die Musikkonsumenten wird sich dabei vermutlich nicht viel ändern.

Hinter den Kulissen der musikalischen Grossveranstaltungen wird es jedoch rumoren. Live Nation hat nach dieser Fusion die Möglichkeit, selbst in der Schweiz Konzerte zu organisieren. Die grossen Stars, die Live Nation exklusiv unter Vertrag hat, dürften für andere Veranstalter kaum mehr abrufbar sein. Die Arbeit der unabhängigen Festival- oder Konzertveranstalter der Schweiz dürfte dadurch noch ein bisschen komplizierter werden.

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