Die Stars im Trump-Battle

Popgrössen wie Eminem beziehen wortstark Position gegen den US-Präsidenten. Sie gehen damit das Risiko ein, die eigenen Fans zu vergraulen.

Deutliche Botschaft: Eminems Rap über US-Präsident Donald Trump. Quelle: Youtube

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Der Rapper Eminem inszenierte am Rande einer Preisverleihung Anfang der Woche einen herrlichen Wutanfall. In einem Video wütet er über vier Minuten lang gegen Donald Trump. Er beschimpft ihn als «Kamikaze, der wahrscheinlich einen nuklearen Holocaust auslösen wird» und als «rassistischen Opa». Dabei steigert er sich im Rap-Duktus so überzeugend in eine Wut der Verzweiflung, dass einem als Europäer deutlich wird, wie gross die Not vieler Menschen in den USA sein muss, die unter Trumps Diktat des Irrsinns leben.

Im Internet verbreitet sich das Video seit Dienstag rasend schnell. Nicht nur, weil Wut und Empörung Treibstoffe sozialer Medien sind. Eminem ist auch nicht der erste Star, der gegen Trump wettert. Und natürlich hatte Rap seit seiner Stunde null immer schon den Unterton des Politischen. Was Eminems Tirade von so vielen anderen unterscheidet, ist die Bereitschaft, seine Fans zu vergraulen. Gegen Ende des Videos zieht er eine imaginäre Linie und sagt, man müsse sich entscheiden, ob man ihn oder Trump möge. Wer sich für Trump entscheide, dem sage er: (hier folgt ein sehr grober Fluch).

Gegen die eigenen Fans

Für Eminem wird das Video geschäftsschädigende Folgen haben. Eine Untersuchung der «New York Times» ergab im Sommer, dass das Gros seiner Fans Weisse aus ländlichen Gegenden in Bundesstaaten wie West Virginia, Ohio und Kentucky sind, Menschen also, die sich demografisch mit Trump-Wählern decken. Die eigene Marke mit Meinungen zu beschädigen, trauen sich nur wenige. Wenn zum Beispiel Bruce Springsteen, George Clooney oder Lena Dunham gegen Trump zu Felde ziehen, können sie auf die Zustimmung ihres Publikums zählen.

Neu ist der Druck auf Stars, sich mit einer Meinung zu positionieren. Das fällt nicht allen leicht. Viele halten es mit der Maxime, die der Basketballer und Nike-Werbestar Michael Jordan in den Neunzigerjahren ausgab, als man ihn bat, einen Demokraten zu unterstützen: «Auch Republikaner kaufen Turnschuhe.» Das geht nicht mehr. Wer schweigt wie die Sängerin Taylor Swift, die von Ultrarechten verehrt wird, gilt in der Ära Trump als feige oder wird gleich einem politischen Lager zugeschrieben. Der TV-Komiker Jimmy Fallon bekommt das gerade zu spüren. Der laviert sich seit Trumps Wahlsieg als einziger Late-Night-Moderator mit unpolitischen Witzen durch seine Sendungen. Jetzt fallen die Quoten der ehemaligen Nummer eins. Keine Meinung, kein Erfolg.

Eine gedankenlose Bemerkung reicht

In diesem Klima der übertourten Debatten reicht dann auch schon eine gedankenlos saudoofe Bemerkung, um einen guten Ruf zu zerstören. Die Modeschöpferin Donna Karan faselte auf einem roten Teppich auf eine Frage nach den sexuellen Verfehlungen des Hollywood-Moguls Harvey Weinstein reaktionäres Zeug über unzüchtige Kleidungsstile. Ihre Kleider dürften sich demnächst auf Wühltischen neben Ivanka Trumps Handtaschen finden.

Allerdings – Stars und Marken unterscheiden sich. Während der öffentliche Aufschrei nach Karans Geschwätz gross war, stieg die Aktie ihrer Firma. Vielleicht glaubt der Markt ja, dass jede Meinung Kasse macht. Einer wie Eminem schlägt sich dann aber doch lieber auf die Seite der eigenen Überzeugung. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.10.2017, 09:48 Uhr

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