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Ein Konzert wie eine Sommerferienliebe

So sehnsüchtig, so tanzend: Das Zürcher Konzert der französischen Popband Phoenix strahlte eine ausgelassene Herzlichkeit aus.

Das Blumenhemd ist seine bevorzugte Kleidung auf der aktuellen Tour: Phoenix-Sänger Thomas Mars während seines letztjährigen Auftritts in Montreux. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)
Das Blumenhemd ist seine bevorzugte Kleidung auf der aktuellen Tour: Phoenix-Sänger Thomas Mars während seines letztjährigen Auftritts in Montreux. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

Vielleicht verspürten ja alle, die sich am Mittwochabend im Zürcher Volkshaus eingefunden hatten, Sehnsucht nach ein bisschen Wärme. Oder fühlten sich gar «sick for the big sun», wie das Phoenix-Sänger Thomas Mars, für einmal nur begleitet vom Gitarristen Christian Mazzalai, gegen Ende des 90-minütigen Konzerts bei Saallicht gesungen hat. Denn es wehte den ganzen Abend über eine ausgelassene Herzlichkeit durch den Saal, die in hiesigen Konzerträumlichkeiten nur allzu selten zu erleben ist. Zumal dann, wenn weltgewandte Pop-Perfektionisten am Werk sind: Bei den sechs Musikern aus Versailles stimmte jeder Break, jede Gitarren- und Synthfigur, jeder euphorische Refrain mit der perfekt getimten und aufwendig durchchoreografierten Lichtshow überein, die mal stroboskopisch blitzte, mal arg in die bleichen Gesichter blendete oder sich zu regenborgenfarbenen Scheinwerfervorhängen formierte. Und immer wieder schalteten sie das Saallicht ein, denn Phoenix feierten im Volkshaus, das zeitweise einer Grossraumdisco ähnelte, auch ein Zusammensein mit dem Publikum.

Phoenix sind derzeit mit ihrem Album «Ti Amo» unterwegs; es ist ein Album der unverfänglichen und auch sentimentalen Sommerferienliebe, auf dem Thomas Mars zuweilen auf Italienisch radebrecht. Der Ehemann von Regisseurin Sofia Coppola tut dies aber geradezu supersympathisch, sodass man über die immer haarscharf an vulgären Popklischees vorbeischrammenden Songs hinwegsehen kann. Ganz so also, wie das Phoenix schon seit 18 Jahren tun und mit damals uncoolen Popelementen zur zeitweise coolsten Band Europas wurden. Und die auch dank ihrer Verwandtschaft mit den Discorobotern von Daft Punk den US-Markt knacken konnten.

In ihrer Heimat ist alles noch ein paar Spuren grösser als in Zürich: Ein Phoenix-Konzertmitschnitt aus Paris. Video: Culturebox (Youtube)

So darf einer wie der 41-jährige Mars noch heute ein Blumenhemd aus dem durchdesignten Bad-Taste-Fundus tragen und von der Bühne strahlen wie ein grosser Bube, wenn er die Lieder mit seiner offenherzigen und doch dünnen Stimme singt. Die Songs, die gute Zeiten und eskapistische Gefühle heraufbeschwören, wirken auch an diesem Abend nie zu grell und klingen trotz dem muskulös gespielten Schlagzeug nie nach ballerndem Stadionrock. Denn die besten Phoenix-Songs drücken eben auch aus, wie vergänglich süsse Zeiten sind und wie stark die Sehnsucht nach ein bisschen Liebe sein kann. Und wenn man die Liebe nicht findet, kann die Lust ja auch mit einer Glacekugel Fior di Latte befriedigt werden, die sie in einem ihrer neuen Songs auch besingen.

Wenn selbst das nichts hilft, dann kann man als Popmusiker ja auch ein Bad im Publikum nehmen. So, wie das Mars an diesem Abend tat, um sich ganz herzlich beim Publikum zu bedanken. Um dann strahlend weiterzutanzen.

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