«Die Strasse ist ein hartes Pflaster»

Auch ohne die Bundesmillion wird das Buskers Bern erhalten bleiben, sagt die künstlerische Leiterin Christine Wyss.

Christine Wyss kennt das Buskers von Anfang an. Weil sie es mitbegründet hat.

Christine Wyss kennt das Buskers von Anfang an. Weil sie es mitbegründet hat. Bild: zvg

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Vor kurzem wurde bekannt, dass der Stadt Bern die Bundesmillion gestrichen wird. Das Geld kam Institutionen zugute, die sich durch grosse Strahlkraft auszeichnen. Steht das Buskers auf dem Spiel?
Nein, nein. Zwar kamen wir durch die Bundesmillion zu unserem Startkapital, aber heute werden wir von der Stadt, dem Kanton und der Regionalen Kulturkonferenz unterstützt.

Bewohner der unteren Altstadt haben letztes Jahr bemängelt, das Buskers sei zu laut. Daraufhin haben Sie dort zwei Bühnen gestrichen. Wie ist die Lage heute?
Wir hatten ein gutes Gespräch mit den betreffenden Personen. Aber wir versuchen sowieso, Rücksicht zu nehmen, wo es geht, und im unteren Teil des Festivalgeländes die stilleren Darbietungen zu programmieren.

Die Anzahl der Spielorte bleibt also gleich?
Ja, es ist aber immer alles in Bewegung. Fast regelmässig gibt es in der Innenstadt eine Grossbaustelle, die uns die Planung erschwert. Wir müssen uns jeweils anpassen und schauen, dass Bühnen und Gastrostände optimal verteilt sind. Zurzeit ist es die Sanierung des Casinos, die die Herrengasse verengt. Dort verlieren wir jetzt eine Bühne und mehrere Gastrostände.

Worauf achten Sie beim Programm?
Es treten 44 Gruppen auf, davon ist die eine Hälfte der Musik und die andere der visuellen Kunst zuzuordnen, also Akrobatik, Tanz, Puppenspiel etc. Wir schauen, dass alle Sparten abgedeckt sind. Wichtig ist uns, dass wir nicht zum Klamaukfestival werden, deshalb buchen wir auch nicht zu viele Streetperformer.

Was zeichnet die aus?
Viele können kleine Tricks, ein wenig Jonglage oder Pantomime. Aber einfach Nummern aneinanderzureihen, reicht nicht, es muss schon ein Programm sein. Strassenkünstler zu finden, die ein solches vorweisen können, ist gar nicht so einfach.

Warum ist ein roter Faden wichtig?
Streetperformer haben das Publikum zwar schnell im Sack. Sind sie aber in der Überzahl, werden die Zuschauer schnell nervös und verlieren die Geduld, sich auf etwas einzulassen, das poetischer ist.

Wann passt ein Künstler ans Buskers?
Energie und Professionalität müssen stimmen. Die Strasse ist ein hartes Pflaster, wenn du da die Spannung nicht halten kannst, laufen dir die Leute davon. Umgekehrt müssen unsere Bedingungen den Gruppen zusagen: Sie sollten mit ihren Instrumenten umherziehen können und mit Hutgeld als Gage einverstanden sein.

Der Münsterplatz wird heuer zum Thema Rebell bespielt. Wo verhält sich das Buskers rebellisch?
Wir verweigern uns nach wie vor dem Kommerz und versuchen, möglichst ohne Sponsoren auszukommen. Und wir setzen auf Freiwilligkeit: sowohl bei den Helfern als auch beim Publikum, dem es offensteht, ein Bändeli zu kaufen.

Und was ist neu dieses Jahr?
Zum ersten Mal sind drei Gruppen dabei, die einen fixen Standort haben. Das hat damit zu tun, dass sie Puppentheater für Erwachsene machen und es für sie schwieriger ist, mit der ganzen Ausstattung zu zügeln. Andere sind auf ein gewisses Setting wie etwa Dunkelheit angewiesen, deshalb haben wir heuer das Ono als Innenspielort miteinbezogen. Neu haben wir auch eine elektronische Band im Programm: Der Schlagzeuger Simon Baumann wird jeweils im Duo mit dem Pianisten Florian Favre und dem Electro-Musiker Fabian Kalker auftreten. (Der Bund)

Erstellt: 10.08.2017, 07:52 Uhr

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Zur Person

Christine Wyss ist die künstlerische Leiterin des Strassenmusikfestivals Buskers, das sie vor 13 Jahren mitbegründet hat. Als ausgebildete Kulturmanagerin betreibt sie ausserdem eine Künstleragentur. Das Buskers findet vom Donnerstag bis Samstag, 10. bis 12. August, in der Berner Innenstadt statt. Bei schlechtem Wetter wird zudem das Buskershaus im Kornhausforum sowie der grosse Saal im 1. Stock des Restaurants Zunft zu Webern bespielt. Programmheft und Festivalbändel sind wie immer vor Ort erhältlich.

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